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Sie wurde als Tim geboren: Trans-Sängerin Kim Petras aus Köln wird in den USA gefeiert

Sie wurde als Tim geboren: Trans-Sängerin Kim Petras aus Köln wird in den USA gefeiert

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WANTAGH, NY - AUGUST 18: Kim Petras performs onstage during Day 1 of Billboard Hot 100 Festival 2018 at Northwell Health at Jones Beach Theater on August 18, 2018 in Wantagh, New York. (Photo by Theo Wargo/Getty Images for Billboard) Foto: Getty Images for Billboard
  • Kim Petras wird in den USA als die „neue Lady Gaga“ gehandelt
  • Die Deutsche ging mit 19 aus NRW auf eigene Faust nach Los Angeles und kämpfte sich durch
  • Doch schon vorher musste sie einen harten Kampf ausfechten

Berlin. 

Kim Petras lebt gerade den amerikanischen Traum. Als 19-Jährige auf eigene Faust in die große Metropole gezogen, ohne Wohnung, ohne viel Geld, nur mit dem Traum, Popstar zu werden und sich in Los Angeles einen Namen zu machen.

Heute, also rund sieben Jahre später, kann die 26-Jährige auf Millionen Youtube-Klicks, noch mehr Spotify-Streams und Chart-Platzierungen stolz sein. Sie war in der „Vogue“, die „New York Times“ widmete ihr ein großes Porträt. Dort wird sie als „neue Lady Gaga“ gehandelt, woanders wieder als „nächste Madonna“.

Kim Petras geht bald auf ihre erste große Tour

Unterm Strich: Kim Petras hat es in den USA zum Star geschafft, gerne wird von ihr als das „next big thing“ in der Pop-Branche gesprochen. Ab Ende September steht ihre erste große Tour an: 28 Konzerte, dafür geht es quer durch die USA und nach Kanada.

Doch so glamourös sich die Geschichte ihres Aufstiegs anhört, so fröhlich-verspielt und bunt ihre Videos daherkommen – so hart und steinig war ihr Weg dorthin. Und das nicht nur, weil man es aus Uckerath, einem Ortsteil von Hennef bei Bonn, erst mal nach LA schaffen muss.

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Lange musste die gebürtige Kölnerin auch gegen ihre eigene Identität kämpfen. Denn Kim wurde als Tim geboren, als Mädchen in einem Jungenkörper.

Identitätskrisen, sogar Suizidgedanken begleiteten Kim bis in die Pubertät. Ohne die Unterstützung ihrer Eltern, sagt Kim, hätte sie sich vielleicht das Leben genommen.

Ärzte in Deutschland hielten Kim für „verrückt“

„Ich war fünf oder sechs, als ich meinen Eltern gesagt habe: Ich bin ein Mädchen. Und sie sagten sowas wie ‘Ja, das glauben wir auch’“, sagte Kim der „New York Times“. Ihre Mutter habe ihr gesagt, dass sie Hilfe in Anspruch nehmen kann, wenn sie alt genug sein werde. „Zu Hause durfte ich immer Kleider anziehen und das, was ich wollte“, sagte Kim in einem Interview der „Zeit“ über ihre Kindheit.

Ärzte hielten sie schlichtweg für „verrückt“, Mitschüler hänselten sie. Bis ein Psychologe gefunden war, der ihre Transsexualität erkannte und ernst nahm, brauchte es viele Anläufe.

„Ich bin von der Schule nach Hause gerannt und habe Musikvideos geschaut: Freddie Mercury, Cyndi Lauper, Britney Spears. Das war meine Flucht. So konnte ich vergessen, dass mich in der Schule fast alle hassten und dass ich im falschen Körper steckte“, sagte Kim der „Zeit“.

Geschlechtsangleichende Operation im Alter von 16 Jahren

Im Alter von zwölf Jahren begann Kim eine Hormontherapie, mit 16 wurde schließlich eine geschlechtsangleichende OP durchgeführt. Damit gilt sie als die weltweit jüngste Transsexuelle, die sich einer derartigen Operation unterzogen hat.

Ständiger Begleiter: die Musik. Die Mutter ist Tanzlehrerin und mag Jazz, der Vater spielt mehrere Instrumente und in vielen Bands. Mit 14 beginnt sie mit dem Songwriting. Immer genauer zeichnet sich ein großes Ziel ab: Popstar werden.

Doch in Deutschland, nachdem Kim erste Demotapes rumschickt, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Ein kleiner Vertrag, ein paar eher erfolglose Songs – mehr kommt in ihrem Heimatland nicht heraus. Also geht es mit 19 nach Los Angeles.

Kim komponierte für Fergie von den Black Eyed Peas

„Zu Beginn bin ich noch mit einem befristeten Touristenvisum eingereist. Ohne Geld, ohne Kontakte. Ich kannte keinen Menschen und war anfanglich sehr einsam. Selbst auf Partys war ich ein Outsider und fand erst langsam Anschluss. Ich schlief wahrend dieser Zeit auf den Couches der Studios, in denen ich tagsüber meine Stucke aufnahm“, sagte Kim der „Vogue“.

Durch einen glücklichen Zufall kommt es dazu, dass Kim einen Song für Fergie von den Black Eyed Peas komponieren darf. Der wird nie veröffentlicht, öffnet ihr aber die Tür. Mehrere Plattenfirmen haben plötzlich Interesse, mit 22 unterschreibt Kim bei BMG – und arbeitet auf einmal nicht mehr für Youtube oder für die Mülltonne, sondern für Rihanna.

Seit dem vergangenen Jahr hat Kim mit Larry Rudolph den Mann als Manager, der unter anderem auch Britney Spears, Christina Aguilera und Miley Cyrus herausbrachte. Angeblich laufen die Arbeiten an ihrem ersten Album intensiv.

„Ich bin für immer Teil der LGBT-Community“

Was man davon erwarten kann? Alles andere als eine knallige Pop-Platte wäre eine Überraschung – mit Songs, in denen sie ihre eigenen Erfahrungen verarbeitet und anderen Mut machen will.

„Die Musik hat alles Negative aus meinem Leben gelöscht. Wenn ich Songs schrieb, war es, als würde das alles nicht existieren. Ich hoffe, dass meine Musik das auch bei meinen Fans schafft. Deswegen mache ich solche Fun-Musik“, sagte Kim der „Zeit“.

Dass sie dabei immer auch als Botschafterin der Transsexuellen gesehen wird, stört sie nicht: „Ich bin für immer Teil der LGBT-Community und setze mich für sie ein“, sagt sie – allerdings nicht, ohne hinzuzufügen: „Mir ist es eigentlich egal, das erste Transgender-Teenie-Idol zu sein. Ich will vor allem bekannt sein als große Musikerin.“

(ba)