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Loveparade-Katastrophe war laut Gutachten „vorhersehbar“

17.02.2012 | 06:45 Uhr
Ein neues Gutachten kommt zu dem Schluss, dass der Tod von 21 Menschen bei der Loveparade vermeidbar gewesen wäre.Foto: Peter Malzbender/WAZ FotoPool

Duisburg.   Nach Ansicht des britischen Forschers Keith Still hätte es bei ordentlicher Planung keine 21 Toten bei der Loveparade geben müssen. Still sieht unter anderem die Beamten der Stadt Duisburg in der Verantwortung, die untaugliche Planungen zuließen.

Ein neues Gutachten bringt die Planer der Loveparade auf Seiten der Stadt Duisburg, der Veranstalter und der Polizei unter Druck. Das 21-Seiten starke Papier des englischen Forschers Keith Still gilt als eines der Schlüsselpapiere der Staatsanwaltschaft, um das Ermittlungsverfahren im Fall Loveparade abzuschließen. Das Gutachten liegt der WAZ vor.

Still forscht und unterrichtet über das Verhalten von Menschenmassen an der Bucking­hamshire New University nahe London. Er war für die Sicherheit der Besucher der königlichen Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton verantwortlich und hat ein neues Steuerungskonzept für die Wallfahrt nach Mekka mit mehr als drei Millionen Besuchern am Tag erdacht.

"Kein tauglicher Plan zur Steuerung der Massen"

In seinem Gutachten zur Katastrophe der Loveparade kommt Still zum Schluss, dass der Tod von 21 Menschen bei vorausschauender Planung vermeidbar gewesen wäre . Den Genehmigungsunterlagen der Party hätte kein tauglicher Plan zur Steuerung der Massen zu Grunde gelegen. Schon eine „primitive mathematische Analyse“ der Zu- und Abflussbewegungen der Loveparade-Besucher hätte gezeigt, dass die gesamten Planungen „schiefgehen“ mussten. So hätten die Planer sehen müssen, dass nach ihren Unterlagen in der Stoßzeit 145 000 Menschen die Tunnel und die Rampe passieren sollten. Dies hätte eine Mindestbreite des gesamten Eingangsbereiches von 29,5 Metern bedingt. Tatsächlich sei aber die schmalste Stelle auf der Rampe nur 10,6 Meter breit gewesen. Es hätten im besten Fall nur rund 52 000 Menschen den Engpass passieren können.

Gutachter: „Der Zusammenbruch dieses Systems war vorhersehbar.“

Weiter schreibt Still, dass die Situation auf der Rampe als zentraler Zugang zum Party-Gelände in der Realität nichts mit den Plänen zu tun gehabt hätte. Hindernisse auf der Rampe hätten den Ort in eine Falle verwandelt. Beispielsweise wäre ein eingestürzter Gullideckel nur notdürftig mit einem Absperrgitter überdeckt worden. Dies sei eine „gefährliche“ Stolperfalle gewesen. Die geplante Absperrung der Polizeiwagen am Rand der Rampe habe die Situation weiter verschärft. Der ohnehin zu schmale Aufgang auf das Festgelände sei wie bei einem Korsett abgeschnürt worden. Still schreibt: „Das Eingangssystem über Tunnel und Rampe war für jeden offensichtlich nicht in der Lage den Zu- und Abfluss der Besucher zu verkraften.“

Mangelhafte Planung und Überwachung

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Loveparade-Katastrophe

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Und Gutachter Still schreibt weiter: „Der Zusammenbruch dieses Systems war vorhersehbar.“ Er sieht die Personen in der Pflicht, die für die Einrichtung, Genehmigung und die Überwachung der Loveparade in Duisburg verantwortlich waren.

Dies waren zunächst die Planer auf Seiten des Veranstalters Lopavent, die für das mangelhafte Sicherheitskonzept verantwortlich zeichneten und die dringend benötigte Lautsprecher trotz Zusage nicht installieren ließen.

Wie Duisburg nach der Loveparade...

Still sieht aber auch die Beamten der Stadt in der Verantwortung , die untaugliche Planungen zuließen, keine eigenen Berechnungen anstellten, mangelhaften Gutachten vertrauten und die Kontrolle der Aufbauten am Eingang der Loveparade vernachlässigten.

Zuletzt richten sich die Vorwürfe an die Polizei, die das falsche Sicherheitskonzept nicht erkannte und im entscheidenden Augenblick ungenügend handelte.

