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Ende einer Ära – „Hobbit“-Fans holen Mittelerde nach London

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Kostümierte Fans bei "Hobbit"-Filmpremiere in Berlin Foto: dpa
Hunderte Fans sind zur Weltpremiere des letzten „Hobbit“-Films nach London gereist. Ein Ticket hat kaum einer – es geht ums gemeinsame Feiern.

London. 

Ein Ticket für die Weltpremiere? Jess und Cage schütteln die Köpfe, auf denen kunstvoll gearbeitete Elbenkronen auf weißblonden langen Haaren sitzen. Nein, um „Die Schlacht der Fünf Heere“ zu sehen, sind sie nicht in London. Aber am roten Teppich werden sie stehen und die Darsteller des letzten „Hobbit“-Films aus der Nähe sehen. „Es geht um den Spaß mit der Gemeinschaft“, sagt Jess. Dafür haben sie sich in stundenlanger Arbeit für die Stunden vor der Filmpremiere als Elbenpaar herausgeputzt.

Auch Ully, Mira und Danny haben keine Tickets, trotzdem sind sie aus Erfurt, Leipzig und München angereist. Für das grüne Band an ihrem Handgelenk hat Mira mit vielen anderen eine Nacht vor dem Premierenkino campiert, es garantiert den Zugang zum roten Teppich. „Ist ja milder hier als in Deutschland“, sagt die 27-Jährige. Laut Produktionsfirma Warner war das Übernachten auf dem Gehweg nicht erlaubt, die Sicherheitsleute seien aber nett gewesen, sagt Mira – schließlich gehört das irgendwie dazu.

Hobbits, Elfen, Zwerge und ein Drache

Andere hatten sich sogar schon am Donnerstag auf dem Leicester Square mitten in London platziert. „Die Schlacht der Fünf Heere“ ist schließlich nicht irgendein Fantasyspektakel, sondern der Abschluss der sechsteiligen Mittelerde-Reihe von Starregisseur Peter Jackson. In die deutschen Kinos kommt der Film am 10. Dezember.

Am Sonntagabend stimmen sich Gleichgesinnte auf einer Party auf die Premiere ein, das Fanportal TheOneRing.net (Der eine Ring) hat das Treffen organisiert. In den engen Räumen drängen sich mehr als 200 Fans des „Herr der Ringe“-Epos von J.R.R. Tolkien, das Jackson ebenso verfilmt hat wie dessen Vorgeschichte, „Der kleine Hobbit“. Viele sind als Hobbits mit pelzigen Füßen, als stolze Elben und tapfere Zwerge verkleidet, sogar ein Drache Smaug ist dabei.

„Tolkien hätte die Filme nicht gemocht“

13 Jahre ist es her, dass mit „Die Gefährten“ der erste Jackson-Film über Mittelerde ins Kino kam. Jetzt, da sind sich alle einig, endet eine Ära. Ein letztes Mal kämpfen Ian McKellen als Gandalf, Martin Freeman als Bilbo, Orlando Bloom als Legolas und viele andere gegen die Orks, ihre düsteren Verbündeten und das Böse überhaupt.

Der Vorsitzende des britischen Tolkien-Gesellschaft, Shaun Gunner, ist glücklich: Er hat ein Premierenticket ergattert und sich den Montag freigenommen. „Ich glaube, Tolkien hätte die Filme überhaupt nicht gemocht“, sagt er. „Seine Vision von Mittelerde kann kein Regisseur erreichen.“ Das spreche aber nicht gegen Jacksons Filme. „Sie sind die einzige Möglichkeit, Tolkiens Werke auf der Leinwand zu sehen. Jedenfalls für die nächsten Jahre.“

„Das Silmarillion“ – Fortsetzung des Mittelerde-Epos?

Auszusetzen hat Gunner schon etwas, er mag die Liebesgeschichte nicht. „Im Hobbit-Buch kommt keine Frau vor. Ich verstehe, dass das ein Problem ist“, gesteht er den Filmemachern zu. Aber die hinzugedichtete Elbin Tauriel sei durch ihre Liebe zu Zwerg Kili „ein bisschen schlecht gemacht“. Diese Meinung vertreten viele Tolkien-Fans. Auch Klamauk und platte Sprüche stören sie, die hätten in Mittelerde nichts verloren.

Bei aller Kritik: Die Tolkien-Anhänger in London bewundern die Arbeit des Neuseeländers Jackson, sonst wären sie nicht gekommen. Und dass es mit den Kinoreisen nach Mittelerde wirklich vorbei sein soll, wollen viele nicht wahrhaben. „Das Silmarillion“ gebe es schließlich auch noch, gibt etwa Kim aus Heidelberg zu bedenken – eine noch viel weiter zurückliegende Vorgeschichte zu „Der Herr der Ringe“. (dpa)