Huh! – So können Sie die Isländer bei der EM anfeuern

Ihr Siegesritual ist zum Kult bei der EM in Frankreich geworden: Islands Kapitän Aron Gunnarsson (vorn) und sein Team feiern mit dem Schlachtruf „Huh!“ den Einzug ins Viertelfinale.
Ihr Siegesritual ist zum Kult bei der EM in Frankreich geworden: Islands Kapitän Aron Gunnarsson (vorn) und sein Team feiern mit dem Schlachtruf „Huh!“ den Einzug ins Viertelfinale.
Foto: Getty Images
Das Siegesritual der isländischen Mannschaft ist zum Kult bei der EM 2016 geworden. Weitere Island-Fangesänge gibt’s hier im Video.

Berlin ..  Es gleicht einem Schlachtruf von Wikingern, wenn sich Gunnarsson, Sigthórsson, Gudjohnsen und Co. in ihren blauen Trikots vor der Fankurve im Stadion aufbauen, die Arme ausbreiten, in die Hände klatschen und gemeinsam mit den Fans „Huh! Huh! Huh!“ rufen. Das Siegesritual der isländischen Nationalmannschaft und ihrer Fans ist zum Kult bei der Fußball-EM in Frankreich geworden. Spätestens mit dem Einzug ins Viertelfinale durch den 2:1-Sieg über den Fußballriesen England – bei dem sich auch Kult-Kommentator Gummi Ben kaum halten konnte – hat der Jubel von der kleinen nordeuropäischen Insel Fußballfans auf der ganzen Welt begeistert.

Dem Underdog Island ist die Sensation der Fußball-EM gelungen, hat das Land doch nur 100 Fußballprofis und mit 320.000 Menschen so viele Einwohner wie Bielefeld. Von denen weilen derzeit etwa zehn Prozent in Frankreich, um ihr Team anzufeuern. Allein das macht die Isländer zu den Sympathieträgern des Turniers.

Anlass genug, die Fangesänge der Isländer vor dem Viertelfinale gegen Gastgeber Frankreich am Sonntag genauer unter die Lupe zu nehmen – so wie eine Gruppe Skandinavistik-Studenten der Humboldt-Universität zu Berlin. In einem Isländisch-Seminar haben sie Fangesänge und Hymnen der Isländer anlässlich des EM-Erfolgs ergründet. Im Video zeigen die Studenten, wie die Isländer richtig angefeuert werden können.

Áfram Ísland (Auf geht’s, Island)

„Der bekannteste Fangesang ist sicherlich ,Áfram Ísland’ (Auf geht’s, Island), ein einfacher Wechselgesang“, sagt Moritz Twente von der Humboldt-Uni. Der 21-Jährige studiert im dritten Jahr Skandinavistik/Nordeuropa-Studien und hat ein Semester lang in der isländischen Hauptstadt Reykjavik gelebt. Auch im Handball – dem Volkssport der Isländer – schallt das Lied durch die isländischen Stadien. Von Vorteil für deutsche Fans ohne Isländisch-Kenntnisse: Beim Anfeuern werden einfach die zwei Wörter „Áfram Island“ wiederholt.

Das Original:

Und so geht’s:

Ég er kominn heim (Ich bin heimgekommen)

Ein ebenfalls bekannter und beliebter Fangesang, der so gar nicht nach Fangesang klingt, ist ,Ég er kominn heim“ (Ich bin heimgekommen). „Ungewöhnlich für ein Fußballlied sind daran die Melodie, der Text und auch das Tempo“, weiß Student Twente. Denn eigentlich handelt es sich um ein Operetten-Lied des Ungarn Emmerich Kálmán. In den 30er-Jahren wurde es in Berlin auf Deutsch geschrieben. Damals hieß es noch „Heut’ Nacht hab’ ich geträumt von dir“. Óðin Valdimarsson textete das Lied zu einer romantisch angehauchten isländischen Hymne um, die ein wenig an eine langsame Elvis-Las-Vegas-Ballade erinnert. „Heute wird das Lied auch in den Fußballstadien gesungen“, so Twente, der als Isländer wahrscheinlich den Nachnamen Kristjánsson tragen würde. „Warum das Lied von den Fans so gut angenommen wird, weiß man nicht.“

