Warum der Polterabend heutzutage eigentlich sinnlos ist

Je mehr Porzellan am Polterabend zu Bruch geht, desto besser.
Je mehr Porzellan am Polterabend zu Bruch geht, desto besser.
Foto: WAZ
Scherben bringen bekanntermaßen Glück. Damit das Brautpaar mit eben diesem in die Ehe starten kann, findet häufig am Abend vor der Trauung ein Polterabend statt. Woher der Brauch stammt und warum er eigentlich keinen Sinn mehr macht, erklärt Christiane Cantauw von der Volkskundlichen Kommission für Westfalen.

Essen.. Ein Haufen Scherben ist das, was bleibt, wenn vor der Hochzeit die Freunde den Polterabend einläuten: Traditionell ist es eigentlich der Abend vor der Hochzeit, an dem sich Braut und Bräutigam von ihren Freunden verabschieden. Ein Event, zu dem mit viel Elan meist ebenso viel Porzellan zerschlagen wird. Warum das so ist?

„Ein Polterabend ist ein sogenannter Übergangsbrauch“, erklärte Christiane Cantauw von der Volkskundlichen Kommission für Westfalen in einem Interview bereits 2013: „Der Übergang, der Abschied aus dem Kreis der Unverheirateten, muss kenntlich gemacht werden und wird seit jeher von Radau und Feiern begleitet.“

Allerdings gehöre der klassische Polterabend inzwischen zu den sogenannten „sinnentleerten Bräuchen“: „Früher war es wichtig, dass sich die Freunde mit diesem Ereignis noch einmal lautstark in Erinnerung riefen. Heute ist das längst überholt.“

Zerdeppern von Glas und Porzellan

Allerdings hat dieser Brauch es bis ins 21. Jahrhundert geschafft – in abgewandelter Form zwar, aber Polterabend wird in Verbindung mit der Hochzeit immer noch gern gefeiert. Früher kamen – aus besagten Gründen – nur die Freunde zum Polterabend, heute kommen außerdem Nachbarn, Familie und Bekannte. Eingeladen wird prinzipiell nicht, wer kommt, der ist dabei.

Klassisch wird der Polterabend einen Tag vor der Hochzeit gefeiert und findet tatsächlich dann schon um Mitternacht ein Ende, längst gehen allerdings immer mehr Paare dazu über, den Polterabend bereits Tage vorher zu feiern. Denn eines ist ebenfalls schon seit Jahrhunderten Brauch: Der Schnaps gehört dazu, wenn die Jungvermählten in einen neuen Lebensabschnitt starten.

Heiraten Ebenso wie das Zerdeppern von Glas und Porzellan, sagt Christiane Cantauw: „Früher war es beispielsweise so, dass die Großmagd oder der Schwiegervater das Brautpaar nach der Eheschließung in der Kirche als Willkommensgruß mit einem Schnaps begrüßte.“ Anschließend wurde das Glas auf den Boden geworfen und zersprang im günstigsten Fall für das Glück und den weiteren gemeinsamen Weg des Brautpaares.

Böse Geister in die Flucht schlagen

Heute eignen sich zum Poltern und Krach machen Glas- und Porzellanwaren. Der Gedanke, dass damit womöglich böse Geister in die Flucht geschlagen werden, ist allerdings so nicht richtig, sagt Christiane Cantauw: „Es geht darum, mit möglichst viel Lärm die Besonderheit dieses Tages hervorzuheben.“

Deshalb ganz wichtig: die Polterkiste. Wer unkontrolliert poltern lässt, hat viel zu fegen. Deshalb empfiehlt sich einegroßzügig dimensionierte Holzkiste, in der die Gäste nach Herzenslust ihr altes Geschirr zerdeppern können. Vorteil für das Paar: Das gemeinsame Fegen beschränkt sich auf eine gewisse Symbolik.

 
 

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