Horror oder großer Spaß? So sind Spiele-Abende wirklich

Eine Runde Monopoly kann lustig sein, unterhaltsam und nett. Muss aber nicht.
Eine Runde Monopoly kann lustig sein, unterhaltsam und nett. Muss aber nicht.
Foto: imago stock&people / imago/Sven Ellger
Spiele-Abende können lustig sein. Oder aber am Ende fliegt das Spielbrett durchs Zimmer. Wir haben ein paar Erlebnisse gesammelt.

Berlin.  In Nürnberg startet am Mittwoch die Spielwarenmesse. Mit dabei: Auch viele neue Gesellschaftsspiele. Der Gedanke an „Monopoly“, „Die Siedler von Catan“ und „Tabu“ löst in unserer Redaktion allerdings nicht nur Begeisterung aus.

„Einfach genial“: Als mein Freund plötzlich an Bluthochdruck erkrankte

Ich spiele wirklich gerne alle möglichen Gesellschaftsspiele – von Brett- bis Kartenspiele. Auch mit meinem Freund. Obwohl das vermutlich seine Gesundheit gefährdet. Denn eine Partie „Einfach genial“ löst bei ihm Tourette aus – oder auch Bluthochdruck.

In unserem Urlaub erläuterte er mir erstmals das Legespiel und ärgert sich vermutlich bis heute darüber. Denn sein erhoffter Spielerfolg blieb aus. Ich gewann Runde um Runde – und selbst wenn er mal gewann, war seine Freude darüber nur von kurzer Dauer. Schon bald fegte er wieder die Spielsteine über den Tisch. Wie oft hörte ich in diesem Urlaub die Worte „Ich hasse dich!“ oder „Ich spiele nie wieder mit dir!“. Vermutlich unzählige Male. (Janna Eiserbeck, Redakteurin)

„Therapy“: Einfach die falsche Antwort

Wir waren Teenager und Anfang 20, wir waren leichtsinnig und wir spielten „Therapy“: Mein Bruder, seine Freundin, ihr Ex-Freund und ich. Bei dem Spiel geht es darum, intime Fragen zu beantworten, und Punkte bekommt der, der am besten voraussagen kann, wie die Mitspieler auf intime Fragen reagieren. Konflikte waren vorprogrammiert.

Es kamen Fragen: „Wie gern wärst Du jetzt betrunken?“ oder „Auf einer Skala von 1 bis 10, wie sehr deckt Dich Deine Selbsteinschätzung mit der von anderen?“ Bei der Frage: „Wem in der Runde würdest Du ein Geheimnis anvertrauen“, schrieb ich den Namen der Freundin meines Bruders auf. Das schien mir damals auch ein Kompliment an sie, weil sie sich gut in die Familie integriert hatte, alle sie mochten und mein Bruder mit ihr ein Kind erwartete.

Mein Bruder sollte herausfinden, wen ich gewählt hatte, und sagte: „Das ist ja eine leichte Frage.“ Er hielt sofort einen Zettel mit seinem Namen hoch. Als ich meinen Zettel umdrehte, stand er auf und verließ den Raum. Er wollte „nur eine rauchen“, meinte er. Wir haben noch eine Weile diskutiert. Mein Bruder hat dann doch immer alle Geheimnisse zuerst erfahren. Wir haben nie wieder „Therapy“ gespielt. (Sören Kittel, Reporter)

„Trivial Pursuit“: Am Ende war „Ronald Reagan“ immer die richtige Antwort

Einer der lustigsten Abende war, als Michael versuchte sich vorzustellen, wie ein Kolibri rückwärts fliegt. An die genaue Frage aus dem Bereich Wissenschaft und Technik kann ich mich nicht erinnern, aber daran, dass Michael aufstand und versuchte, mit seinen Armen die Flügel-Bewegungen des Mini-Vogels zu imitieren – was haben wir gelacht.

So war das jedes Mal Anfang und Mitte der 90er, wenn wir in großer Freundes-Runde „Trivial Pursuit“ spielten und einzeln oder noch lieber und lustiger in Teams versuchten, durch Allgemeinwissen – oder kreatives Raten – den Spielstein bis zum Sieg mit den bunten „Nüpfeln“ zu füllen. Besonders lustig waren die Matches Frauen gegen Männer, vor allem für die Frauen – sie gewannen einfach immer. Und das alles ohne googeln. Heute kaum vorstellbar.