Das Lied im Original, auch zum Mitlesen:

Und so singen es die Studenten:

Wikinger-Schlachtruf „Huh! Huh! Huh!“

Es klingt eindrucksvoll und fast bedrohlich: Nach dem 2:1-Sieg über England baut sich der isländische Kapitän Aron Gunnarsson mit seinen Mitspielern vor dem Fanblock auf, bittet die Fans zur Ruhe. Dann breiten die Spieler ihre Arme aus, klatschen in die Hände und rufen „Huh!“. Die Fankurve stimmt mit ein, jedem Klatschen folgt ein noch lauteres „Huh!“, bis die Rufe durch das ganze Stadion hallen.

Das Siegesritual hat sich der Fanverband „Tólfan“ (die Zwölf – für den zwölften Mann) ausgedacht hat, kurz nachdem Lars Lagerbäck 2011 die isländische Nationalelf als Trainer übernommen hatte. „Unser Wikinger-Kampfruf. Das gemeinsame Klatschen soll zeigen: Wir rudern alle in eine Richtung“, sagte der Ex-Bundesliga-Spieler Jolly Sverrisson kürzlich der Bild-Zeitung. Woher der Schlachtruf genau kommt, darum ranken sich viele Mythen. „Isländische Medien behaupten, die Isländer hätten das Ritual aus Schottland übernommen. Eine dänische Zeitung berichtete dagegen, die Wurzeln liegen in Polen“, sagt Twente. Oder liegt der Ursprung vielleicht doch im weit entfernten Neuseeland bei den Maori? Die neuseeländische Rugby-Mannschaft nutzt etwa den Haka-Tanz, um den Gegner einzuschüchtern:

Das „Huh! Huh! Huh!“ der Isländer dürfte jedoch jedem unabhängig von der Muttersprache gelingen. Die Berliner Studenten machen vor, wie es geht:

Lofsöngur (Lobgesang, isländische Nationalhymne)

Die Nationalhymne der Isländer „Lofsöngur“ (Lobgesang) hat es in sich. „Sie gilt als sehr schwierig zu singen. Auch für Isländer“, sagt Twente. Das liege vor allem an der Melodie und der Tonhöhe. „Der Text basiert auf einem Psalm, was für eine Hymne eher ungewöhnlich erscheint.“

Die isländische Nationalhymne zum Mitsingen:

Ó, guð vors lands! Ó, lands vors guð!

Vér lofum þitt heilaga, heilaga nafn!

Úr sólkerfum himnanna hnýta þér krans

þínir herskarar, tímanna safn.

Fyrir þér er einn dagur sem þúsund ár

og þúsund ár dagur, ei meir:

eitt eilífðar smáblóm með titrandi tár,

sem tilbiður guð sinn og deyr.

Íslands þúsund ár,

Íslands þúsund ár,

eitt eilífðar smáblóm með titrandi tár,

sem tilbiður guð sinn og deyr.

Die deutsche Übersetzung der Hymne:

Oh, Gott unseres Landes! Oh, unseres Landes Gott!

Wir verehren deinen heiligen, heiligen Namen!

Aus den Sonnensystemen der Himmel weben deine Krone

deine Legionen, der Zeiten Versammlung!

Für dich ist ein Tag wie tausend Jahre,

und tausend Jahre ein Tag, nicht mehr,

ein Blümchen der Ewigkeit mit zitternden Tränen,

das zu seinem Gott betet und stirbt.

Islands tausend Jahre,

Islands tausend Jahre,

ein Blümchen der Ewigkeit mit zitternden Tränen,

das zu seinem Gott betet und stirbt.

 
 

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