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Adolf Hitler und das Jugendamt

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Foto: AP

Holland Township. In den USA haben die Behörden einen Jungen namens Adolf Hitler aus seiner Familie genommen. Die beiden Schwestern des Dreijährigen, deren Namen ebenfalls rechtsextreme Anspielungen enthalten, sind auch in der Obhut der Behörden. Der Vater steht diese Woche vor Gericht.

In Deutschland können die Standesämter bestimmte Namen für Kinder als unpassend ablehnen. Nicht so in den USA: Ein kleiner Junge hat dort schon im Kindergartenalter Kraft seines Namens Berühmtheit erlangt: Es geht um Adolf Hitler. Genauer: Adolf Hitler Campbell, drei Jahre alt.

Aus der Familie genommen

Adolf Hitler Campbell und seine beiden Schwestern, JoceLynn Aryan Nation Campbell und Honszlynn Hinler Jeannie Campbell, sind nun von der Jugendbehörde des Staates New Jersey aus ihrer Familie genommen worden, wie ein Sprecher der örtlichen Polizei gegenüber dem US-Sender Fox News bestätigte.

Der Vater der Kinder, Heath Campbell (35), soll sich am Donnerstag vor einem Gericht verantworten, berichtet Fox News. Die Jugendbehörde selbst wollte sich aus Gründen der Vertraulichkeit zu dem Fall nicht äußern. Auch einen Zusammenhang zwischen der Inobhutnahme der Kinder und dem Gerichtstermin wollte eine Sprecherin nicht bestätigen. Selbst die Polizei kennt keine Details.

Polizei hat keine Hinweise auf Misshandlung

Im Allgemeinen, so teilte Kate Bernyk von der Jugendbehörde des US-Staates New Jersey mit, basiere „die Entscheidung, ein Kind aus seiner Familie zu nehmen, auf Sicherheit und Wohlergehen des Kindes und einem Risiko für das Kind.“ Diese Entscheidung werde gemeinsam mit den Gerichten getroffen.

Polizeisprecher John Harris berichtete jedoch, es habe zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf Kindesmisshandlung durch den Vater gegeben: „So weit ich weiß, ist er immer sehr gut mit den Kindern umgegangen.“

Die Sprecherin der Jugendbehörde teilte am Mittwoch mit, bei dem Fall gehe es nicht nur um die Namen. Ihre Behörde „würde niemals eine Kind nur wegen seines Namens aus der Familie nehmen“, sagte Bernyk.

Keine Geburtstagstorte mit Adolfs Namen

Erst im Dezember hatte der kleine Adolf für Schlagzeilen gesorgt. Ein Geschäft hatte sich geweigert, eine Torte für die Party zu seinem dritten Geburtstag mit seinem Namen zu beschriften. Die Berichterstattung darüber in der Lokalzeitung sorgte für heftige Online-Diskussionen, die sich gegen Heath Campbell und seine 25-jährige Frau Deborah richteten.

Der forensische Psychologe N. G. Berrill sagte gegenüber Fox News, einen Jungen Hitler zu nennen, könne als Kindesmisshandlung gewertet werden. „Teil dessen ist der infantile Charakter der Eltern. Man kann seinem Hund einen seltsamen Namen geben, aber sie glauben, dass sie irgendeine gewagte Aussage treffen. Sie nehmen keine Rücksicht darauf, dass die Kinder eigene Leben haben werden und in einem sehr negativen Licht da stehen bis sie in der Lage sind, ihren Namen zu ändern. Das ist Missbrauch.“

„Niemand sonst in der Welt“

Vater Heath Campbell teilte der Zeitung Easton-Express Times im letzten Jahr mit, dass er seinen Sohn Adolf Hitler genannt habe, weil er den Namen möge und „niemand sonst in der Welt würde diesen Namen haben“.

In einem ähnlichen Fall war im letzten Jahr ein neunjähriges Mädchen in Neuseeland den Eltern weggenommen worden. Ein Gericht hatte entschieden, dass der Name „Talula Does the Hula From Hawaii“ („Talula tanzt den Hula aus Hawaii“) nicht angemessen sei. In Neuseeland betrachten die Behörden einen Namen nur als belastend, wenn er heftige Hänseleien auslöst.

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