Das Team Michael und Sascha – nicht die Helden der institutionellen Bildung, dafür in allen anderen Lebensbereichen die Schlauesten von uns – war super im Bluffen. Bei der Frage setzte sich einer das Sofakissen wie einen Dreispitz auf den Kopf, kurzes Überlegen, dann ließ er dem anderen großzügig den Vortritt: „Sag’ du!“ Außer bei Fragen, die „Welcher US-Präsident...“ begannen. Da hatten wir alle schnell gelernt: Die Antwort war immer „Ronald Reagan“. Auch das ist in diesen Tagen ziemlich unvorstellbar. (Monika Idems, Redakteurin)

„Tabu“: Einer heult immer

Uni-Zeit, zu viert sitzen wir in der WG-Küche eines Freundes, jeder ein Bier in der Hand. Wahrscheinlich war es Montag und uns war langweilig. Ich kann mir sonst nicht erklären, wie wir auf die Idee kamen ein Gesellschaftsspiel hervorzukramen. Aber gut, die Wahl fiel auf „Tabu“, denn das gehört zu den wenigen Gesellschaftsspielen, die ich mag. Mit „Activity“ kann man mich jagen. „Monopoly“ habe ich in meinem Leben nur einmal gespielt, und das nicht mal zu Ende. Und „Die Siedler von Catan“ ignoriere ich grundsätzlich. „Tabu“ aber gefiel mir – bis zu einem Abend unter Freunden.

Denn lustiges Begriffe-Raten wich innerhalb kürzester Zeit Besserwisserei, emotionalen Wortgefechten und fiesen Kommentaren. Und schuld daran war der Begriff Pommes frites. Tabu spiele ich seitdem nicht mehr so gern mit guten Freunden und sonst nur mit dem Hinweis: Am Ende heult immer einer. (Jana Hannemann, Redakteurin)

„Mensch ärgere Dich nicht!“: Viel mehr Ärger als Spaß

Ein Wellnesshotel im bayerischen Wald, meine drei Freundinnen und ich. Draußen ist es kalt und dunkel, wir sitzen am Kamin, vor uns „Mensch ärgere dich nicht!“. „Wisst ihr noch, früher...“ – „Uih, lange nicht mehr gespielt!“ Also, los. Doch das mit dem Ärgern ist so eine Sache. Eine kommt auch nach der vierten Runde nicht aus dem Haus, weil sie nur Fünfer und Dreier würfelt, hat langsam keine Lust mehr, wird nölig. Dafür würfelt eine andere ständig eine Sechs, wirft die gegnerischen Figuren immer kurz vor dem Ziel raus, jubelt. Das bin ich.

„Muss das sein?“ fragen die anderen. „Ist doch ein Spiel, habt euch nicht so“, sage ich und mache weiter. Der Spaß ist schneller vorbei, als gedacht. Die Worte „aggressiv“ und „asozial“ fallen, wir reden nicht mehr viel miteinander. Als ich schließlich gewinne, freut sich keiner außer mir. Wir haben seitdem nicht mehr zusammen gespielt. (Steffi Dobmeier, Chefin vom Dienst Online)

„Monopoly“: Ein fliegendes Spielbrett im Wohnzimmer der Oma

Es müsste Weihnachten 1986 gewesen sein, als der Versuch, mich spielerisch an die Grundprinzipien des Kapitalismus heranzuführen gründlich misslang. Ich weiß nicht mehr, ob mir jemand eine Straße wegschnappte, ich pleite war oder direkt ins Gefängnis gehen musste. Ich kann mich aber gut daran erinnern, wie ich das Spielbrett mit allem, was draufstand, quer durch das Wohnzimmer meiner Oma warf. (Marc Hippler, stellvertretender Online-Chef)

„Die Siedler von Catan“: „Ihr seid so blöd“

Es war Mitte der Neunziger. Ein lauer Sommerabend. Wir saßen auf der Terrasse, Markus, unser Gastgeber, hatte den Grill angeworfen und es versprach ein entspannter Abend zu werden. Es wurde der pure Horror. „Ich hab‘ da ein neues, ganz tolles Spiel entdeckt“, verkündete Sabine, Markus‘ Freundin: „Die Siedler von Catan.“ Schon das Studium der Spielanleitung geriet zum Problemfall. Es ging irgendwie um Rohstoffe, Städtegründungen und Armeen von Rittern. „Man muss strategisch denken“, sagte Sabine noch, bevor sie den ersten Würfel warf.

