Klatsch! Klatsch! Museum würdigt Duck-Übersetzerin Erika Fuchs

Ein Museum würdigt die deutsche Duck-Übersetzerin Erika Fuchs.
Ein Museum würdigt die deutsche Duck-Übersetzerin Erika Fuchs.
Foto: dpa
Erika Fuchs machte die Abenteuer von Donald Duck zum Kult. Ihre Sprechblasen sind prall gefüllt mit Gags und Anspielungen. Obendrein mit Erikativen.

Schwarzenbach/Saale.. Noch Anfang der 70er rümpften bildungsbeflissene Eltern die Nase, wenn der amüsierwütige Nachwuchs Comics aus dem Hause Disney mitbrachte. Ob Donald Duck oder Micky Maus – die gezeichneten Abenteuer der tierischen Helden galten in jeder Hinsicht als billiges Vergnügen. Das hat sich inzwischen geändert. Und zwar zu Recht: Die vermeintlich blubber-dummen Sprechblasen sind gespickt mit Anspielungen auf deutsches Kulturgut. Wen wundert’s, wenn dahinter eine promovierte Kunstwissenschaftlerin steckt? Am Samstag öffnet ein Museum, das ihr Wirken würdigt: das Erika-Fuchs-Haus. Der fränkische Ort Schwarzenbach an der Saale mutiert zu Entenhausen.

Etliche Jahrzehnte zuvor. Als Johanna Theodolinde Erika Petri am 7. Dezember 1906 in Rostock als zweites von sechs Kindern zur Welt kam, konnte niemand ahnen, dass sie später einmal als Übersetzerin die deutsche Umgangssprache prägen würde wie nur wenige zuvor. Ihr Vater August machte Karriere als Chef eines Elektrizitätswerkes in Schlesien, Mutter Auguste war ausgebildete Sängerin und unterrichtete zeitweilig als Lehrerin an der Volkshochschule. Auch wenn der Herr Papa als klassischer Patriarch auftrat, hatten die Petri-Kinder „einen ganz ungeheueren Auslauf“, wie Töchterlein Erika später einmal bemerkte.

„Dem Ingenieur ist nichts zu schwör“

Die selbstbewusste Mutter – ungewöhnlich in jenen Jahren – sorgte dafür, dass Erika studieren durfte. 1931 legte sie ihre Doktorarbeit vor – über einen deutschen Barockmaler. Bedeutend wichtiger jedoch war die Arbeit der sprachbegabten Frau für die Star-Zeichner des popkulturellen Disney-Imperiums, allen voran Carl Barks.

Ihren Namen wechselte Fräulein Petri 1932 mit der Heirat von Günter Fuchs. Er leitete eine Fabrik für moderne Öfen im Oberfränkischen. Zudem war er Erfinder und später auch Honorarprofessor für „Technische Morphologie“ in München. Als wäre all dies nicht genug, war Günter Fuchs kongenialer Partner seiner Frau, in dem sie die US-Sprechblasen eben nicht schlicht übersetzten, sondern ihnen mit seltener Raffinesse einen deutschen Akzent verpassten. Dazu kam Erika Fuchs’ Faszination für den Erfindergeist ihres Gatten. „Was er real und vernünftig macht“, bekannte sie einst, „verwurschtle ich wieder, damit es ein bisschen verrückt wird.“ Nötig war das, als der Ehapa-Verlag der Wortjongleurin 1951 die Chefredaktion der deutschen „Micky Maus“ anvertraute, in deren Geschichten die Erfindungen von Daniel Düsentrieb eine wichtige Rolle spielen.

Sprachartistin Fuchs entstammte einer Generation, in der gnadenlos Klassiker gebimst wurden. Das floss vor allem in die Sprechblasen der Duck-Familie ebenso ungebremst wie spielerisch ein. Beispiel gefällig? Donalds Neffen Tick, Trick und Track schwören: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr.“ Friedrich Schillers Rütlischwur lässt grüßen. Auch der Klassiker „Dem Ingenieur ist nichts zu schwör“ ist keineswegs ein Fuchs-Original. Vielmehr spielt der Reim auf das „Ingenieurlied“ von Heinrich Seidel an.

Sie erfand den Erikativ

Ihr Meisterstück aber lieferte Erika Fuchs mit einer Eigenschöpfung ab. Sie erfand eine auf den Wortstamm verkürzte Verbform, um Abstraktes sprachlich zu erfassen – Geräusche („schluck“, „stöhn“) wie psychische Vorgänge („grübel“, „ärger“). Sprechforscher nannten ihre Form Eri-kativ. Fuchs’ Verfahren machte Schule – Sprachpuristen im Bildungswesen zum Trotz.

Die Fuchs-Fans organisierten sich schließlich in einem Verein: D.O.N.A.L.D – Deutsche Organisation Nichtkommerzieller Anhänger des Lauteren Donaldismus. Es versteht sich fast von selbst, dass die 2005 verstorbene Autorin zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Bei Versammlungen von D.O.N.A.L.D. gibt es nach wie vor ein besonderes Ritual. Wenn ein Donaldist Kluges sagt, wird im Fuchs-Stil applaudiert: „Klatsch, klatsch“.

 
 

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