Facebook verbietet sexuelle Andeutungen: Das darfst du künftig nicht mal mehr im Privatchat schreiben

Facebook verschärft seine Regeln.
Facebook verschärft seine Regeln.
Foto: imago

Über Sex kann man nur auf Englisch singen, das wussten Tocotronic schon 1995. Im Zeitalter von Facebook darf man nicht mal mehr über Sex reden.

Facebook will offenbar so sexfrei wie nur möglich werden: Vor kurzem hat das Netzwerk ohne Ankündigung neue Regeln in seinen Gemeinschaftsstandards installiert.

Facebook: Kein Sexualisierter Slang mehr

„Koordinierungs- oder Anwerbeversuche für sexuelle, nicht jugendfreie Handlungen wie gefilmte sexuelle Handlungen, pornografische Handlungen und erotische Tänze oder Massagen“ sind unerwünscht.

Das gilt auch für Gespräche im Messenger. Verbotene Handlungen sind demnach künftig:

  • Vage anzügliche Bemerkungen wie „ich möchte heute Nacht noch Spaß haben“
  • Sexualisierter Slang
  • Sexuelle Andeutungen wie die Erwähnung sexueller Rollen, Stellungen oder Fetischszenarien
  • Inhalte (von Hand gezeichnet, digital oder echte Kunstobjekte), die explizite sexuelle Handlungen oder eine bzw. mehrere anzüglich positionierte Person(en) zeigen oder zu zeigen scheinen.

Die Regeln wirken bis tief ins Private: Nutzer können Inhalte, die gegen die neuen Regeln verstoßen, melden - sie werden dann gelöscht. Das gilt für öffentliche Posts, aber auch für Inhalte in privaten Gruppen oder private Nachrichten im Messenger-Chat.

Löffelchen? Wird gelöscht

Was darf künftig noch auf Facebook geschrieben werden? Wenn ich in einem Chat das Löffelchen erwähne, das ich mir neulich als Souvenir im Urlaub gekauft habe oder darüber spreche, dass ich Zeitschriften gern von hinten lese, verstoße ich dann schon gegen Facebooks Gesetz, weil ich verbotenerweise sexuelle Stellungen erwähne? Wenn ich in einer Gruppe vorschlage, dass man sich ja mal auf einen Kaffee treffen könne, bediene ich mich dann schon eines „sexualisierten Slangs“?

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Unmissverständliche Regeln gibt es offenbar noch nicht. Dass die Lösch- und Entsexualisierungswut immer wieder groteske Blüten treibt, hat sich in der Vergangenheit schon oft gezeigt. So hat Facebook Bilder zum Beispiel immer wieder Bilder vermeintlich anstößigen Inhalts löschen lassen: Etwa Abbildungen des berühmten Gemäldes „Die Freiheit führt das Volk“ von Eugène Delacroix, auf der eine weibliche Brust zu sehen ist.

Warum Facebook die neuen Regeln stillschweigend eingeführt (oh, ein kritisches Wort) hat, ist unklar. Möglicherweise steckt ein neues Gesetz in den USA dahinter, das Online-Plattformen künftig haftbar machen will, wenn über die Plattformen Menschenhandel organisiert wurde. Das jedenfalls mutmaßt die Bürgerrechtsorganisation EFF.

Auffällig: Während Facebook sich derart prüde zeigt, dass sogar dem strengsten Puritaner vor Langeweile die Hut vom Kopf rutschen würde, lässt das Netzwerk Rassismus und Hasstiraden immer noch freien Lauf. Seit Jahren steht Facebook in der Kritik, gegen Hetze und Gewaltandrohungen nur höchst halbherzig vorzugehen.

 
 

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