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Anführer der Moon-Sekte ist tot

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Foto: reuters

Seoul. 

Er selbst hat sich in aller Bescheidenheit gerne „Messias“ genannt. Für seine Gegner war er „ein gefährlicher Verführer“. Fest steht, dass er glühender Anti-Kommunist und reich war, ein Milliardär. Jetzt ist Sun Myung Moon, Gründer der Vereinigungskirche, besser bekannt, als „Moon-Sekte, tot. Im Alter von 92 Jahren erlag er einer Lungenentzündung.

In Deutschland sind es vor allem die Bilder von Massenhochzeiten in Hallen und Fußballstadien, die man mit der Moon-Sekte verbindet. Wo der „wahre Vater“ zuerst Dutzende, später einmal gleich 42.000 Paare gleichzeitig vermählte und zur Not seinen Segen auch mal via Satellit erteilte. Frauen und Männer heirateten da, die sich manchmal erst Stunden zuvor kennengelernt hatten. Auch deshalb fiel das oft in die Kategorie „Kurioses aus aller Welt“. Doch so harmlos war die Sache nicht.

Knallharter Geschäftsmann

Denn Moon war weitaus mehr als ein spinnerter Heiliger. Er war ein knallharter Geschäftsmann, der Tausende seiner Anhänger – „Moonies“ genannt – dazu brachte, ihm ihren gesamten Besitz zu überschreiben und sie anschließend auf die Straße schickte, wo sie für ihren Meister Kerzen, Erdnüsse und Blumen verkauften oder für angeblich wohltätige Zwecke bettelten. Mitte der 1970er Jahre sollen allein in den USA gut 7000 seiner fanatischsten Anhänger unterwegs gewesen sein und täglich pro Kopf bis zu 200 Dollar herangeschafft haben. Das läppert sich.

Geld, mit dem Moon ein weltweites Imperium aufbaute. Die Familie besitzt Zeitungen und TV-Sender in aller Welt, ihr gehört das „New Yorker“-Hotel in Manhattan, die Bridgeport Universität in Connecticut, ein Ski-Resort und eine Fußballmannschaft in Südkorea und riesige Ländereien in Lateinamerika. Und die rund 8000 Sushi-Restaurants in den USA, heißt es, bekommen ihre Ware, nahezu komplett von den Moons. Unklar aber bleibt, wie Moon zu einem Sektenführer werden konnte, der in Glanzzeiten angeblich drei Millionen Anhänger um sich scharren konnte. Gut, ihm selbst soll nach eigener Erinnerung im Alter von 16 Jahren auf einem Hügel in Korea der Gott der Christen erschienen sein und ihm den „Schlüssel zur Wiederherstellung des himmlischen Königreichs auf Erden“ übergeben haben. Aber dafür gibt es – wie immer in solchen Fällen – keine Zeugen.

Die Antwort auf alle Fragen

Und die „Antwort auf alle Fragen“, die er seinen Anhängern in aller Welt einst versprach, ist er Zeit seines Lebens schuldig geblieben. Stattdessen hat er ihnen eine wirre Mischung aus Astrologie, Numerologie, dem Alten und Neuen Testament angeboten. Und während der Meister selbst in Wohlstand und wenig enthaltsam lebte, wartete auf die „Moonies“ als Belohnung für die Bettelei auf den Straßen nach Feierabend ein Leben ohne Alkohol, Tabak und mit kargem Essen und Sex erst ab 21 Jahren. Paradiese sehen anders aus.

Kritiker haben ihn und seine Organisation deshalb oft der „Gehirnwäsche“ bezichtigt. Weltweit hat es deshalb immer wieder Einreiseverbote für Moon und seine Frau gegeben. Auch in Deutschland war das Paar zwischen 1995 und 2006 nicht willkommen. Die Vereinigungsbewegung gehöre zu den Jugendsekten und Psychogruppen, deren Aktivitäten junge Menschen gefährden könnten, lautete die Begründung, bis das Verfassungsgericht die Entscheidung kippte. Für das Gefängnis aber hat es auch in den USA nur einmal gereicht. 18 Monate muss der Guru 1980 in Haft. Allerdings wegen Steuerhinterziehung.

Kein Nachfolger in Sicht

In den letzten Jahren ist es ruhig geworden um Moon. Genau wie um die Vereinigungskirche, die nach Schätzungen von Aussteigern weltweit nur noch rund 100 000 Mitglieder haben soll. In Südkorea hat ihr Oberhaupt gelebt und dort ist es auch gestorben. Die Geschäfte hat der jüngste Sohn Hyung Jin übernommen, die „spirituelle Nachfolge“ des Vaters will er nicht antreten. „Es ist nicht unsere Rolle“, hat er gesagt, „seine messianische Bestimmung fortzuführen.“