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Die Beeren sind los – über Sorten, Anbau und Geschmack

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Erdbeeren sind der Deutschen liebste Beeren. Drei Kilogramm verspeist jeder Deutsche pro Jahr. Auf Platz zwei folgen mit reichlich Abstand die Himbeeren. Obstbauberater Heinrich-Ludger Rövekamp weiß, wie welche Sorte schmeckt und was wir bei deren Anbau beachten sollten.

Essen. 

Statistisch betrachtet, verspeist jeder von uns knapp drei Kilogramm Erdbeeren pro Jahr. Heinrich-Ludger Rövekamp aber liegt deutlich über’m Schnitt: „Ich esse manchmal drei Kilo am Tag“, sagt der Obstbauberater der Landwirtschaftskammer NRW. Beruflich hat er allerdings noch mit ganz anderen Beeren zu tun – was wächst denn eigentlich noch bei uns, Herr Rövekamp, und können wir das auch im eigenen Garten ernten?

Auf der Beliebtheitsskala gleich hinter der Erdbeere, und doch immer noch mit reichlich Abstand, folgt die Himbeere. Etwa 500 Gramm verzehren wir pro Jahr. Im eigenen Garten angepflanzt, können die Sträucher uns bis zum Frost mit den schmackhaften kleinen Calciumlieferanten beglücken – wenn man denn eine „herbsttragende Sorte“ ausgewählt hat. „Für den Privatgarten sind die herbsttragenden Sorten deutlich komfortabler“, sagt Heinrich-Ludger Rövekamp. Zu empfehlen sei hier die robuste „Polka“, die schmackhafte große Früchte hervorbringe.

Einen „extrem guten Geschmack“ liefere auch die sommertragende Sorte „Tulameen“ – „die leckerste Himbeere“, so der Experte, aber leider sehr anfällig für die Rote Wurzelfäule (Phytophthora) und für den eigenen Garten daher weniger geeignet. Wer unbedingt eine sommertragende Sorte pflanzen wolle, damit er im Juni und Juli ernten kann, solle auf die robustere „Glen Ample“ zurückgreifen.

„Glen Ample“ ist eine robuste sommertragende Sorte

Damit die Sträucher jedes Jahr Himbeeren tragen, muss man sie korrekt zurückschneiden: Bei den sommertragenden Sorten werden nur die tragenden Ruten nach der Ernte gekürzt, bei den herbsttragenden schneidet man den gesamten Strauch bodeneben zurück.

Platz drei auf unserer Beliebtheitsskala belegt die Heidelbeere, auch als Blau- oder Schwarzbeere bezeichnet und von Mitte Juni bis Anfang September erhältlich. Sie enthält etwas weniger Vitamin C als Erd- oder Himbeere; wild wächst sie vor allem in arten- und nährstoffarmen Kiefernwäldern oder Moorheiden. Das bedeutet für die Anpflanzung im Privatgarten jedoch umso größeren Aufwand: „Die Kulturheidelbeeren, die übrigens nicht von der heimischen Heidelbeere abstammen, sondern von Züchtungen aus Nordamerika oder Neuseeland, benötigen ein Moorbeet und viel zusätzliches Wasser“, erklärt Rövekamp.Sorten, die auch in Privatgärten wachsen können, sind „Goldtraube“, „Bluecrop“ und die relativ robuste „Reka“. In der Region Westfalen-Lippe werden nur auf einer Fläche von etwa 100 Hektar Heidelbeeren professionell angebaut, zum Vergleich: Bei den Erdbeeren sind es 1200 Hektar.

Brombeeren haben von August bis in die erste Septemberhälfte hinein Saison. Dann kann man sie sowohl im eigenen Garten, als auch „draußen in der Wildnis“ finden. Vom durchschnittlichen Jahresverbrauch her liege die Frucht jedoch weit abgeschlagen auf Platz vier, so der Experte „also nur noch unter ferner liefen“. Und das, obwohl sie noch mehr Calcium enthält als Himbeeren und zudem Kalium liefert, das für die Funktion von Nerven und Muskeln wichtig ist. „Aber wilde Brombeeren sammeln nur echte Liebhaber“, sagt Rövekamp, „obwohl sie deutlich besser schmecken als kultivierte“. Die Gartenbrombeere erweist sich als relativ anspruchsvoll: Sie benötigt Frostschutz. Die einzige Sorte, die laut Rövekamp beim Anbau eine Rolle spielt, ist die „Loch Ness“ – im Gegensatz zu wilden Sorten ist sie weitestgehend dornlos.

„Eine sehr schöne Frucht – wenn man sie denn mag“

Den vierten Platz teilt sich die Brombeere mit Johannis- und Stachelbeeren, die ab der zweiten Junihälfte bis teilweise in den August hinein Saison haben. Während die Stachelbeere jedoch eher Rövekamps Stiefkind zu sein scheint („eine sehr schöne Frucht – wenn man sie denn mag“), gerät er bei den Johannisbeeren regelrecht ins Schwärmen. Die Frucht biete eine „bunte Palette – und das meine ich wortwörtlich“: Die rotfarbigen Sorten nehme man für Konfitüre, Gelee und Rote Grütze, oder aber roh mit Zucker oder als „Zierde auf einem Braten“. Als farbliche Ergänzung kämen dann weiße Sorten hinzu.

Die schwarzen Johannisbeeren haben den höchsten Vitamin C-Gehalt, der bei Beeren zu finden ist. Sie werden allerdings fast ausschließlich für die Verarbeitung zu Saft angebaut. Im Privatgarten kann man sie für Gelee oder als Zugabe für Erdbeermarmeladen anpflanzen. „Johannisbeeren wachsen gut und sind sehr robust“, sagt der Experte. Er empfiehlt für den Garten vor allem die schwarze „Titania“ und die rote „Rovada“ oder „Rolan“.

Stachelbeeren sind schwierig

Auch zur Stachelbeere hat Rövekamp dann noch ein paar Worte zu sagen, schließlich gibt es auch Liebhaber dieser Beere. Man unterscheide hier die weiß-grün-gelben und die dunkelroten Sorten. Der Klassiker unter den angebauten Sorten sei „Invicta“ – „weil sie wirklich auch am besten schmeckt“. Eigentlich sei deren Anpflanzung für Privatleute aber „nicht zumutbar“, da es meist Probleme mit dem hartnäckigen Stachelbeermehltau gebe, robuster sei hingegen die Sorte „Pax“.

Rövekamps persönlicher Favorit ist neben der Erdbeere die Holunderbeere. Sein Tipp: „Holunderblüten in Apfelsaft einlegen und später Gelee daraus machen – superlecker!“ Für den privaten Anbau eigne sich hier die Sorte „Haschberg“.

Und natürlich mag der Experte auch die mittlerweile selten gewordenen Walderdbeeren, die kleinen aromatischen Früchtchen, an die geschmacklich kaum eine kultivierte Beere herankommt. Wer gern in der Vergangenheit schwelge, könne „Erdbeerwiese“ oder „Mieze Schindler“ anbauen – die ähnelten dem Geschmack der Walderdbeere noch am meisten. Ansonsten eigneten sich für den Garten die Erdbeersorten „Daroyal“, „Elianny“ oder „Florence“. Von der empfindlichen „Flair“ rät Rövekamp eher ab.

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