Kein Einzelfall: Kinder marschieren in Militäruniform durch Ditib-Moschee

Mittlerweile hat die Türkisch Islamische Gemeinde zu Herford die Fotos von der umstrittenen Aufführung von ihrer Facebook-Seite gelöscht. Die Seite AKP-Watch hat einen Screenshot eines Fotos erneut auf Facebook veröffentlicht.
Mittlerweile hat die Türkisch Islamische Gemeinde zu Herford die Fotos von der umstrittenen Aufführung von ihrer Facebook-Seite gelöscht. Die Seite AKP-Watch hat einen Screenshot eines Fotos erneut auf Facebook veröffentlicht.
Foto: Screenshot Facebook / AKP watch
  • Ein Video von Kindern in Soldatenuniform in einer Moschee in Herford sorgte für Schlagzeilen
  • „Buzzfeed“ fand heraus: Die Aktion ist kein Einzelfall
  • Das steckt hinter dem Schauspiel

Berlin.  In den vergangenen Tagen sorgte die Ditib-Gemeinde in Herford in Nordrhein-Westfalen für Schlagzeilen. Auf der Facebook-Seite der Gemeinde war ein Video zu sehen, in dem Kinder in Militäruniformen bei einer Aufführung Krieg inszenieren. Das Schauspiel sorgte für Kritik von vielen Seiten.

„Kinder steckt man doch nicht in Uniformen!“, kommentierte der Chef des Bielefelder Integrationsrates, Mehmet Ali Ölmez, den Fall in der Herforder-Moschee gegenüber dem „Westfalen Blatt“. Der Gemeindesekretär der Ditib-Moschee entschuldigte sich, die Gemeinde habe die Situation falsch eingeschätzt.

Nun wird bekannt: Die umstrittene Aufführung ist kein Einzelfall. Eine Recherche des Magazins „Buzzfeed“ hat ergeben, dass auch in anderen Moscheen Kinder als Soldaten verkleidet und für Propaganda genutzt werden. Zwar behauptet Ditib, politisch neutral zu sein, doch in den Moscheen werde laut „Westfalen Blatt“ nationalistische Werbung für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan betrieben.

Mehrere ähnliche Fälle

Ein weiteres Video zeige eine Aufführung in der Zentralmoschee in Mönchengladbach mit einem ähnlichen Szenario – „offenbar unter der Leitung des örtlichen Imams“, wie es auf „Buzzfeed“ heißt. Zu sehen seien Kinder im Vorschulalter, Jungen in Soldatenuniform, die die türkische Fahne schwingen, und Mädchen, die am Boden daneben sitzen.

Im Hintergrund sei der Imam der Ditib-Zentralmoschee in Mönchengladbach, Mülayim Bayindir, zu sehen. Zuvor soll er das Schauspiel nach Informationen von „Buzzfeed“ in einer WhatsApp-Gruppe offensiv beworben haben.

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Dem Nachrichtenportal würden zudem Fotos vorliegen, die eine ähnliche Veranstaltung in der Ditib-Gemeinde in Ulm zeigen sollen. Dazu heißt es: „Auch hier wurden Kinder als Soldaten verkleidet. Junge Mädchen präsentierten nationalistische Plakate mit der Inschrift: Heimat, für dich opfere ich mein Leben. Türke, sei stolz, arbeite und vertraue.“

Entsprechende Aufnahmen aus Österreich kursieren außerdem im Netz:

Hintergrund der Aufführungen

Beide Videos, die auf der Facebook-Seite der Türkisch Islamischen Gemeinde zu Herford sowie auf der Seite von „Buzzfeed“ veröffentlich waren, sind nicht mehr online verfügbar. Eine Reaktion der Gemeinden in Ulm und Mönchengladbach zur Berichterstattung fehlt bisher.

Die Aufführungen haben ein wichtiges Ereignis in der türkischen Geschichte zum Hintergrund: Den Sieg des Osmanischen Reiches bei der Schlacht von Gallipoli 1915. Dieser Sieg gilt als bedeutend für die türkische Geschichte. Die gefallenen Soldaten werden als Helden verehrt.

Feierlichkeiten finden aus diesem Anlass regelmäßig statt – üblicherweise jedoch nicht mit Kindern im Soldatenkostüm. (alka)

 
 

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