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Der Sonntag ist kein Fastentag

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Essen. 

Verzicht in der Fastenzeit – daran halten sich seit einiger Zeit immer mehr Menschen. Doch wie faste ich richtig? Vor allem: Sieben Wochen oder 40 Tage, welche Angabe stimmt denn nun?

„Sieben Wochen ohne…“ So lautet seit 1982 das Motto der evangelischen Fastenaktionen, unter dem von Aschermittwoch bis Ostern verzichtet wird. In diesem Jahr auf Ausreden. Aber warum eigentlich sieben Wochen? Bei den Katholiken lautet die Regel schließlich: 40 Tage Fastenzeit. Sieben Wochen wären aber 49 Tage. „Hintergrund ist, dass die Sonntage nicht zur Fastenzeit gezählt werden“, erklärt Ursula Ott vom Kuratorium der evangelischen Fasten-Aktion. „Beim traditionellen Fasten, also beim Verzicht auf Alkohol, Süßigkeiten oder Fleisch ist das noch relativ leicht zu handhaben. Aber es ist schwierig einzusehen, warum ich sonntags dann doch plötzlich auf Ausreden ausweichen darf“, erklärt Ursula Ott.

Es geht um Verantwortung und Freiheit

Hinter dem Verzicht auf Ausreden „stehen die beiden großen Themen ,Verantwortung’ und ,Freiheit’“, sagt Ursula Ott. Die Verantwortung, zu seinen Fehlern zu stehen und die Freiheit des jeweils davon Betroffenen, zu verzeihen. Entstanden sei das diesjährige Motto unter dem Eindruck des Käßmann-Rücktritts. Hier habe jemand Verantwortung für sein Handeln übernommen – im Gegensatz zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs und zur Katastrophe bei der Loveparade.

Und nach sieben Wochen geht es dann heiter weiter wie bisher? „Das Ziel der Aktion ist es, dass die Teilnehmer neue Einsichten gewinnen, sich selbst überprüfen“, so Ott. Davon bleibe dann hoffentlich etwas hängen.

Die Bedeutung des Sonntagsfestes

In der Katholischen Kirche ist die Dauer der Fastenzeit in der Grundordnung des Kirchenjahres festgelegt. 40 Tage dauert sie – von Aschermittwoch bis Ostern. Die Ausnahme der Sonntage erklärt Prälat Gerd Lohaus, Leiter der Abteilung Glaubenslehre, Liturgie und Ökumene: „Das liegt an der Bedeutung des Sonntagsfestes. Denn im Prinzip ist jeder Sonntag ein kleines Osterfest.“ Hintergrund sei die Eucharistiefeier als „Grundvollzug der Kirche“. Diese Feier gründe schließlich auf Tod und Auferstehung Jesu.

Daneben habe die Zahl 40 in der Bibel eine besondere Symbolik. In der heutigen Kirche bezieht sich die Fastenzeit auf die 40 Tage, die Jesus in der Wüste verbracht und gefastet hat, aber auch an anderen Stelle findet sich die 40 immer wieder: So dauerte beispielsweise die Sintflut vierzig Tage und Mose verbrachte 40 Tage auf dem Berg Sinai. „Diese 40 Tage sind immer eine Zeit der Läuterung und Reinigung vor der Offenbarung Gottes“, so Lohaus.

Verzicht sollte spürbar sein

Grundsätzlich stehe die Fastenzeit für Verzicht, gleichzeitig aber auch für eine Vertiefung der eigenen Beziehung zu Gott. „Es geht nicht um die leibliche und seelische Gesundheit“, grenzt Lohaus die Fastenzeit vom säkulären Festen- und Wellnesstrend ab. Insofern habe sich der Fastebegriff inzwischen verändert. Auch der Verzicht auf Konsum – oder eben Ausreden – sei eine Art zu Fasten. Einzige Bedingung: „Es sollte spürbar sein.“