Ex-Prostituierte packt aus: So schlimm ist das Sex-Geschäft wirklich

Sex-Bars auf der Hamburger Reeperbahn.
Sex-Bars auf der Hamburger Reeperbahn.
Foto: imago stock&people / imago/snapshot
  • In Deutschland ist Prostitution legal
  • Doch freiwillig mache das keine Frau, sagt eine ehemalige Prostituierte
  • Sie fordert ein Sexkaufverbot nach skandinavischem Vorbild

Berlin.  Es war Geldnot, die Anita* in die Prostitution trieb. „Es hätte sicher andere Optionen für mich gegeben, aber ich konnte das damals nicht erkennen“, sagte sie der „Neuen Westfälischen“. Mehr als zehn Jahre ist das her. Heute fordert die Ex-Prostituierte ein Ende des käuflichen Sex – und begründet das mit ihren Erfahrungen.

„Prostitution ist keine Arbeit und schon gar kein Sex, sondern Missbrauch und Gewalt. Es ist Frauenkauf“, sagt Anita. „Man gibt sich einen anderen Namen, zieht sich um, steigt aus seinem Körper aus und schlüpft in eine Rolle. Aber auf Dauer macht das seelisch krank.“ 68 Prozent der Prostituierten litten unter posttraumatischen Belastungsstörungen.

Keine Prostituierten – sondern Opfer

Gedacht war die Legalisierung der Prostitution, um die Frauen sozial abzusichern und zu entkriminalisieren. Doch in Anitas Augen hat sie nur den Zuhältern und Freiern geholfen. „Sie hat auch das Stigma nicht aufgehoben.“

Auch Manfred Paulus, pensionierter Kriminalhauptkommissar mit Erfahrung in Rotlichtkriminalität, Frauen- und Kinderhandel, setzt sich für ein Sexkaufverbot ein. „Es ist ein Skandal, dass man bei den Frauen von Prostituierten spricht, das sind zu 80 Prozent Opfer. Und sie werden gnadenlos im Stich gelassen“, sagte er der Zeitung.

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Werbung für das „Nordische Modell“

In manchen Milieus stammten 90 bis 100 Prozent der Frauen aus Südosteuropa, viele von ihnen seien nicht freiwillig in Deutschland. Paulus fordert daher – wie auch Anita – die Einführung des „Nordischen Modells“.

Dabei gilt Prostitution als Menschenrechtsverletzung und Form von Gewalt gegen Frauen. Sie ist daher für Freier strafbar. Wer beim Sexkauf erwischt wird, muss eine einkommensabhängige Geldbuße zahlen, die Prostituierten hingegen bleiben straffrei. Wer aussteigen will, erhält Unterstützung. Das Modell stammt aus Schweden und gilt dort seit 1999. Die Straßenprostitution habe sich seitdem halbiert. Die gleiche Regelung gilt auch in Norwegen und Island. (cho)

* Name geändert

 
 

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