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200 Gäste nehmen Abschied von Johannes Heesters

200 Gäste nehmen Abschied von Johannes Heesters

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Foto: REUTERS
Zur Trauerfeier für den verstorbenen Johannes Heesters sind am Freitag rund 200 Gäste gekommen. Bayerns Kultusminister würdigte den Schauspieler als „Jahrhundertzeugen“. Auch gegen den Vorwurf der NS-Nähe wurde der Künstler verteidigt.

München. 

Angehörige, Freunde und Fans von Johannes Heesters haben am Freitag in München Abschied von dem an Heiligabend verstorbenen Schauspieler genommen. Rund 200 geladene Gäste gaben dem Unterhaltungsstar bei einer Trauerfeier das letzte Geleit. Hunderte Fans erwiesen Heesters bei der anschließenden, öffentlichen Beisetzung die letzte Ehre. Viele hinterließen einen Abschiedsgruß in den Kondolenzbüchern.

Der Starnberger Pfarrer Konrad Schreiegg sagte am Grab, Gott habe „unseren Bruder Jopie“ zu sich gerufen. Es handle sich jedoch nur um ein „Hinübergehen“ in eine andere Daseinsweise. Die Toten seien weiter „unter uns“. Witwe Simone Rethel-Heesters bedeckte den weißen Sarg als Erste mit Erde. An ihrer Seite waren auch die beiden Töchter des Verstorbenen aus erster Ehe, Wiesje und Nicole.

Ex-Minister verteidigt Heesters gegen Vorwurf der NS-Nähe

Bayerns ehemaliger Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) verteidigte Heesters in einer Trauerrede gegen den Vorwurf, er habe sich während des Dritten Reichs mit den Nationalsozialisten gut gestellt. Die Menschen seien „nicht immer gerecht“ mit dem Schauspieler umgegangen, sagte Goppel der Nachrichtenagentur dapd nach der Beisetzung. Die Vorwürfe seien falsch gewesen. Er habe mit seiner Rede Kritiker fragen wollen: „Wart ihr so mutig, wie ihr von anderen verlangt?“

InfoHeesters‘ Sarg war mit einem weißen Blumengebinde und einer Trauerschleife seiner Frau geschmückt. Fast ein Dutzend Blumenkränze und -gebinde waren in der Aussegnungshalle um den Sarg drapiert. Die Feier im geschlossenen Kreis wurde von Bekannten und Weggefährten des Schauspielers gestaltet.

Heesters-Lieder bei der Trauerfeier

Schreiegg, der Heesters seit den 70er Jahren kannte, leitete die Trauerfeier. Neben Goppel waren als Redner der langjährige Leiter des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm, Jürgen Wölffer, sowie der Düsseldorfer Theaterdirektor René Heinersdorff, eingeladen. Die Pianisten Florian Fries und Uli Kofler, die über viele Jahre mit Heesters aufgetreten waren, begleiteten die Feier musikalisch. Sie spielten Lieder, die dem Entertainer „am Herzen lagen“, sagte Kofler vor Beginn der Zeremonie. Darunter seien „Ich liebe die Sonne, den Mond und die Sterne“, „Lippen schweigen“ und der Walzer „Illusion“ aus Heesters‘ gleichnamigem Film.

„Ein Mensch, der wie kein zweiter ein ganzes Jahrhundert geprägt hat“

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) hat Heesters als „Jahrhundertzeuge“ gewürdigt. Heesters habe Menschen „neun Jahrzehnte lang fasziniert und aufs beste unterhalten“, sagte Spaenle am Freitag in München bei der Trauerfeier laut Redetext. „Mit Johannes Heesters hat uns ein Mensch verlassen, der wie kein zweiter ein ganzes Jahrhundert geprägt hat und auch umgekehrt von ihm geprägt wurde“, sagte Spaenle.

Heesters war am 24. Dezember im Alter von 108 Jahren im Krankenhaus seines bayrischen Wohnortes Starnberg gestorben. Der gebürtige Niederländer hatte seine Karriere als Entertainer vor 90 Jahren begonnen. Er sollte am Freitag im Anschluss an die nicht öffentliche Trauerfeier, zu der zahlreiche Freunde und Weggefährten geladen waren, auf dem Münchner Nordfriedhof beigesetzt werden. (dapd/afp)