Beim Auto-Tuning ist nicht alles erlaubt, was gefällt

Gerd Heidecke
Der Range Rover Evoque in der professionell getunten Startech-Version.
Der Range Rover Evoque in der professionell getunten Startech-Version.
Foto: Felix Heyder / WAZ FotoPool
Die Zeiten, in der jeder Kfz-Mechaniker, der etwas auf sich hielt, mal eben den Zylinderkopf seines Wagens „frisierte“ und auf mehr Leistung brachte, sind lange vorbei. Getunt wird längst mehr das Image von Auto und Fahrer, weniger der Motor. Damals wie heute gilt: Erlaubt ist nicht alles, was gefällt.

Essen. Tuning, der Begriff kommt aus dem Englischen und meint Feinabstimmung. Zur Umschreibung der Leistungssteigerung von Autos wurde Tuning, als noch aus Kostengründen bei den meisten Motoren gar nichts fein abgestimmt war. Die Zeiten, in der jeder Kfz-Mechaniker, der etwas auf sich hielt, mit einfachen handwerklichen Mitteln den Zylinderkopf seines Wagens „frisierte“ und auf mehr Leistung brachte, sind lange vorbei. Getunt wird längst mehr das Image von Auto und Fahrer, weniger der Motor. Damals wie heute gilt: Erlaubt ist nicht alles, was gefällt.

Grundsätzlich gilt: Man darf nach Belieben alles am Fahrzeug ändern, was nicht sicherheitsrelevant ist – Stichwort: Lackierung. Alles, was die Sicherheit auch nur beeinträchtigen könnte, muss ausdrücklich erlaubt sein, sonst ist es verboten. Und: Fahrer wie Halter sind dafür verantwortlich und müssen es dokumentieren können. So ist beispielsweise die Bauartgenehmigung für die beliebten Scheibentönungsfolien mitzuführen.

Betriebserlaubnis, Bauartgenehmigung, Teilegutachten...

Tuningteile haben in der Regel eine ABE, eine Allgemeine Betriebserlaubnis, ein EG- oder ECE-Genehmigung, eine allgemeine Bauartgenehmigung oder ein Teilegutachten. Die Dokumente regeln, ob die Änderung am Fahrzeug einem Gutachter vorgeführt oder in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden muss. Sonst ist eine Einzelabnahme fällig – und die kann teuer werden. Mit Einzelabnahmen lässt sich umgekehrt alles eintragen, das ein Prüfer in Deutschland für in Ordnung hält.

Bei Importteilen, beispielsweise aus Ländern, die nicht zur EU zählen, sollte man besonders aufpassen, ob sie hier angebaut werden dürfen. Von speziellen Tuning-Betrügereien bei Importteilen ist dem Verband der deutschen Automobiltuner aber wenig bekannt. Der VDAT bietet auf seiner Homepage auch eine Onlineberatung zu allen Tuningfragen an.

Wer sich nicht an die weitgehende Pflicht zur Begutachtung hält und ungenehmigte Änderungen an seinem Mofa oder Manta vornimmt, bei dem erlischt die Betriebserlaubnis. Damit riskiert man seinen Versicherungsschutz, und das kann noch viel teurer werden als eine Einzelabnahme. Vom Unfallrisiko mal ganz abgesehen.

Reifen und Räder

Räder machen Autos, so wie Kleider Leute machen. Rad und Reifen sind die unangefochtene Nummer eins beim Tuning. Hauptvorteil von auffälligen Felgen und breiteren, möglichst flachen Reifen: Sieht eigentlich immer besser aus. Manchmal verbessern sie auch die Haftung. Nachteil: Meist leidet der Komfort unter breiten, aber dünnen Reifen, die kaum mehr federn und Stöße ungefiltert weitergeben.

[kein Linktext vorhanden]Außerdem: Die Lenkpräzision kann leiden. Grundsätzlich dürfen nur Rad-Reifen-Kombinationen gefahren werden, die in den Fahrzeugpapieren eingetragen sind. Hier kann auch die Benutzung bestimmter Reifentypen vorgeschrieben sein. Grundsätzlich darf ein Reifen aufgezogen werden, der für eine höhere Geschwindigkeit oder für eine größere Gewichtsbelastung zugelassen ist, als die Papiere als Untergrenze vorschreiben.

Der Auspuff

Die weitgehenden neuen Lärmvorschriften für Auspuffanlagen limitieren auch das Geräuschniveau von „Tuning-Töpfen“ für die Nachrüstung. Hier geht es nur um Optik, meistens (völlig unnötige) riesige Endrohre, und ein bassiger Blubber-Sound, der hinten nach mehr Hubraum klingt als vorne drin ist.

Das Fahrwerk

Neben „schneller“ zählt „tiefer“ und breiter“ zum klassischen olympischen Motto der Tunerschaft. Grundsätzlich ist der Komfortverlust bei harten Sportfahrwerken ausgeprägter als bei Tuningrädern, der Gewinn an sportlichem Potenzial zumindest oft zweifelhaft.

Häufig wird etwas mehr maximale Kurvengeschwindigkeit auf topfebenen Strecken mit tückischerem Verhalten im Grenzbereich bestraft, außerdem steigt der Verschleiß. Aber das Auge fährt ja mit.

Der Spoiler

Auffällige Spoilerlippen sind so was von schlechtem Stil der Neunziger Jahre und deshalb eine aussterbende Art. Ein messbarer Effekt tritt bestenfalls bei höheren Autobahngeschwindigkeiten auf. Aber wenigstens optisch wirkt ein fetter Spoiler auf dem Dach schon im Stand.

Das Motortuning

Motortuning ist immer ein Fall für eine Begutachtung, denn Bremsen und Fahrwerk müssen mit den Mehr-PS klarkommen können. Versicherungen reagieren unterschiedlich auf die Leistungssteigerung. Die meisten ändern die Typeinstufung des Fahrzeugs jedoch nicht. Die Herstellergarantie auf den Antrieb erlischt jedoch. Modernes Motortuning muss nicht automatisch mit einem Mehrverbrauch verbunden sein, Voraussetzung: Man ruft die zusätzlichen PS nicht laufend ab. Vorsicht bei billigem Chiptuning, hier kann man seinen Motor riskieren.