Charly Hübner ist ein teuflisch netter Nachbar

„Unter Nachbarn“, Szene: Gerade noch rechtzeitig kann David (Maxim Mehmet) die gekenterte Vanessa (Petra Schmidt-Schaller) aus dem Wasser ziehen. Robert (Charly Hübner) gibt sich verzweifelt, aber David ahnt durchaus, dass er nicht unschuldig an Vanessas Unfall ist. © SWR/Felix Cramer
„Unter Nachbarn“, Szene: Gerade noch rechtzeitig kann David (Maxim Mehmet) die gekenterte Vanessa (Petra Schmidt-Schaller) aus dem Wasser ziehen. Robert (Charly Hübner) gibt sich verzweifelt, aber David ahnt durchaus, dass er nicht unschuldig an Vanessas Unfall ist. © SWR/Felix Cramer
Foto: obs
So kann’s zugehen „unter Nachbarn“: Da kommt ein Fremder in eine neue Umgebung, und der nette Nachbar hilft. Doch dann kommt es zu einem tödlichen Disco-Unfall, der alles ändert.

Essen.. Er hat einen offenen Blick, und er hat den Schalk im Nacken. Im Zivilleben läuft er gern in Jeans und T-Shirt herum. Mit Charly Hübner ins Gespräch zu kommen, ist leicht. Kurzum: Der 39-jährige Schauspieler wirkt wie der Lieblingsnachbar. Genau dieser Kumpel-Charme macht ihn zur perfekten Besetzung im ARD-Film „Unter Nachbarn“ (Mittwoch, 20.15 Uhr). Doch hinter der freundlichen Fassade von Hübners Krankenpfleger Robert lauern Abgründe.

Großartige Serien für kleine Leute

Dahinter steckt ein kluger Kopf: Stephan Rick, Regisseur und Drehbuch-Autor. „Unter Nachbarn“ ist der erste 90-Minüter des gebürtigen Rosenheimers. Im Kinderfernsehen machte sich der 38-Jährige einen großen Namen durch Serien für die Kleinen. Für den Ki.Ka entwickelte er die Serie „Allein gegen die Zeit“. Zudem drehte er mehrere Folgen des Kinder-Klassikers „Pfefferkörner“.

Jetzt zeigt Rick, der das Drehbuch gemeinsam mit Silja Clemens schrieb, dass er auch Filme für Erwachsene kann. Dass sein Mix aus Psycho-Drama und Thriller zunächst in Programm-Kinos lief, darf als Auszeichnung gelten.

Natürlich beginnt die Geschichte ganz harmlos. Zeitungsredakteur David (Maxim Mehmet) verschlägt es aus der Hauptstadt in die Provinz. Auf sich allein gestellt, freundet er sich zu gern mit dem unkompliziert wirkenden Nachbarn Robert an. Schließlich feiern sie gemeinsam in einer Disco.

Doch dann folgt eine schicksalsschwere Wendung: Auf dem Heimweg überfährt David ausgerechnet die junge Frau, mit der er zuvor noch Telefon-Nummern ausgetauscht hat. Sie stirbt. David flieht vom Unfallort.

Mit einem weiteren Dreh verwandelt Rick die Freundschaft in Abhängigkeit: Robert deckt David. Dass der Journalist über seinen Unfall im Lokalteil der Zeitung als scheinbar unbeteiligter Beobachter schreibt, macht seine Erpressbarkeit umso größer. David versucht seinen moralischen Druck abzubauen, indem er die Schwester des Opfers (Petra Schmidt-Schaller) tröstet. Schließlich verlieben sich die beiden. Das kann nicht gut gehen.

Wissen wird Macht

Das Verhältnis von David und Robert verändert sich. Aus Nähe wird Abhängigkeit, aus Wissen ums Geheimnis des anderen Macht.

Charly Hübners Robert spielt lustvoll mit der dunklen Seite der Macht. Er will Kontrolle über David, der trotz seines Fehltritts grundsympathisch erscheint, totale Kontrolle. Die Frau steht zwischen den beiden. Besser: Robert steht zwischen dem Paar, dessen Beziehung auf schwachem Grund steht, auf Schuld und Trauer. Ein Trio Infernal, Grusel inklusive.

Damit löst Hübner als Schauspieler ein Versprechen ein, das er mit seiner Rolle als zwielichtiger Ermittler vom „Polizeiruf“ in Rostock gab. Als Alexander Bukow schrammte der Hüne aus MeckPomm in diesem Jahr knapp am Grimme-Preis vorbei. Vielleicht erhält er im nächsten Jahr seine Chance. Verdient hat er sie.

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