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Kerzen aus Wachsresten gießen – So klappt es ganz einfach

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Flamme, kerzen, Candle Flame Foto: Getty
Vor Weihnachten haben Kerzen Hochsaison. Aus Wachsresten kann man sie ganz einfach selbst gießen. Wir erklären, wie das funktioniert.

Mülheim. 

Weihnachtszeit ist Kerzenzeit. Dicke, dünne, weiße, rote, grüne Kerzen zaubern Gemütlichkeit in unsere Wohnzimmer. Sind sie heruntergebrannt, bleibt meist ein ordentliches Stück Wachs zurück, das theoretisch noch stundenlang weiterbrennen könnte. Tut es aber nicht. Es sei denn, wir horten die Reste, um die Küche einmal im Jahr in eine Kerzengießerei zu verwandeln.

Bindfaden als Docht

Es gibt mehrere Methoden, um Kerzen selbst herzustellen, zum Beispiel das Kerzenziehen oder -tauchen. Am schnellsten funktioniert jedoch das Kerzengießen.

Neben den Wachsresten, die man vorab nach Farben sortiert, zerkleinert und von Dochtresten und groben Verschmutzungen befreit, braucht man natürlich einen neuen Docht. Es gibt den Rund- oder den Flachdocht – empfohlen wird meist der Flachdocht, weil er sich von beiden Enden abbrennen lässt, man also nicht auf die sogenannte „Laufrichtung“ achten muss, und er für alle Wachsarten geeignet ist.

Man kann ihn entweder im Bastelladen oder im Internet kaufen, oder ganz einfach herstellen: Baumwollfäden zu einer Kordel der gewünschten Dicke und Länge verzwirbeln und in flüssiges Wachs legen, trocknen lassen. Die Dicke des Dochts richtet sich hauptsächlich nach dem Durchmesser der Kerzen – im Internet und auf den Dochtverpackungen finden sich Angaben. So empfiehlt ein Hersteller für eine Kerze mit einem Durchmesser von 3,5 bis 4,5 cm Durchmesser einen Docht der Stärke 3 x 14 oder 3 x 16, für eine Kerze mit 6 bis 8 cm Durchmesser 3 x 24 oder 3 x 30 starken Docht.

Die Bezeichnung setzt sich übrigens aus der Anzahl der Flechtstränge (immer drei) und der Anzahl der Fäden eines Flechtstranges zusammen. Allerdings schwanken die Empfehlungen von Hersteller zu Hersteller, von Internetforum zu Internetforum. Da hilft nur, sich für einen Wert zu entscheiden und auszuprobieren. Im heimischen Selbstversuch reichte ein 3 x 18 Docht für eine 6,5 cm dicke Kerze aus.

Kerze aus der Dose

Neben speziellen Gießformen lassen sich Papprollen, gespülte und aufgeschnittene Getränkekartons oder Konservendosen als Kerzenform verwenden. Bei den Dosen muss man unbedingt überstehenden Deckelrand entfernen, damit die Öffnung nicht schmaler ist als der eigentliche Dosendurchmesser. Sonst lässt sich die Kerze später nicht entnehmen.

In die Unterseite der Dose (oder des Kartons) macht man ein kleines Loch, durch das der Docht gezogen wird. Über die offene Oberseite wird ein Holz- oder Metallstäbchen gelegt, an dem man das andere, straff gespannte Dochtende festknotet. Mit etwas weichem Wachs oder Knete verschließt man von außen das kleine Loch, wodurch gleichzeitig der Docht fixiert werden soll. Um die Kerze später leichter aus der Form entfernen zu können, kann man diese mit einfachem Speiseöl einreiben.

Bei einer Papprolle muss der Docht auf Ober- und Unterseite mit Stäbchen verknotet werden. Außerdem sollte die Rolle in etwas Sand gestellt werden, damit das Wachs nicht unten herausfließen kann. Die Sandrückstände an der fertigen Kerze lassen sich später mit einem Messer entfernen.

Ab ins Wasserbad

Während man die Formen vorbereitet, sollte bereits das Wachs wie Kuvertüre in einem Wasserbad bei geringer bis mittlerer Hitze vor sich hinschmelzen. Sofern kein geeignetes Gefäß vorhanden ist, tut es auch hier eine gereinigte Konservendose – diese am besten nicht bis oben auffüllen, damit sie sich noch gut mit einer Zange oder einer dicken Schicht Küchenpapier aus dem Wasserbad nehmen lässt.

Ist das Wachs flüssig, eine dünne Schicht in die Konservendose gießen, um sicherzugehen, dass nirgendwo Wachs austritt. Was jetzt unten ist, wird später die Kerzenoberseite sein.

Sobald die Wachsschicht erstarrt ist, die Dose bis zum Rand auffüllen und: warten. Beim Abkühlen zieht sich das Wachs zusammen, so dass an der späteren Kerzenunterseite Kuhlen entstehen können. Diese sollte man dann wiederum mit flüssigem Wachs auffüllen, bis die Unterseite einigermaßen eben ist.

Ist das Ganze vollständig abgekühlt, und die Kerze lässt sich trotzdem nicht aus der Form nehmen, hilft ein Aufenthalt im Kühlschrank, wo sich das Wachs noch etwas zusammenzieht, oder heißes Wasser, das man über die Form laufen lässt. Formen aus Pappe sind in dieser Hinsicht praktisch, weil sie sich einfach abreißen lassen.

Für den besonderen Effekt

Wer es gern bunt hat, kann seine Kerzen auch in verschiedenfarbigen Schichten gießen. (Die gewünschte Farbe lässt sich mit spezieller Wachsfarbe erzielen, falls nur weiße Wachsreste vorhanden sind.)

Außerdem lässt sich die Kerze optisch aufpeppen, indem man das feste Wachs zunächst in Flocken schneidet, diese in die Form gibt, und erst danach flüssiges Wachs einfüllt. Das darf dann allerdings nicht zu heiß sein, damit die Flocken nicht schmelzen.