Kunstaktion – Mieter schlagen mit Telefonterror gegen skrupellose Vermieter zurück

Die Aktion „Haunted Landlord“ („Heimgesuchter Vermieter“) schlägt skrupellose Vermieter mit ihren eigenen Waffen.
Die Aktion „Haunted Landlord“ („Heimgesuchter Vermieter“) schlägt skrupellose Vermieter mit ihren eigenen Waffen.
Foto: Lars Bösch/Peng!-Kollektiv
  • Ein Berliner Künstlerkollektiv schlägt gegen skrupellose Vermieter zurück
  • Ein Bot ruft mehrmals täglich an und spielt die Geschichten Entmieteter ab
  • Die Aktion will Betroffenen ihre Stimme zurückgeben und auf das Problem aufmerksam machen

Berlin.  Abgestelltes Wasser, demontierte Badezimmer, Telefonterror, Drohungen, Verwahrlosung, Rattenbefall, ungekündigte Besuche, Kündigungsbriefe, die an Heiligabend unter der Tür durchgeschoben werden.

All das mussten sich Mieter von skrupellosen Vermietern, Hauseigentümern und Hausverwaltungen gefallen lassen. Die Fälle sind aus Berlin, Leipzig und Frankfurt am Main. Der Grund für den Terror – Profitgier. Bezahlbare Wohnungen sollten saniert und zu enormen Preisen wieder vermietet werden. So, wie es in deutschen Großstädten immer häufiger passiert.

Entmietung hinterlässt auch seelische Wunden

Die Opfer sind dabei immer die Mieter, die aus ihren Wohnungen ausziehen müssen und mit den Folgen zu kämpfen haben. Nicht nur, weil sie sich auf dem schwierigen Wohnungsmarkt eine neue Wohnung suchen müssen – sondern auch, weil der Psychoterror der Vermieter Spuren hinterlässt.

Doch die Entmieteten schlagen nun zurück. Das Berliner Künstlerkollektiv „Peng!“ startet am 27. November eine Aktion mit dem Titel „Haunted Landlord – Die Rückkehr der Entmieteten“. Dazu hat das Kollektiv diverse Geschichten von Betroffenen gesammelt.

Bot ruft eine Woche lang Vermieter an – auch in der Nacht

Ein automatisierter Bot ruft eine Woche lang mehrmals am Tag skrupellose Immobilienfirmen und Hauseigentümer an, die sich dann die Geschichten der Vermieter anhören müssen, die Schauspieler auf Band gesprochen haben.

Nora Moll vom „Peng!“ Kollektiv: „Viele dieser Geschichten gehen unsichtbar über die Bühne. Die Verantwortlichen können wegschauen und sich bereichern, während die Entmieteten mit ihrer Wut und mit der Wohnungsnot alleine zurückbleiben.“

Machtverhältnis zwischen Mietern und Vermietern wird umgekehrt

Und weiter: „Das Machtverhältnis zwischen Entmietern und Entmieteten wird – wenigstens kurzzeitig – umgekehrt. Diejenigen, die von ihren Vermietern massiv unter Druck gesetzt wurden und einem Gefühl der Ohnmacht ausgeliefert waren, können jetzt ihre Stimme erheben.“

Auf der Website der Aktion kann man sich sowohl die betroffenen Häuser anschauen, als auch die von Schauspielern eingesprochenen Fälle der betroffenen Mieter anhören. Wem Ähnliches widerfahren ist, kann sich noch zu der Aktion anmelden. (lhel)

 

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