 

David Schraven


Kommentare
21.02.2012
21:52
an rheinruhrbeobachter, WaddeHaddeDuddeDa
von Vergeltung | #39

Cebin, ein erfahrener Fachmann für Gefahrenabwehr? Der noch nicht mal wusste, dass Duisburg der Ndrangheta-Stützpunkt in NRW ist? Er war doch bis zu seiner Pensionierung im April 2010 an den Planungen beteiligt! Und hat vor allem eines nicht: REMONSTRIERT

Wenn es nicht nur für die Fachleute vorhersehbar war, für wen dann noch?

21.02.2012
21:38
Herr D.Schrawen
von Vergeltung | #38

Wenn Sie jedoch glauben, die Bauzäune hätte man nur so dort aufgestellt und die Polizeiwagen hätten dort ernsthaft für den Schlechtwetterfall gestanden, so irren Sie.
Die Verengung, nur möglich durch die Zäune, standen dort, damit es da sehr eng wird. Und Sie müssen und Ihre Kollegen sollten sich fragen, warum, wem diente das wofür?
Interessant auch die Frage, ob dort "HERMES" zum Einsatz kam. Los, klären Sie auf!

19.02.2012
18:43
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #37

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

1 Antwort
"Ansonsten wäre es wohl den Moderatoren schon aufgefallen. "
von wattearvolt | #37-1

Sie belieben zu scherzen , gelle ?

19.02.2012
17:19
Loveparade-Katastrophe war laut Gutachten „vorhersehbar“
von akaz | #36

Es bedurfte also eines Gutachten, dass die Katastrophe "vorhersebar" war?

Die Gutachter hätten nur mal die Artikel und die Kommentare vor dem 24. Juli 2010 lesen brauchen, da sind genug Stellungnahmen von Leuten, die die Gegebenheiten genau kennen.
Einer der vielen lehrreichen Artikel
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/loveparade/loveparade-wird-zum-tanz-auf-dem-drahtseil-id3293127.html
Über 100 Kommentare bis zum tragischen Ereignis, die mahnenden Stimmen überwiegen.
Und das nur bei diesem Artikel. Die Stadtverwaltung, vor allem die Führung hat das alles nicht zur Kenntnis nehmen wollen.

19.02.2012
17:16
Loveparade-Katastrophe war laut Gutachten „vorhersehbar“
von makoco | #35

3.16 Um 16:35 Uhr bereits Fluchtversuche zu allem, was Rettung verspricht (hier zu einer der Gittersäulen).

Keine ELA = keine Möglichkeit einzugreifen. Noch 30 Minuten.

3.15 Um 16:40 Uhr Rampe auf Unglückshöhe völlig überfüllt, Menschen in schweren Wellenbewegungen auf unebenem Boden.

Links Loch mit Gitterfalle. Links Treppe als Ausweg. Keine ELA. Keine Vorrangschaltung der Polizeihandys. Polizei versucht zu sperren. Von allen Seiten kommen Menschen (Rampe gleichzeitig Zu- und Abgang, Zustrom aus den Tunneln von zwei Seiten) ...

http://www.derwesten-recherche.org/wp-content/uploads/2012/02/Still-Gutachten.pdf

Es könnte dann so gewesen sein, dass um 17:00 Uhr die ersten in das Loch eingebrochen sind und die Schmerzschreie bei den anderen den endgültigen Fluchtreflex hin zur Treppe ausgelöst haben.

Als Laie sehe ich es so: die Schuldfrage dürfte mehrheitlich, vielleicht ausschließlich, im Vorfeld (alles vor 12:00 Uhr 24.7.) zu klären sein.

19.02.2012
14:47
Loveparade-Katastrophe war laut Gutachten „vorhersehbar“
von makoco | #34

@ Kikimurks

Zur Berechnung der Durchlassmöglichkeit ist ausschließlich das schmalste Maß der Engstelle ausschlaggebend, was auch logisch ist, da überall, wo es breiter ist, mehr Menschen durchpassen. Die engste Stelle war zwischen den beiden Zaun-Dreiecken, diese Dreiecke standen (siehe Google) schon lange vor dem 24. auf der Rampe. Und ja, dass man beim Versuch, eine immer lauter tickende Bombe zu entschärfen auch den falschen Draht durchschneiden kann ... keine Frage.

