Kurioser Fall: Leihmutter soll Zwillinge austragen – doch eines der Babys ist ihr eigenes

Plötzlich sagten die Ärzte der Leihmutter, dass ihn ihrem Bauch zwei Babys heranwuchsen (Symbolbild).
Plötzlich sagten die Ärzte der Leihmutter, dass ihn ihrem Bauch zwei Babys heranwuchsen (Symbolbild).
Foto: FatCamera / Getty Images/iStockphoto
  • Eine Frau aus Kalifornien trägt als Leihmutter Zwillinge für ein chinesisches Paar aus
  • Nach der Geburt der Babys wird sie stutzig
  • Eines der Babys sieht gar nicht wie die chinesischen Eltern aus

Perris.  Das hatten sich Jessica Allen (31) und ihr Ehemann Wardell Jasper (34) aus Kalifornien etwas anders vorgestellt. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes im Jahr 2015 beschlossen sie, auch einer anderen Familie zu ermöglichen, womit sie gesegnet waren: sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Doch die Leihmutterschaft für ein Paar aus China endete etwas anders, als Jessica und Wardell es sich gedacht haben. Ihre Geschichte erzählte Jessica der „New York Post“.

Wenige Wochen nachdem der durch künstliche Befruchtung gezeugte Embryo des chinesischen Paares erfolgreich in Jessicas Gebärmutter gepflanzt wurde, kam die Nachricht: Es sind Zwillinge.

Superfötation ist ein sehr seltenes Phänomen

Doch was offenbar weder den Ärzten noch Jessica klar war: Nicht der Embryo hatte sich geteilt, sondern trotz geschützten Geschlechtsverkehrs hatten Jessica und ihr Mann ein eigenes Kind gezeugt, das nun neben dem fremden Baby in ihrem Bauch heranwuchs.

Solch ein kurioser Fall ist medizinisch möglich, aber extrem selten, bestätigte der Gründer des Kinderwunschzentrums New York Fertility Services in Manhattan der „New York Post“. In der Fachsprache wird das Phänomen Superfetatio, Superfötation oder Überbefruchtung genannt.

Jessica bekam Baby nach der Geburt nicht zu Gesicht

Auch nach der Kaiserschnittgeburt der vermeintlichen Zwillinge am 12. Dezember 2016 wusste die junge Leihmutter jedoch zunächst nichts davon, dass sie gerade selbst Mutter geworden war. Entgegen der Abmachung bekam sie die frischgeborenen Babys nach der Geburt auch gar nicht zu Gesicht.

Erst am nächsten Tag zeigte die chinesische Mutter Jessica ein Foto – und Jessica fing an, sich über das Aussehen der Zwillinge zu wundern: ein Baby mit deutlich asiatischen Zügen, das andere offenbar ein Kind mit dunkler Hautfarbe. Und Wardell ist schwarz.

Ein DNA-Test brachte Gewissheit

Einige Wochen später folgte die Gewissheit. Nachdem das chinesische Paar Max, einen der beiden kleinen Jungen, nicht mehr haben wollte, weil er offensichtlich nicht ihr Kind war, wurde ein DNA-Test durchgeführt. Er zeigte: Der eine „Zwilling“ war das leibliche Kind des chinesischen Paares, Max der leibliche Sohn von Jessica und Wardell.

Doch damit begann zunächst ein kleiner Alptraum. Das chinesische Paar erhob Regressansprüche, die Leihmutter-Agentur wollte das unerwünschte Kind zur Adoption freigeben, um damit das fehlende Geld für die Schadensersatzansprüche einzutreiben. Denn von dem Geld, das Jessica und Wardell für die Leihmutterschaft erhielten, hatten sie sich bereits ein Haus gekauft.

Jessica und Wardell kämpfen um ihren Sohn

„Es war so, als wäre Max eine Ware, und wir müssten zahlen, um unser eigen Fleisch und Blut zu adoptieren“, erinnert sich Jessica an die schwere Zeit. Die Familie kämpfte um ihr Kind – und war erfolgreich. Auch im Rechtsstreit um die Schadensersatzansprüche einigte sich die Leihmutter-Agentur mit Jessica und Wardell. Am 5. Februar dieses Jahres war der Alptraum beendet. Der kleine Junge, den Jessica und Wardell Malachi tauften, zog zu seiner Familie in das neue Haus.

Jessica bereut den Schritt, einer fremden Frau ihren Bauch für ein Baby geliehen zu haben, nicht. Doch sie will andere Leihmütter warnen, welche Unwägbarkeiten die Leihmutterschaft birgt. In den USA gibt es immer mehr Frauen, die für andere Kinder austragen. Nicht überall, aber in einigen US-Staaten sind sie legal und für viele Familien sowie für die Leihmutter-Agenturen ein lukratives Geschäftsfeld. (jkali)