Diese tierischen Orakel tippen bei der Fußball-EM 2016

Gruppenspiel Deutschland gegen Ukraine: Flocke vom Spreewelten-Bad im brandenburgischen Lübbenau hat sich entschieden. Deutschland gewinnt die Partie, orakelt der Humboldt-Pinguin.
Gruppenspiel Deutschland gegen Ukraine: Flocke vom Spreewelten-Bad im brandenburgischen Lübbenau hat sich entschieden. Deutschland gewinnt die Partie, orakelt der Humboldt-Pinguin.
Foto: dpa
Wird Deutschland Europameister? Ja, Jogis Elf gewinnt die EM. Das zumindest sagt ein schleimiges Schnecken-Orakel. Und die anderen?

Berlin..  Sie heißen Olaf, Molly, Flocke oder Zizou. Sie haben Ringelschwänzchen, Schnäbel, Rüssel, viel Schleim, vier Pfoten oder haarige Beine. Und ihr großes Vorbild dürfte ein achtarmiger Krake namens Paul sein. Denn wie das berühmte Orakel aus dem Sea Life Centre Oberhausen bei der Fußball-WM 2010, sollen seine tierischen Kollegen ihre Tippsicherheit bei der an diesem Freitag beginnenden Europameisterschaft 2016 in Frankreich unter Beweis stellen.

Krake Paul hatte im Sommer 2010 mit seinen zuverlässigen Vorhersagen weltweiten Ruhm erlangt – bei allen Begegnungen mit deutscher Beteiligung sowie beim Finale zwischen den Niederlanden und Spanien lag er mit seinen Prognosen richtig. Seine Vorhersagen wurden sogar im japanischen Fernsehen gesendet. Seither adaptieren PR-Abteilungen von Rundfunksendern, Zeitungen, Universitäten, Zoos und Tierparks die originelle Idee von orakelnden Tieren. Ob sich die Orakel dabei als so treffsicher erweisen wie der Krake Paul? Das sind die Kandidaten:

• Drei ungleiche Orakel aus Bayern

Der bayerische Jugendsender Radio Galaxy konnte sich nicht entscheiden – und schickt gleich drei EM-Orakel ins Rennen. Das auffälligste Tier ist dabei Olaf, die Vogelspinne aus Rosenheim. Vor den Spielen der deutschen Nationalelf wird er mit seinen Orakel-Kollegen Anton, einem Hund aus Bayreuth, und Zwerghamster Hammy aus Ansbach die Gewinner vorhersagen. Ob sich die drei wohl einig sein werden, wenn es am Wochenende losgeht?

• Microschwein Joe aus dem Zoo der Minis in Aue

Ob das kleine Schweinchen Joe aus dem Zoo der Minis im sächsischen Aue für die Nationalelf auch ein Glücksschwein ist? Auf jeden Fall soll es die Resultate bei der EM vorhersagen, und zwar für den Fernsehsender RTL. Dazu muss Joe einfach nur fressen und sich für einen von zwei mit den Nationalflaggen gekennzeichneten Näpfchen entscheiden.

Schon in der Vergangenheit hatten sich Bewohner des Auer Mini-Zoos als Orakel versucht, allerdings nicht so richtig erfolgreich. Bei der EM 2012 tippten die beiden Zwergotter Mörmel und Ferret zwar häufig richtig, beim Halbfinale war ihre Loyalität gegenüber dem deutschen Team aber wohl größer als ihre Prognosekraft: Sie setzten auf Jogi Löws Elf, den Sieg errang damals jedoch Italien.

• Eseldame Amélie aus Münster

Auch Frauen interessieren sich für Fußball. Daher befragt der Allwetterzoo Münster eine Dame, genauer: Eseldame Amélie. Letztlich war es Amélies familiäre Verbundenheit zum Gastgeberland, die den Ausschlag gab, die Eselin zum Orakel zu küren. So heißt es jedenfalls auf der Facebook-Seite des Allwetterzoos in Hinblick auf die französischen Wurzeln der Münsteranerin. Die französische Poitou-Rieseneselin sei zudem ballsicher und teamfähig. Na dann, gutes Orakeln, Amélie!