19.02.2012
13:55
Loveparade-Katastrophe war laut Gutachten „vorhersehbar“
von b.scheuert | #33

@kikimurks

1. Laut Gutachten war die Rampe sowieso zu schmal.Egal?
2. Da der Veranstalter keine Ordner hatte, waren die Sperren/Schleusen Glückssache. Egal?
3. Nachdem Cebin abgesägt wurde, hatte Sauerland-Marionette Schmeling das Sagen. Egal?
4. Wenn die Stadt Duisburg die Genehmigung erteilt, sollte sie die eigenen Auflagen auch prüfen, was nicht geschah.Egal?
5. Die Besprechungen gab es noch zu IM Wolfs Zeiten, da war die Sicherheit eh wurscht.

19.02.2012
13:01
@makoco
von kikimurks | #32

Ich muss Ihnen widersprechen. Die Polizei war zu jedem Zeitpunkt der Planung durch Spitzenkräfte der Duisburger und Düsseldorfer (Land) involviert. Nichts hat sie getan die Bombe zu entschärfen. Im Gegenteil dadurch, dass sie ihre Einsatzfahrzeuge auf der Rampe parkte, hat sie Sprengstoff zugeführt. Dadurch, dass sie die Sperren öffnete und die Rampe sperrte hat sie feuer an die Lunte gelegt.

1 Antwort
#32 kikimurks
von taosnm | #32-1

Wenn ich das richtig verstanden habe, war es ca. 4 Wochen vor der Veranstaltung Teil der Planung, dass die Polizeifahrzeuge auf der Rampe, abgesperrt durch Zäune parkten.

19.02.2012
10:21
Loveparade-Katastrophe war laut Gutachten „vorhersehbar“
von makoco | #31

Lopavent hat die Zeibombe gebaut, die Stadtverwaltung hat sie installiert und scharf gemacht, die Polizei hat versucht, sie zu entschärfen.

Wie man dem Gutachten von Prof. Still entnehmen kann, ist durchaus bekannt, dass es gerade in Zugangsbereichen zu tödlichen Paniken kommt, und auch, dass die Rampe schon anhander der einfachen Grundformel nie für solche Anzahlen geeignet war. Es was also für mit der Prüfung und Planung beauftragte Fachleute die über die nötigen Informationen verfügten vorhersehbar.

Am Tag der Veranstaltung kam zu tragen, dass viel zu viele Menschen für die Tunnel/Rampe-Ein-/Ausgangssituation geplant und genehmigt wurden, und obwohl man so viele durchließ immer noch hunderttausende draußen waren und natürlich auch rein wollten.

Konkrekt ist es dann wie zu erwarten war zu Beginn der Abschlusskundgebung um 17:00 Uhr passiert, weil auf der Rampe durch zu Dreiecken aufgestellte Zäune die Breite der Rampe auf 10m reduziert wurde, die Menschen zu der Treppe als einzige

1 Antwort
Loveparade-Katastrophe war laut Gutachten „vorhersehbar“
von makoco | #31-1

einzige Fluchtmöglichkeit wollten, und genau vor der Treppe die Falle schlechthin vorhanden war: Loch in Boden mit darüber gelegtem Bauzaun, der gleichzeitig als "Bärenfalle" dient, und verhindert, dass man das Loch sehen kann.

Von der Polizei hätte die Situation durch Durchsagen über die ELA entschärft werden können, wenn es die vorgeschriebene ELA gegeben hätte.

19.02.2012
00:51
@Stefan2
von Sempre | #30

niemand hat die Katastrophe vorausgesehen.
Leute haben ihre diffusen Ängste formuliert angesichts der ungeheuren Massen, die da angekündigt wurdne.

Niemand hat vorausgesehen, dass auf Höhe der Treppe der Druck so stark wurde, dass dies bei mehreren Besuchern zu tödlichen Verletzungen führte.
Niemand hat die Treppe auf dem Schirm gehabt, die letztendlich der Grund für die Massenpanik war. Alle, die nicht weit von der Treppe waren, wollten auf diese schmale Treppe.
Nirgendwo sonst auf der Rampe oder im Tunnel sind Menschen gestorben...

1 Antwort
Loveparade-Katastrophe war laut Gutachten „vorhersehbar“
von makoco | #30-1

Wenn sie eine Kette, die für 10 Tonnen ausgelegt wurde mit 100 Tonnen belasten können sie vorhersehen, dass die Kette versagen wird. Wo genau ist schwierig, aber nicht unmöglich, wann ist etwas einfacher, dann wenn sie die Last Richtung Maximum fahren, in Duisburg ab 17:00 Uhr (Beginn der Abschlusskundgebung) ...

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