20 Jahre Bürgerkrieg in Somalia und kein Ende in Sicht

DerWesten

Frankfurt/Main. Die Menschen in Somalia leben seit 20 Jahren in Armut und Angst. Der Bürgerkrieg, der 1991 ausgebrochen war, sorgt für Chaos im Land. Das Fehlen einer staatlichen Ordnungsmacht erschwert nun die Hilfe für die hungernden Menschen massiv.

Seit dem Sturz des Regimes von Präsident Siad Barre 1991 gibt es im größten Teil Somalias keine funktionierenden staatlichen Strukturen mehr. Die Machtkämpfe zwischen den verschiedenen Warlords stürzten das Land in einen seitdem anhaltenden Bürgerkrieg. Einzig im Norden herrscht in der proklamierten, aber nicht international anerkannten unabhängigen Republik Somaliland und der halbautonomen, selbst regierten Region Puntland einigermaßen Stabilität.

Die übrigen der knapp zehn Millionen Somalier leben größtenteils in Armut und unter ständiger Gefahr für ihr Leben. Die Kämpfe und die diesjährige Dürre haben in diesem Jahr alleine nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR 270.000 Somalier dazu getrieben, ihre Heimat zu verlassen. Während die meisten innerhalb Somalias Unterschlupf fanden, flohen 70.000 ins benachbarte Ausland, 60.000 davon nach Kenia in das weltgrößte Flüchtlingslager Dadaab.

Das Fehlen einer staatlichen Ordnungsmacht erschwert die Hilfe für die vom Hungertod bedrohten Menschen massiv. Nicht erst die Verteilung der Hilfsgüter an Land wird durch die verschiedenen Kriegsfraktionen erschwert. Piraten bedrohen die Hilfslieferungen bereits auf See und verteuern die Hilfe.

Truppen verschiedener Länder in Somalia

Die 1992 aufgelegte Unosom-Mission der Vereinten Nationen und ihre Nachfolgemissionen konnten das Land nicht befrieden. Und auch die im Jahr 2000 formierte Übergangsregierung blieb ohne Einfluss.

Im Jahr 2006 gelang es der radikalislamischen Union islamistischer Gerichte (UIC), weite Teile des Landes unter ihre Herrschaft zu bringen und ein gewisses Maß an Ordnung zu etablieren. Eine von den USA unterstützte Intervention äthiopischer Truppen bereitete ihrer Herrschaft jedoch ein Ende. Unter dem Schutz ausländischer Truppen zog die Übergangsregierung von Staatspräsident Abdullahi Jusuf Ahmed in Mogadischu ein. Die Afrikanische Union entsandte Anfang 2007 ein bis zu 8000 Mann starkes Kontingent zum Schutz der Regierung.

Islamistische Milizen sind die mächtigsten Gegner der Regierung

Aus der geschlagenen UCI ging die mit El Kaida verbündete radikalislamische Miliz Al-Schabab hervor, die weiter große Teile Süd- und Zentralsomalias beherrscht und einen blutigen Krieg gegen die Übergangsregierung führt. Mitte 2009 verwies die Miliz alle Hilfsorganisationen aus ihrem Machtbereich. Angesichts der großen Not erlaubte sie ihnen vor Kurzem die Rückkehr.

2009 einigte sich die Übergangsregierung mit der Allianz zur Wiederbefreiung Somalias auf deren Regierungsbeteiligung. Voraussetzung dafür war der kurz zuvor erfolgte Abzug der äthiopischen Interventionstruppen. Teile der ASR führten als radikalislamische Miliz Hisbul-Islam den Kampf gegen die Übergangsregierung fort. Nach einer kurzlebigen Allianz mit Al-Schabab zerstritten sich die beiden Milizen und kämpfen seitdem auch gegeneinander.

Die Übergangsregierung behauptet mithilfe der AU-Truppen ihre Herrschaft über Teile Mogadischus. Jenseits davon herrschen Al-Schabab, Hisbul-Islam und andere Milizen. In den vergangenen sechs Jahren verabschiedete das 2000 etablierte Übergangsparlament kein einziges Gesetz. Als größter Erfolg gilt die Wiederherstellung des Parlamentsgebäudes. Im Februar verlängerte das Parlament die eigentlich im August auslaufende Legislaturperiode um drei Jahre. (dapd)