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Der neue „Tatort“ – Schräge Typen mit Polizeimarke

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Foto: Knut Vahlensieck/WAZ-Fotopool
Am 23. September läuft der neue „Tatort“ aus Dortmund im Fernsehen. Titel: „Alter Ego“. Am Freitagabend war er schon einmal vorab im Dortmunder BVB-Stadion zu sehen. Fazit: Das Ermittlerteam besteht nicht aus Fahndern, die man gleich ins Herz schließt, aber welchen, die man wiedersehen will.

Dortmund. 

Currywurst gibt es oben im vierten Stock des Signal-Iduna Parks, Kartoffelsalat mit Frikadellen und Bierchen vom Fass. Und das alles nur, weil ein neuer Kommissar in Dortmund seinen Dienst angetreten hat. Was heißt einer? Gleich vier sind es, die hier künftig für Recht und Ordnung sorgen sollen. Im Fernsehen (23. September, 20.15 Uhr), im „Tatort“. Ihren ersten Fall „Alter Ego“ zeigte der Sender am späten Freitag schon einmal vorab auf einer Großleinwand im Stadion des BVB. Vier Stunden nur hatte es gedauert, bis die 1200 Karten für die Freiluftvorführung ausverkauft waren. „Wir hätten auch zehnmal so viele verkaufen können“, heißt es beim WDR.

Die offenbar hohen Erwartungen haben die Sache für Hauptdarsteller Jörg Hartmann, der den Kriminalhauptkommissar Peter Faber spielt, wahrscheinlich nicht leichter gemacht. Aber, dass er schwitzt, wenige Minuten vor der Premiere im Stadion, liegt dann doch am Wetter und daran, dass er ständig hin und her rennen muss, um Interviews zu geben. Nein, sagt er darin stets, er wisse natürlich nicht, wie seine neue Figur bei den Zuschauern ankomme. Denn: „Das ist ein sperriger Typ.“ Regisseur Thomas Jauch spricht gar von „vier schrägen Figuren“ und warnt die Zuschauer vor: „Die werden sie nicht nach fünf Minuten lieb haben.“

Sie mögen sich ja nicht einmal untereinander zu Beginn ihres ersten Falls, in dem es um eine Mordserie im Schwulenmilieu geht. Direkt am Tatort lernen die Dortmunder Ermittler ihren neuen Chef Peter Faber kennen. Er kommt aus Lübeck, sie haben ihn nicht gewollt. Doch das ist Faber egal. Freundlichkeit hält er für überbewertet. Alte Freunde hat er nicht, neue will er anscheinend nicht. „Ich habe Ihre Personalakte gelesen, und Sie haben mich gegoogelt, reicht doch“, weist er die ausgestreckten Hände der Kollegen zur Begrüßung zurück.

Und wie er erst ermittelt. Kaum ansprechbar, manchmal mit autistischen Zügen, versetzt er sich in den Mörder hinein. Ein wenig wie „Monk“ auf Ecstasy mit dem Benehmen von „Dr. House“. Mit Augen, die schon in viele Abgründe gesehen haben, auch in die eigenen. Ein depressives „Sackgesicht“ mit Polizeimarke, der kalte Ravioli aus der Dose isst und des öfteren in seinen Klamotten pennt. Natürlich hat es ähnliche Figuren schon oft gegeben, aber kaum jemand hat den zerrissenen Ermittler so überzeugend gespielt, wie Hartmann es zum Auftakt macht.

Dortmund kommt regelmäßig ins Bild

Der Rest der Mannschaft muss sich nicht verstecken, auch wenn sich viele Facetten ihrer Rollen bisher nur am Horizont abzeichnen. Da ist Stefan Konarske als junger, aufbrausender Kriminaloberkommissar Daniel Kossik, der dicke Ringe unter den Augen und ein Verhältnis mit seiner attraktiven Kollegin Nora Dalay (Aylin Tezel) hat. Und Martina Bönisch (Anna Schudt). Erfahren, schlagfertig, mit ähnlich trockenem Humor wie ihr neuer Chef, aber doch ganz anders. Schon weil sie sich mehr für die Opfer als für die Täter interessiert. Doch so heile, wie es zunächst scheint, ist auch ihre Welt nicht.

So lebt der erste Dortmunder „Tatort“ nicht in erster Linie von seiner eher konventionellen, wenn auch spannenden Geschichte, sondern von den Spannungen zwischen den Hauptfiguren. Und von der Figur des Peter Faber und seinen ungewöhnlichen Methoden. Lieb gewonnen hat man ihn selbst nach 90 Minuten nicht. Aber man möchte ihn unbedingt wiedersehen. Weil er zu den interessantesten Figuren zählt, die der deutsche „Tatort“ derzeit zu bieten hat.

Bleibt die fünfte Hauptdarstellerin. Die Stadt Dortmund. Regelmäßig kommt sie ins Bild. Manchmal wirkt sie dabei ein wenig schöner, als sie tatsächlich ist. Was auch daran liegt, dass der Regisseur auf Ruhrgebietsklischees weitgehend verzichtet. Oberbürgermeister Ullrich Sierau stört das natürlich nicht: „Dieser ,Tatort’“, ist er überzeugt, „wird Dortmund gut tun.“