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Nach TV-Ausstrahlung von ARD-Doku: Polizei schaltet sich ein

Nach TV-Ausstrahlung von ARD-Doku: Polizei schaltet sich ein

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Foto: ZDF/Screenshot

Es ist ein Wort, mit dem man vorsichtig umgehen muss. Zu inflationär wird es gebraucht, erstickt zu oft den Diskurs im Keim.

Doch zu den Bildern, die jetzt in der ARD-Sendung „Kontraste“ zu sehen waren, ist es das einzig passende: unerträglich.

Pegida: Kein Bedauern wegen Mord an Walter Lübcke

Es ist schier kaum auszuhalten, was Pegida-Demonstranten dort offen in die Kamera sagen. Kaum zu ertragen, dass sie wirklich glauben, was sie da sagen.

Der ARD-Beitrag zeigt eine Demonstration von Pegida-Anhängern in Dresden, die Menschen schwenken Deutschlandfahnen und die Flagge der rechtsextremen Identitären Bewegung. Eine Stimme aus dem Off sagt: „Wir wollen herausfinden, ob hier ein Nachdenken einsetzt nach dem kaltblütigen Mord an Walter Lübcke.“ Spoiler: Es hat nicht eingesetzt – und es kommt noch viel, viel schlimmer.

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Der ehemalige Kassler Regierungspräsident Walter Lübcke ist am 2. Juni getötet worden, Rechtsextremist Setphan E. soll ihm in den Kopf geschossen haben. Jahrelang hatte es zuvor rechte Hetze gegen den CDU-Politiker gegeben. Die Reporterin fragt einen der Pegida-Demonstranten, ob er den Tod von Walter Lübcke bedaure. „Bedauern? Ich hab auch ein Geschäft, mich tut auch niemand bedauern, wenn’s schlecht läuft“, sagt der Mann.

Pegida-Demonstrant: Mord an Lübcke ist „menschliche Reaktion“

Ein anderer nennt den Mord an Walter Lübcke eine „menschliche Reaktion“. Die Reporterin hakt nach: „Der Mord an Walter Lübcke ist eine menschliche Reaktion?“ „Ja“, bekräftigt der Mann und zuckt die Achseln. „Wie es in den Wald reingerufen wird, so schallt es wieder raus“, findet er. Und fügt an: „Jeder ist anders, ich würd’s nicht machen.“ Immerhin.

AfD-Sympathisant: „Ich sehe Herrn Lübcke als Volksverräter“

Ein dritter Mann, mit AfD-Shirt und AfD-Bändchen um den Hals, sagt: „Ich sehe den Herrn Lübcke als Volksverräter.“ Ob er den Tod des Politikers bedaure, fragt ihn die Reporterin. „Nö, bedauern tu ich den nicht“, sagt er. Aber „in Ordnung“ finde er es auch nicht.

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Ein anderer Demonstrant sagt schlicht: Diese ganze Sache sei „Schwindel“. Von den „sozialen Medien“.

AfD-Mann Uwe Junde: Relativieren und Ausweichen

Ausweichen, Relativieren, Verharmlosen – und Leugnen. So sieht der Umgang mancher mit dem rechtsextremen Mordanschlag auf Walter Lübcke aus.

AfD-Mann Uwe Junge bewies das neulich erst in der Sendung „Hart aber fair“, als er in jedem Satz zum Mord an Lübcke ein „aber“ unterbrachte. Die Sätze, die Lübcke damals auf einer Bürgerversammlung gesagt habe, seien schon hart gewesen. Und er, Junge, sei ja auch mal angegriffen worden. (>> hier mehr zur umstrittenen Ausgabe von „Hart aber fair“ lesen)

Diese Argumentationsweise spiegelt sich auch bei der Pegida-Demo wider. Ein Demonstrant mit Deutschland-Schild über Schulter, erklärt: „Im Vergleich zur linksextremen Gefahr ist ein Mord, was weiß ich, alle zwei, drei Jahre aus irgendwelchen Hassgründen relativ normal.“

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Auf der Demo ist auch Pegida-Gründer Lutz Bachmann. „Was sagen Sie zum Mord an Lübcke“, fragt die Reporterin den Mann, der unter anderem wegen Drogenhandels und Volksverhetzung vorbestraft ist. Der befummelt irgendwas in seinen Händen, geht nicht auf die Frage ein, fragt seinerseits: „Haben Sie ne Schere?“ „Wollen Sie mich jetzt verarschen?“, fragt die Reporterin – und Bachmann sagt: „Sie haben doch angefangen damit.“ Mehr menschenverachtende Ignoranz ist kaum möglich.

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„In was für Zeiten leben wir?“

Die Pegida-Demos haben die Stimmungsmache und Hetze gegen Walter Lübcke seinerzeit mit angefacht. Jetzt schreibt ein Anhänger auf der Pegida-Seite: „Ein Müllsack wäre mir für den noch zu schade“.

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In den sozialen Medien sorgen die Szenen, die der Film zeigt, für Empörung. Unter dem Hashtag #niewieder schreibt etwa NRW-MInisterpräsident Armin Laschet: „In was für Zeiten leben wir, in denen vor laufender Kamera offen ein Mord gutgeheißen wird? Was muss in der Erziehung dieser Menschen falsch gelaufen sein, dass sie selbst im Tod nicht ihren Hass einstellen? Man erschaudert vor diesen Abgründen.“ In der Tat.

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Inzwischen hat sich die Polizei eingeschaltet. Bei Twitter kommentiert die Polizei Sachsen den ARD-Beitrag: „Wir haben die Dokumentation an den Staatsschutz der Polizeidirektion Dresden weitergeleitet. Die Kriminalisten werden gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Dresden eine rechtliche Würdigung durchführen. Auf Basis derer handeln wir dann.“