• Elefant Zella aus Stuttgart

Lottofee mal anders: Im Zoologisch-botanischen Garten Wilhelma in Stuttgart spielt Elefantenkuh Zella in diesem Jahr das Orakel. Vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft musste sie aus einem Korb rüsselgerechte, von Lotto gesponserte Lederbälle fischen. Man mag an ihrer Expertise zweifeln, sagte Zella doch tatsächlich den EM-Titel für Nordirland voraus, heißt es in der Mitteilung des Zoos. Was wäre das für ein Triumph für den Außenseiter, fast wie ein Sechser im Lotto! Vize-Europameister wird nach Zellas Prognose übrigens Belgien.

Ihr Tipp für die deutsche Elf: Deutschland verliert in der Vorrunde zum Auftakt gegen die Ukraine, spielt unentschieden gegen Polen und gewinnt gegen den späteren Meister Nordirland. Die größte Fußballexpertin sei Zella allemal, sagt Zoodirektor Dr. Thomas Kölpin. Vermutlich ist das bei ihren drei Tonnen jedoch vor allem auf ihre Körpermaße bezogen.

• Orakel-Pinguin Flocke aus Brandenburg

Zielstrebig watschelt Flocke auf einen der beiden grünen Bälle zu, die vor ihm liegen. Es ist der Ball mit der Deutschlandflagge. Sein Tipp fürs Gruppenspiel Deutschland gegen Ukraine am Sonntag steht fest. Das Video dazu ist auf YouTube zu sehen.

Flocke ist das Nesthäkchen im Spreewelten-Bad im brandenburgischen Lübbenau. Schon Wochen vor der EM fing für den Humboldt-Pinguin das Training an. Zwei Bälle, eine Entscheidung – und dann ein Fisch zur Belohnung. Jetzt ist Flocke also gewappnet für den richtigen Einsatz. Schon zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 hatten seine Spreewelten-Kollegen orakelt – und nach Angaben des Erlebnisbads alle Sieger richtig vorausgesagt. Flocke könnte also ein würdiger Nachfolger für Orakel-Krake Paul sein.

• Ein Gockel namens Zizou aus der Ruhrgebietsstadt Essen

Er ist Franzose, trägt den Spitznamen des französischen Fußballspielers Zinédine Zidan und wohnt in einem Nachbau von Schloss Versailles: Der bretonische Hahn Zizou soll bei Public Viewings in Essen die Sieger vorhersagen. Und das funktioniert so: Zizou muss sich für Marie oder Antoinette entscheiden. Die beiden Hennen sitzen in ihren Boxen, die jeweils mit einer Nationalflagge gekennzeichnet sind. Zu welcher Dame von beiden stolziert der Gockel? Seine Generalprobe absolvierte Zizou vorab für das Eröffnungsspiel zwischen Frankreich und Rumänien. Sein Tipp: Rumänien gewinnt.

• Die Marderhunde Max und Moritz aus Hamburg

Max und Moritz tollen über einen Fußballplatz in Miniaturformat. Die beiden kleinen Marderhunde kommen aus dem Wildpark Schwarze Berge aus Hamburg und orakeln in diesem Jahr für den Norddeutschen Rundfunk. In einem Video erklärt Kira Ahrens vom Wildpark die Spielregeln. Denn das Hamburger Orakel-Duo kann sogar Unentschieden vorhersagen.

Sobald die beiden Marderhunde beim Herumtollen auf dem Fußballfeld durch eines der Tore kriechen, krabbeln oder rollen, steht das Orakel-Ergebnis fest. Entscheiden sich beide für unterschiedliche Tore – und das nahezu gleichzeitig – sagen sie ein Unentschieden voraus. Bleibt offen, was passiert, wenn Max und Moritz sich nach der Gruppenphase für zwei verschiedene Tore entscheiden. Ob die beiden niedlichen Fellknäuel dann zum Elfmeterschießen antreten müssen?

• Ein Fisch namens Molly aus Siegen

Molly von der Universität Siegen ist eigentlich auf der Suche nach einem geeigneten Sexualpartner zur Fortpflanzung. Für die Fußball-Europameisterschaft sucht die Breitflossenkärpfling-Dame stattdessen jedoch den Sieger der EM-Partien mit deutscher Beteiligung – und das im Dienste der Wissenschaft.

