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Karstadt-Chef: Gleiches Recht für Arcandor und Opel

Karstadt-Chef: Gleiches Recht für Arcandor und Opel

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Foto: ddp

Essen. Karstadt-Chef Stefan Herzberg verteidigt seine Forderung nach Staatsbürgschaften. „Die 25.000 Arbeitsplätze bei Opel sind genauso wichtig wie die 50.000 Arbeitsplätze bei Arcandor”, sagt er im Interview mit der WAZ-Gruppe.

Wie wollen Sie die Skeptiker davon überzeugen, dass Arcandor die Kriterien für eine Staatsbürgschaft erfüllt?

Stefan Herzberg: Unsere derzeit schwierige Situation hat ihre Ursache klar in der Finanzmarktkrise. Das Geschäftsmodell von Karstadt und Kaufhof funktioniert. Vor dem Sommer 2008 waren wir immer in der Lage, unsere Probleme selbst zu meistern. Das hat sich durch die Krise an den Finanzmärkten dramatisch geändert.

Es gibt die Befürchtung, der Steuerzahler solle nun für Managementfehler blechen.

Herzberg: In den vergangenen Jahren ist trotz aller Fortschritte sicherlich nicht immer alles geglückt – wie in anderen Unternehmen auch. Doch unsere aktuelle Situation hat vor allem mit den Finanzmärkten zu tun. Dafür gibt es Beispiele: Erlöse aus unseren Immobilienverkäufen fließen uns verzögert zu, der Verkauf von Neckermann hat im Zuge der bereits aufziehenden Finanzmarktkrise nicht die erhofften Einnahmen gebracht – und nicht zuletzt: Die finanzielle Begleitung unserer Restrukturierung durch die Banken ist ohne Staatsbürgschaft heute nicht mehr möglich.

Warum soll eine Bürgschaft notwendig sein, wenn sich eine privatwirtschaftliche Lösung abzeichnet – eine Deutsche Warenhaus AG mit Karstadt und Kaufhof?

Herzberg: Einen Schritt nach dem anderen: Wir verschließen uns nicht Gesprächen über die Deutsche Warenhaus AG – ganz im Gegenteil. Aber eine Bürgschaft ist die Voraussetzung für das, was in diesem Zusammenhang diskutiert wird. Es ist wichtig, eine solche Lösung in einem geordneten Prozess anzustreben. Zunächst einmal müssen wir die Insolvenz abwenden. Denn eine Insolvenz ist kein Heilmittel, sondern sie vernichtet Arbeitsplätze und Werte.

Sie gehen mit den Beschäftigten auf die Straße. Ihre Botschaft lautet: Ohne Bürgschaft kommt die Insolvenz. Mancher in der Politik fühlt sich erpresst.

Herzberg: Wir drohen oder erpressen nicht. Es ist aber unsere Verpflichtung darauf hinzuweisen, was passiert, wenn die benötigte Staatsbürgschaft nicht kommt. Als Management üben wir einen engen Schulterschluss mit den rund 50.000 Arcandor-Beschäftigten in Deutschland – allein 30.000 davon bei Karstadt. Unsere Warenhäuser machen Fortschritte im Ergebnis. Arcandor kann und wird jeden Cent zurückzahlen.

Können Sie es verstehen, wenn der Staat dem Autobauer Opel hilft, nicht aber Karstadt?

Herzberg: Die 25.000 Arbeitsplätze bei Opel sind genauso wichtig wie die 50.000 Arbeitsplätze bei Arcandor. Karstadt hat zudem eine enorm wichtige Funktion in den Innenstädten. Die Politik ist gerade in der Krise für die Menschen da – und das ist gut so. Wenn man mich im Zusammenhang mit unserer Bitte um eine Bürgschaft einen Bettler nennt, empfinde ich das als Ehrentitel.