Autofahrer werden bei Einreise in Niederlande fotografiert

Die Königliche Grenzpolizei wird sich künftig von den Übergängen zurückziehen – und im Hinterland auf Fahrzeuge lauern, die das Computersystem als auffällig gemeldet hat.
Die Königliche Grenzpolizei wird sich künftig von den Übergängen zurückziehen – und im Hinterland auf Fahrzeuge lauern, die das Computersystem als auffällig gemeldet hat.
Foto: WAZ FotoPool
Autofahrer werden an der niederländischen Grenze ab sofort fotografiert. Erfasst werden neben den Insassen auch Kennzeichen und Automarke. So sollen die Ermittlung gestohlener Fahrzeuge und die Bekämpfung von Drogen- und Menschenschmuggel unterstützt werden.

Berlin.. Bei der Einreise in die Niederlande werden Fahrzeuge seit Mittwoch an einigen Tagen automatisch fotografiert. Nach Abgleich mit einer Datenbank werden bestimmte Wagen dann gezielt kontrolliert. Das neue System mit dem Namen "Amigoboras" solle bei der Kriminalitätsbekämpfung helfen, sagte der Sprecher des niederländischen Grenzschutzes, Alfred Ellwanger, auf dapd-Nachfrage.

Die Ankündigung des neuen Kontrollmechanismus hatte im vergangenen Jahr EU-weit für Kritik gesorgt. Es wurden Verstöße gegen den Datenschutz und gegen den im Schengener Abkommen vereinbarten freien Grenzverkehr befürchtet. Mittlerweile hätten sowohl die EU-Kommission als auch der Europäische Gerichtshof die Rechtmäßigkeit des Kontrollsystems bestätigt, sagte Ellwanger.

Gezielte Fahrzeugkontrollen

Unmittelbar hinter elf Grenzübergängen von deutscher und hinter vier von belgischer Seite aus wurden im Nachbarstaat Kameras installiert. Sie erfassen nach Angaben aus Den Haag alle Einreisenden. Dabei würden Automarke und Kennzeichen für kurze Zeit registriert und mit Einträgen einer Datenbank abgeglichen.

[kein Linktext vorhanden]Ergebe sich daraus ein Verdacht auf illegale Einwanderung, Drogenschmuggel oder Menschenhandel, könne der Grenzschutz in einem Radius von 20 Kilometern hinter dem Übergang gezielte Fahrzeugkontrollen durchführen, erklärte Ellwanger. Personenbezogene Daten würden weder gespeichert noch für andere Zwecke genutzt. Insgesamt sei das System pro Grenzübergang und Monat 90 Stunden in Betrieb. Ursprünglich sollte die neue Überwachungsmaßnahme bereits im Januar starten.

Nach Gesprächen mit der niederländischen Regierung hat auch der ADAC keine grundsätzlichen Bedenken mehr gegen die Vorgehensweise, wie Michel Nissen, Leiter der Abteilung internationales Recht auf dapd-Nachfrage erklärte. Der Automobilclub werde die Entwicklung aber genau beobachten und darauf achten, dass die klar definierten Bedingungen nicht schleichend ausgeweitet oder aufgeweicht würden. "Reisende dürfen nicht kriminalisiert oder unter Generalverdacht gestellt werden", betonte Nissen. (dapd)

 
 

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