Ärger um "Weltmeister" und "Spielerfrau" auf neuen Ü-Eiern

Ferrero hat Ärger mit einer neuen Überraschungsei-Kollektion. Ein Blogger veröffentlichte ein Foto von zwei Überraschungseiern mit den Aufschriften "Weltmeister" und "Spielerfrau" und regte so eine Debatte über Sexismus im Internet an.

Essen/Paderborn. Mit den Aufschriften „Weltmeister“ und „Spielerfrau“ sorgt Kinder Überraschung für Diskussionen im Internet. Passend zur Fußballweltmeisterschaft der Männer 2014 in Brasilien hat Ferrero eine neue Sonder-Edition des Überraschungseis herausgebracht. In einem Werbeprospekt eines Discounters im Raum Paderborn taucht das Bild von zwei Ü-Eiern auf. Während auf dem einen mit goldenen Lettern „Weltmeister“ steht, steht auf dem anderen in pinkfarbener, geschwungener Schrift „Spielerfrau“.

Der Blogger Luca Hammer entdeckte die Werbung am Samstag in dem Werbeblättchen und veröffentlichte das Foto der beiden Ü-Eier auf Twitter mit dem Kommentar: "Ihr fandet Mädchen/Jungs Ü-Eier doof? Ihr werdet Weltmeister/Spielerfrauen hassen." Bislang ist das Foto fast 900 Mal retweetet worden. „Gronkh“ postete ebenfalls das Foto bei Facebook. Sein Kommentar „Liegt das an mir oder ist das irgendwie sau sexistisch“, hat mittlerweile rund 9000 Likes.

Zur Frauen-WM gab es keine Kollektion

Die Kommentare bei Facebook, Twitter und direkt unter dem Blog-Eintrag von Luca Hammer sind deutlich: Sexistische Unterscheidungen zwischen männlichen Weltmeistern und weiblichen Spieler-Anhängseln wollen viele nicht. Auch wenn "arctans" in seinem Kommentar auf der Homepage des Bloggers darauf verweist, dass es die Fußball-WM der Männer sei und es dabei keine Weltmeisterinnen geben könne. „Die beiden letzten deutschen Fußball-Weltmeistertitel wurden von Frauen gewonnen“, hält Grübelmonster auf Twitter dagegen. Und damals gab es keine Ü-Ei-Sondereditionen.

Auf Facebook posten viele ihre Kritik direkt auf der Ü-Ei-Fanpage: „Solch eine Produktpolitik halte ich für einfallslos und ekelhaft. Aber vielleicht sitzen bei euch auch nur ältere Herrschaften, die mit ihren Köpfen nostalgisch in den '60ern oder so stecken und diesen Fehler gar nicht nachvollziehen können“, schreibt Helen Jonas. „Ich würde Sie sehr darum bitten, dass Sie in Zukunft ihre sexistische Gesellschaftsmoral nicht an unserer Jugend auslassen und ihr Sortiment ändern“, kommentiert Facebook-Mitglied Romain Marcillac.

Alexandra Mancuso schreibt: „Ich jedenfalls werde meiner Tochter gerne zehn mal am Tag erklären, warum wir keine Ü-Eier mehr kaufen.“ Auch Facebook-Mitglied Constanze Fischer ist gegen die geschlechtsspezifische Trennung bei Ü-Eiern: „Der in der Unterscheidung zwischen „Weltmeistern“ und „Spielerfrauen“ deutlich werdende Sexismus zwingt mich leider dazu von nun an Ihre Produkte nicht mehr zu kaufen.“

Schon 2012 Sexismus-Debatte

Mit solchen Reaktionen zur neuen WM-Kollektion hätte Ferrero allerdings rechnen können. Bereits 2012 lösten die pinkfarbenen Ü-Eier eine Sexismus-Debatte aus, weil sie als „nur für Mädchen“ beworben wurden. Die Kampagne „pinkstinks“ startete damals eine Petition gegen das Mädchen-Ü-Ei. Das Unternehmen hielt zwar dagegen mit Hinweisen, dass neben Püppchen und Armbändern auch Spielzeug zum Basteln und Puzzeln in den Eiern sei, dennoch verschwinden die rosa-farbenen Ü-Eier nach und nach aus dem Sortiment vieler Läden.

Bei der neuen Kollektion distanziert sich das Unternehmen allerdings von den Sexismus-Vorwürfen der Social-Media-Community und bedauert die Auswahl des Einzelhändlers bei seinem Werbeprospekt. "Die beiden abgebildeten Motive sind nur ein kleiner Teil einer ganzen WM-Sonderedition", so ein Unternehmenssprecher. „Spielerfrau“ und „Weltmeister" seien nur zwei der 20 Aufdrucke der WM-Kollektion. Weitere sind „Tooooor“, „Oleee“, „Flankengott“, „Megafan“, "Abseitsversteher" und „Spielmacher“. Die Aufschrift auf dem Überraschungsei sage auch nichts über dessen Inhalt aus.

 
 

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