Bestsellerautorin Lucinda Riley ist die Expertin der Herzen

Im Krankenbett begann Lucinda Riley mit dem Schreiben – und entdeckte die Autorin in sich.
Im Krankenbett begann Lucinda Riley mit dem Schreiben – und entdeckte die Autorin in sich.
Foto: imago stock&people
Autorin Lucinda Riley trifft den Nerv der Zeit, ihre Heldinnen begeistern Millionen, ihre Bücher verkauft sie in 36 Länder.

Berlin .. Lucinda Riley, das kann eigentlich kein echter Name sein. Lucinda hört sich nach romantischer Heldin an, und der Nachname Riley nach wilder englischer Steilküste, nach Cornwall, nach Rosamunde Pilcher. Und weil Vor- und Nachname echt sind, vielleicht stimmen deshalb auch die Assoziationen.

Sie geht dran: „Helloooo“, flötet sie ins Telefon, „es ist so schön, dass Sie mich anrufen“, sagt sie auf Englisch, und man ist ihr wegen ihrer Freundlichkeit gleich verfallen. Vor allem ihrer tiefen, weichen Stimme. Würde sie nicht in ihrem Wohnzimmer mit bequemen Sesseln, dem Golden Retriever und dem Kamin im englischen Norfolk sitzen, würden wir jetzt zusammen Tee trinken. Ganz sicher.

Neun Millionen Bücher verkauft

Lucinda Riley, Jahrgang in etwa 1968, ist eine internationale Bestsellerautorin. Ihr Genre weibliche Heldinnen. Oder wie man abfällig sagen könnte, sie schreibt Frauenliteratur. Der TV-Literaturkritiker Denis Scheck geht in jeder seiner „Druckfrisch“-Sendungen die Titel auf den Bestsellerlisten durch. Rileys Bücher wirft er regelmäßig in die neben ihm stehende Altpapiertonne. Wie gemein. Allerdings: Was die Kritiker sagen, kann Riley herzlich egal sein. Denn seit ihrem ersten internationalen Erfolg „Das Orchideenhaus“ veröffentlicht sie in 36 Ländern und hat etwa neun Millionen Bücher verkauft.

Hier ihr neuester Erfolgsplot: Atlantis ist der Name des herrschaftlichen Anwesens am Genfer See. Hier sind Maja und ihre Schwestern aufgewachsen. Alle wurden von ihrem Vater adoptiert, ihre wahren Wurzeln kennen sie nicht. In sieben Bänden werden die „Sieben Schwestern“ herausfinden, woher sie kommen. Teil drei des literarischen Mammutprojekts, „Die Schattenschwester“, wird am 14. November in Deutschland („Goldmann“ und „der Hörverlag“) erscheinen. Und ganz sicher wird er wieder die Bestseller-Listen stürmen.

Und das Beste: Gerade hat Riley die Filmrechte an eine Produktionsfirma in Hollywood verkauft. Sieben Staffeln soll es geben. Sie sagt, das Projekt soll so groß wie die Serie „Game of Thrones“ werden – die erfolgreichste Serie weltweit. So richtig glauben kann man das noch nicht, doch wer weiß? Rileys Name steht für den Superlativ.

„Der Erfolg ist zweitrangig“

Wie fühlt sich der Erfolg an? „Es ist wunderbar! Aber da ich alle Bücher für mich schreibe, alle aus meinem Herzen kommen und ich nie weiß, wenn ich beginne zu schreiben, wo mich der Charakter hinführt, ist der Erfolg für mich zweitrangig.“ So wie sie das sagt, klingt ihre Antwort absolut überzeugend. Und man kommt schnell drauf, Riley selbst ist so anziehend wie ihre Heldinnen, mit denen sich ihre Fans regelmäßig identifizieren.

Doch da jetzt ein Drehbuch geschrieben werden muss, musste Riley ihre Arbeitsweise ändern. Sie musste in groben Zügen festlegen, was in den vier noch ungeschriebenen Büchern der Sieben-Schwestern-Reihe passieren wird. „Keine Angst also, der Plot steht, und mindestens sechs weitere Menschen wissen davon.“

„Spaß am Schreiben wird für mich nie enden“

Gerade sind Bücher von ihr unter den Top-Fünf in zehn Ländern. Trotzdem sagt sie, das Leben von Lucinda Riley sei ziemlich normal. Eben zum Beispiel, bevor ihr Telefon klingelte, habe sie die Wäsche gemacht, davor die Kinder zur Schule gefahren, und ihre Haare würden gerade außerdem ziemlich schlecht sitzen. „Wissen Sie, der Erfolg könnte morgen vorbei sein, aber der Spaß am Schreiben wird für mich nie enden. Und das ist das Wichtigste.“ Beim Schreiben fühle sie sich wie hinter einer Mauer, und wenn sie hinter dieser hervorkomme, sei sie Lucinda die Ehefrau, Mutter und Freundin. „That’s it.“

Angefangen hatte Riley als Balletttänzerin und Schauspielerin, bis sie schwer krank wurde. Und begann noch im Krankenbett zu schreiben. Die Autorin hatte sich selbst entdeckt. Und nun noch die eine Frage. Gibt es Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Lesern? „Es wäre natürlich besser zu sagen, es gebe keine. Aber nur so viel: Mein Mann schaut gern Golf-Turniere oder Kriegs-Dokus, was ich sterbenslangweilig finde, und ich warte nur auf die nächste Folge von Downton Abbey!“ Vielleicht ist alles wirklich so einfach.

 
 

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