Grüne wollen Frauen erklären, wie man im Stehen pinkelt

Öffentliche Toiletten haben keinen guten Ruf. Eine Ortsgruppe der Grünen in Österreich will deshalb Alternativen aufzeigen.
Öffentliche Toiletten haben keinen guten Ruf. Eine Ortsgruppe der Grünen in Österreich will deshalb Alternativen aufzeigen.
Foto: imago stock&people / imago/Westend61
Österreichs Grüne haben mit einer skurrilen Veranstaltung für Aufsehen gesorgt. Darin geht es um das Urinieren im Stehen für Frauen.

Perchtoldsdorf.  Seit zwölf Jahren treffen sich im niederösterreichischen Perchtoldsdorf auf Einladung der Grünen Frauen zum Frühstück, um über politische, soziale oder medizinische Themen zu sprechen. Seit zwölf Jahren tun sie das, ohne damit für große Diskussionen zu sorgen. Vor dem nächsten Treffen am 6. Mai ist das anders – wegen des vordergründig skurrilen Themas.

Denn diesmal soll sich alles „rund um den Beckenboden“ drehen. Ein Unterpunkt auf der Tagesordnung: „Urinieren im Stehen für Frauen“. Wie auf der Website der Grünen-Ortsgruppe zu lesen ist, soll eine Fachfrau erklären, wie das kleine Geschäft in jeder Lebenslage möglichst hygienisch verrichtet werden kann. „Beim Sport, statt öffentlicher WCs beim Festival, aber auch in der Pflege“, heißt es in der Ankündigung. Auch handwerklich werde man sich betätigen. So wollen die Frauen Urinierhilfen zum Einmalgebrauch selbst basteln.

Kontroverse Diskussion um Sinnhaftigkeit

Im Netz sorgt das Frühstücksthema für reichlich Verwunderung. Unter einem Tweet mit dem Workshop-Flyer, den der österreichische Leiter der Denkfabrik Agenda Austria, Franz Schellhorn, abgesetzt hat, machen sich viele Nutzer über das Angebot lustig.

„Endlich packen die wichtige Themen an. Bravo“, spottet einer. Ein anderer schreibt: „Immerhin macht Frühstück Sinn, Kaffee treibt.“ Unterstützung kommt hingegen von weiblichen Nutzern. „Nur ein Mann, der noch nie auf einem völlig angepissten Damenklo war, kann die Notwendigkeit einer solchen Lehrstunde nicht verstehen“, findet eine. Eine weitere fragt Schellhorn: „Wissen Sie, wieviel grindige Infektionen man sich auf öffentlichen Klos holt?“

Organisatorin ärgert sich über „garstige E-Mails“

Gemeinderätin Martha Günzl, die das Frauen-Frühstück ins Leben gerufen hat, wundert sich über die Aufregung. „Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagte sie unserer Redaktion. „Wir diskutieren immer wieder kontroverse Themen, aber weil wir nur eine Ortsgruppe sind, hat sich da bisher kein Mensch drum gekümmert.“

Diesmal habe sie allerdings „etliche garstige E-Mails“ erhalten, so Günzl. „Ich frage mich, wie viele dieser Leute, die sich lustig machen, jemals eine ältere Dame gepflegt haben. Wahrscheinlich niemand.“

Grüne treffen besondere Vorkehrungen

Zur Sicherheit will Günzl diesmal zwei männliche Parteikollegen bitten, während der Veranstaltung erreichbar zu sein – „falls es Ärger gibt“. Aber auch für den Fall, dass die Aufmerksamkeit für mehr ehrlich Interessierte sorgt, ist die Gemeinderätin gerüstet: „Ich werde ein paar Klappstühle extra mitbringen.“ (cho)

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