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Essener erfand Konzept der ProSieben-Show „Millionärswahl“

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Foto: imago/Horst Galuschka
Jeannine Michaelsen und Elton sind die Gesichter der neuen ProSieben-Sat.1-Show „Millionärswahl“. Dahinter steckt ein kluger Kopf: der Essener Karsten Dusse. Der Jurist erfand eine neue Form der Castingshow, bei der nur das Publikum darüber entscheidet, wer am Ende die Million gewinnt.

Köln. 

Es ist eine Show. So viel kann man sagen. Moderiert wird sie von Elton zusammen mit Jeannine Michaelsen. Und der Titel ist auch bekannt: „Millionärswahl“ (ProSieben, 20.15 Uhr). Das heißt, nach acht Folgen wird am Ende ein Kandidat um eine Million Euro reicher sein. Sonst aber wird es schwierig. Manche nennen die Sendung Casting 2.0, Produzent Jörg Grabosch spricht von einer Art „digitalem Wetten, dass…? Fest steht, dass es eines der interessantesten TV-Projekte des Jahres ist. Und ein Wagnis für die beteiligten Sender, die selbst nicht wissen, was da auf sie zukommt.

Bis vor einigen Tagen kannten sie bei ProSiebenSat.1 nicht einmal die Kandidaten. Denn das Casting fand nicht vor einer klassischen Jury statt, sondern auf der Video-Plattform YouTube im Internet. Knapp 27 000 Interessenten hatten sich dort auf einem speziellen Kanal beworben und in einem Video oder einer kurzen Nachricht erklärt, warum ausgerechnet sie das Geld verdient hätten. Nach und nach siebten sich die Bewerber in immer neuen Wahlgängen gegenseitig aus, bis nur noch die 49 Kandidaten im Rennen waren, die nun in sieben Live-Shows ins Fernsehen kommen. Dort geht es dann weiter wie gehabt. Pro Sendung entscheiden die Kandidaten untereinander, nun allerdings auch die Zuschauer vor dem Fernseher durch ihre Anrufe, wer ins Finale kommt. Und bei der Endausscheidung wird der Sieger ebenfalls demokratisch gewählt.

Idee schon einige Jahre alt – viele Sender trauten sich nicht

Die Idee dazu hat der Essener Karsten Dusse schon vor ein paar Jahren gehabt. Der 40-Jährige ist einer der bekanntesten Unbekannten in der deutschen TV-Landschaft, Der gelernte Jurist war mal Anwalt bei Barbara Salesch und ist bis heute Rechtsexperte in der Vox-Sendung „Verklag mich doch“. Wirklich bekannt aber wurde er hinter den Kulissen als Autor für Sendungen wie „RTL Samstag Nacht“, „Schmidt & Pocher“ und „Ladykracher“. Eigentlich wollte er nur im Internet nach Millionären suchen lassen, doch Jörg Grabosch befand: „Das ist auch was fürs Fernsehen.“

Das sahen viele Sender angeblich ähnlich, trauten sich aber lange nicht, ins Boot zu steigen. Nicht nur, weil die Erfolgsaussichten einer neuen Show immer ungewiss sind, sondern weil sie bei der Millionärswahl keinen Einfluss darauf haben, was über den Bildschirm flimmert. Erlaubt ist, was nicht strafbar ist. Dementsprechend bunt ist das Angebot.

Zum Auftakt gibt es unter anderem einen „Freedropper“, der aus 52 Metern Höhe auf ein kleines Luftkissen springt, eine Rockband, die nach 40 Jahren Pause noch einmal gemeinsam auf der Bühne steht, oder einen Breakdancer. Es gibt aber auch einen Mann, der die Million für sein krankes Patenkind haben möchte, ohne dass er bisher verraten hat, was er dafür in der Show macht. Und dann ist da auch noch Sava Pasic (45) aus Duisburg, der offenbar gar nichts machen will, aber verspricht, mehr als die Hälfte der Million an seine Wähler zu verschenken, wenn er gewinnt.

Fiasko oder großer Erfolg?

„Wir haben“, gesteht ein Sendermitarbeiter, der ungenannt bleiben will, „keine Ahnung, ob man daraus eine Show machen kann.“ Die Millionärswahl könne alles werden: „ein Riesenerfolg oder ein komplettes Fiasko“. Jörg Grabosch gibt sich optimistisch, sieht in den kaum vorhandenen Einflussmöglichkeiten des Senders sogar einen Vorteil. „Wenn die Sendung scheisse wird“, hat er schon bei der Vorstellung des Konzepts gesagt, „sind wir nicht schuld.“