Was danach kam, ist mir in der Kurzfassung so in Erinnerung: zwei Stunden Chaos, Streit und hämische Kommentare, danach entnervter Spielabbruch. Beleidigt packte Sabine das Spiel wieder ein: „Ihr seid so blöd!“ Der Rest ist Geschichte: „Die Siedler von Catan“ wurden zum Millionenseller und wir haben an unseren Grillabenden nie wieder ein Brettspiel auch nur erwähnt. (Walter Bau, Textchef Online)

„Kniffel“: Wie ich meine Nichte zum Rechnen animierte

Wenn meine Mutter, meine Nichte und ich zusammenkommen, wird bei Tee und Keksen stets gespielt. Ein Ritual, bei dem wir viel lachen. Bei Kniffel gibt es, was mich angeht, jedenfalls eine Menge zu lachen. Weil ich nicht kopfrechnen kann. Gleichzeitig habe ich große Reden geschwungen, auf dass die Nichte immer schön lernt. Bis sie mich erwischte. „Rechnest du die Zahlen gerade mit den Fingern zusammen?“ fragte das Kind, gerade 10 Jahre alt. „Quatsch!“ log ich. Ein langer, wissender Blick von meiner Mutter. Danach hielt ich die Finger ruhig, und prompt verrechnete ich mich ständig.

Seither, die Nichte ist mittlerweile 20, ist es so: Bevor ich überhaupt ansetze, die Würfel für den Viererpasch oder Chance anzusehen, sagt sie mir das Ergebnis. Sie war auch nie eine Mathe-Champion – aber sie rechnet wahnsinnig schnell. Wahrscheinlich schwor sie sich bei meinem jämmerlichen Anblick, im Rechnen nie so blöd zu sein wie ihre Tante. Immerhin, da war ich ja doch eine Art Vorbild. (Alexandra Bülow, Redakteurin)

„Rommé“: Allein unter älteren Damen

Mit einigen Jahren Verspätung wurde mir der perfide Grund klar, warum meine Oma mir so früh Rommé beigebracht hat. Ich kann mich noch erinnern, dass ich zunächst kein großes Interesse daran hatte. Mehr Karten auf die Hand nehmen, als ich eigentlich halten konnte: uff! Dazu mit Bildern, die doch sehr alt und wenig attraktiv aussahen, wenn man nicht gerade den Nase popelnden Joker hatte: öööde. Am Anfang.

Irgendwann hatte Oma doch einen Anflug von Begeisterung geweckt: Großmutters Rommé-Damenrunde (leckerer Kuchen!) hatte jetzt einen männlichen Mitspieler im Grundschulalter. Und der schaute ganz genau hin und hatte auch keine Skrupel, Ungereimtheiten anzusprechen. Oma hat dann aber sicherlich gebetet, dass ich ein Gespräch unter einem Teil der Damen nicht noch mal im größeren Kreis wiedergebe. Oma hatte mit einem Stoßseufzer der Erleichterung und unter bekräftigendem Nicken der Freundinnen festgestellt: „Seit der Lars mitspielt, schummelt die Auguste nicht mehr.“ (Lars Wienand, Leiter Social Media)

„7 Wonders Duel“: Am Ende gaben wir auf.

Altersempfehlung: ab 10 Jahren. Dauer: 30 Minuten. Sollte wohl möglich sein, das beim sonntäglichen Besuch mit den Eltern zu spielen. Oder? Wir arbeiten uns Zeile für Zeile durch die 20 Seiten starke Anleitung. Drei Zeitalter sind zu spielen, währenddessen können sieben Weltwunder errichtet werden. So weit, so gut. Aber auch als wir auf der letzten Seite angelangt sind, steigen wir immer noch nicht durch.

Wie bauen wir einen Holzplatz, was ist ein Papyrus-Fertigung und was bedeutet ein Militär-Punkt? Wir geben uns eine letzte Chance: ein Youtube-Video! 20 Minuten lang redet ein Spiele-Experte über Vor- und Nachteile einzelner Vorgehensweisen, erklärt Sonderregeln und und und – am Ende geben wir auf. Die 151 am Tisch versammelten Lebensjahre steigen einfach nicht durch. Vielleicht probieren wir das nächste Mal ein Spiel für Erstklässler. (Lisa Ahlers, Redakteurin)

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