Eine Kante wie Eddy beschützt Udo Lindenberg

Foto: Christine Acke

Essen. Sein Name ist Kante, Eddy Kante. Er ist der Leibwächter von Udo Lindenberg. Oder besser gesagt: sein Mädchen für alles. Heute wird der geborene Hagener 50.

Klare Kante: „Wer an Udo ran will”, sagt Eddy mit knarziger Stimme, „der muss erst mal an mir vorbei.” Man möchte es nicht unbedingt ausprobieren. Denn wenn der 1,88-Meter-Mann mit der Statue eines mittleren Panzerschranks vor einem in Stellung geht, dann verdunkelt sich die Sonne. „105 Kilo, alles Muskeln und Samenstränge”, versichert der Kraftprotz mit der dekorativen Glatze und der unvermeidlichen Sonnenbrille grimmig blickend.

Der Frank aus Hagen

Eddy Kante, der eigentlich Frank mit Vornamen heißt und aus Hagen stammt, ist Udo Lindenbergs Leibwächter. Und noch viel mehr als das: Mädchen für alles, Fahrer, Ziehsohn, Kumpel, Schattenmann – einer, der Udo das Badewasser einlässt. Einer der ganz wenigen, die ihn mal ohne Hut sehen („Was drunter ist? Haare, was denn sonst!”). Der dessen Portemonnaie und Kreditkarten hütet.

Und der auf Reisen alles, was der Meister braucht, noch mal in doppelter Ausführung dabei hat: von den Socken bis zum Panikhut, von den Nasentropfen bis zur Zahnpasta.

Udo und Eddy – das ist eine Männerfreundschaft der ganz besonderen Sorte. „Die Silberhochzeit haben wir schon lange hinter uns”, berichtet Lindenberg. „Ich habe den Job gefunden, von dem ich immer schon geträumt habe”, ergänzt Eddy Kante.

Die Ursprünge der seltsamen Symbiose liegen 37 Jahre zurück. Da stand der 13-Jährige Frank vor dem Spiegel im heimischen Badezimmer und stach sich mit Stecknadel und Tinte eine ungelenke Tätowierung ein: Udo Lindenberg, sie ist bis heute kaum verblasst. Dass ihm das Tattoo drei Wochen strengen Stubenarrest bescherte, konnte die Begeisterung nicht trüben. „Ich hab' alles, was mit Udo zu tun hatte, in einem DIN-A-4-Heft gesammelt. Ich hab' den ,Bravo'-Starschnitt an die Wand geklebt. Und ich bin ihm nachgereist.”

Mit Beharrlichkeit arbeitete sich der Super-Fan immer näher an sein großes Vorbild ran, traf ihn mal hinter der Bühne, schaffte es bis in die Hamburger Panik-Zentrale. Lindenberg sagt heute: „Er ist mir zugelaufen.”

Udos größter Fan

Und dann, vor 31 Jahren, kam der Satz, der Eddys und auch Udos Leben veränderte. „Willste nicht mitfahren? Ich brauch noch 'n Bodyguard.” Hätte er damals nicht eingeschlagen – er wäre entweder im Rotlicht-Milieu oder im Knast geendet, gibt Kante zu.

Einschlägige Erfahrungen hatte er schon damals. Die Mutter war früh gestorben, er wuchs bei Onkel und Tante auf – und mit der Rockergruppe Freeway Riders, die für ihn so was wie eine Ersatzfamilie wurde. „Ich war ein Straßenkämpfer. Da gab es natürlich auch Hauereien.”

Ein Straßenkämpfer

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, hieß absurderweise: Schwarzfahren. Verstoß gegen die Bewährungsauflagen, neun Monate Jugendknast – die Strafe hatte er zum Zeitpunkt von Udos Offerte gerade abgesessen. Den Meister, der schon immer ein Faible für Gestrandete hatte, konnte das nicht schrecken. Ganz im Gegenteil. Panik-Udo hielt ihm auch die Treue, als Eddy Jahre später wegen diesem und jenem noch einmal hinter Gitter musste.

Mit den krummen Touren, so sagt er, hat der Vater eines Sohnes (29) und einer Tochter (6) längst abgeschlossen. Sogar eine wohltätige Stiftung namens „Schützt unsere Kinder” hat der herzlich-harte Hund in der Zwischenzeit gegründet.

Und sonst? Wird Eddy heute seinen 50. Geburtstag feiern – im kleinen Kreis. Die eigentlich geplante Riesensause im Hamburger Landhaus Walter mit 600 Gästen – darunter Lindenberg, Rammstein, die Scorpions, Extrabreit und die Freeway Riders aus seiner Heimatstadt Hagen – musste nach einem schweren Motorradunfall abgesagt werden: Am 19. August trug der passionierte Biker bei einem Sturz mit seiner Harley fünf Knochenbrüche davon („Ich hatte nicht mal Schuld”).

Gerade erst wurde er aus der Reha-Klinik entlassen. Udo Lindenbergs trockener Kommentar dazu: „Der Eddy ist ein Mann aus Eisen, der geht Gott sei Dank schnell wieder heile.”

Er weiß ja, was er an seinem Kumpel hat – den er auch schon mal zärtlich „Kugelfang” nennt. So richtig spaßig ist das aber nicht gemeint. „Ich würde für Udo sterben”, versichert Eddy Kante glaubhaft. „Denn alles, was ich bin, verdanke ich Onkel August, Tante Hilde, den Freeway Riders – und vor allem natürlich Udo Lindenberg.”

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