Denn das EM-Orakel Molly gehört zu einem interdisziplinären Forschungsprojekt des Instituts für Biologie und des Instituts für Echtzeit-Lernsysteme der Uni Siegen. Mit Hilfe von virtuellen 3D-Fischmodellen des Breitflossenkärpflings wollen die Forscher herausfinden, welche Informationen Fischen bei der Partnerwahl nutzen. Für das Orakel bekommen die 3D-Fischmodelle, die an den beiden Enden von Mollys Aquarium auf Monitoren zu sehen sind, einfach die Farben der Nationalflaggen der jeweiligen Teams verpasst. Molly kann in ihrem Aquarium zu beiden Fischmodellen hinschwimmen. Per Sensor wird gemessen, wie viel Zeit sie jeweils in der Nähe der beiden verbringt. Ein YouTube-Video zeigt, wie ihr die Fische mit ukrainischem und deutschem Schuppenkleid gefallen. Und Molly hat Geschmack: Vom schwarz-rot-goldenen Fisch fühlt sich die Fisch-Dame besonders angezogen.

• Rüde Rudi Riecher orakelt in Baden-Württemberg

Gestatten: Rudi Riecher. Ein bisschen Husky, ein bisschen Berner Sennenhund, vor allem belgischer Schäferhund – das steckt in ihm drin, beschreibt Herrchen Holger Bentzien auf der Internetseite des Südwestdeutschen Rundfunks. Rudi soll für den SWR beweisen, dass er als Orakel den besten Riecher hat. Geboren im Sommermärchenjahr 2006 ist ihm die Liebe zum Fußball wohl mit in die Wiege gelegt.

Rudi hat bereits Orakel-Erfahrungen gesammelt. Schon bei der WM 2014 musste er sich bei jedem Deutschland-Spiel für ein Leckerchen, das auf einer Flagge abgestellt war, entscheiden. Darauf darf er sich jetzt wieder freuen.

• Schweinchen Krümel und Schinki aus Thüringen

Sie sollen ebenfalls den richtigen Riecher haben: Krümel und seine Frau Schinki, die beiden südamerikanischen Minischweine aus Viernau, sind die EM-Orakel beim Mitteldeutschen Rundfunk. MDR Thüringen – Das Radio hatte seine Hörer dazu aufgerufen, Orakel-Vorschläge einzusenden. Parteiisch seien die beiden Schweine nicht, denn als Südamerikaner hätten sie einen neutralen Blick auf die EM, heißt es in einem Radiobeitrag, der auch online verfügbar ist.

• Koala Oobi-Ooobi aus Leipzig

Er wohnt noch gar nicht lang im Zoo Leipzig, da hat er schon eine ehrenvolle Aufgabe übertragen bekommen. Seit Ende April lebt der in Belgien geborene Koala Oobi-Ooobi in seinem neuen Gehege. Zuvor war er, wie in einem YouTube-Video zu sehen, im belgischen Planckendael zu Hause. Er ist der erste Koalabär in der 138-jährigen Geschichte des Zoos. Seine EM-Orakel-Tätigkeit wird nun wohl sowohl ihm als auch dem Leipziger Zoo deutschlandweit Berühmtheit einbringen.

Wie genau der Koala mit den vielen Os im Namen seine Prognosen treffen wird, hat der Zoo noch nicht verraten. Hoffentlich sagt er viele Siege für Jogis Elf voraus. Damit wir mit vielen Os rufen können: „Toooor!“

• Schnecken-Orakel aus Zürich

Auch Deutschlands Nachbarn befragen tierische Orakel nach dem Ausgang der Fußball-Europameisterschaft. Radio Zürisee hat auf Facebook ein Video von seinem Schnecken-Orakel gepostet. Acht Teams haben sich nach den Orakel-Vorausscheidungen für das Finale qualifiziert: England, Spanien, Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Portugal und Italien.

Auf den Häuschen der Schnecken kleben die Flaggen der „Final-Nationen“. Nach dem Anpfiff kommentiert der Stadionsprecher: „Fronkreisch besteigt Italien. Die Spaniärr kleben an den Schweizern. Österreisch verschläft den Start.“ Die Schnecke, die zuerst vom Spielfeld kriecht, steht für den Fußball-Europameister 2016. Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Italien und Deutschland – und das ist der Sieg: Deutschland wird Europameister, glaubt man den Schnecken. Sympathisch, die Schweizer und ihr Orakel.

 
 

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