„Ich will Dich“: Sex-Ratgeber der Bundeswehr erscheint jetzt doch

Auch in der Bundeswehr gehören unterschiedliche sexuelle Orientierungen und Lebensmodelle zur Realität. Ein Sonderheft macht das nun zum Thema.
Auch in der Bundeswehr gehören unterschiedliche sexuelle Orientierungen und Lebensmodelle zur Realität. Ein Sonderheft macht das nun zum Thema.
Foto: Uwe Meinhold / imago/Uwe Meinhold
  • Im Juli wurde das „Y-Magazin Lust und Liebe“ noch im letzten Moment zurückgezogen
  • Offizieller Grund waren damals nicht eingehaltene Standards
  • Tatsächlich hatte man aber wohl Angst vor öffentlicher Erregung

Berlin.  Erst der Workshop zur sexuellen Orientierung im Frühjahr, jetzt eine Sonderausgabe des hauseigenen Y-Magazins zum Thema „Liebe, Lust und Partnerschaft“ – die Bundeswehr meint es ernst mit ihrem Ziel, den Umgang mit unterschiedlicher Sexualität in der Truppe zu lockern.

Allerdings kommt das Sonderheft „Ich will Dich“ mit dreimonatiger Verspätung. Wie „Bild“ (Bezahlinhalt) berichtet, hätte es ursprünglich im Sommer erscheinen sollen, damals noch mit dem Titel „Lust und Liebe“. Doch dann sei es kurzfristig eingestampft worden.

Handwerkliche Fehler oder schlechtes Timing?

Offiziell soll es daran gelegen haben, dass redaktionelle Standards nicht eingehalten worden seien. Hinter vorgehaltener Hand erzählte man sich aber eine andere Geschichte.

„Das Ministerium hatte Sorge, das Heft könnte als Reaktion auf die Bundeswehrskandale missverstanden werden“, sagte ein Insider damals zu „Bild“ (Bezahlinhalt).

Porno-Besuch kam nicht gut an

Dem Bericht zufolge hatten die Blattmacher für ihre Geschichten unter anderem einen Porno-Dreh besucht, was im Verteidigungsministerium nicht sonderlich gut angekommen sei.

Nun darf die Spezial-Ausgabe doch erscheinen – allerdings in überarbeiteter Form. Zu „Lust und Liebe“ gesellt sich nun noch „Partnerschaft“. Und die Ankündigung bei „Bundeswehr aktuell“ klingt auch eher, als würde man den Fokus diesmal auf Letzteres legen.

Redaktion mehrfach ausgezeichnet

„Von Romantik und Identität über Zweisamkeit und Familie bis hin zu Heiraten und Patchwork“, greife man viele Facetten auf, heißt es dort. Aber: „Auch schwierige Themen wie sexuelle Übergriffe und Gewalt in Konflikten kommen zur Sprache.“

Dass die Redaktion des Y-Magazins – der Name rührt vom Kfz-Kennzeichen der Bundeswehr her – Probleme damit haben könnte, journalistische Standards einzuhalten, liegt übrigens nicht gerade auf der Hand. Im Gegenteil.

Sie erhielt bereits mehrmals Journalistenpreise. Zuletzt bei der diesjährigen Verleihung der European Military Press Association in den Kategorien „Best Photo Award“ und „Best Article Award“. (cho)

 
 

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