Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Landwirtschaft

Wie Landwirte mit einer Bio-Gans 30 Euro Gewinn machen

05.10.2012 | 18:43 Uhr
Wie Landwirte mit einer Bio-Gans 30 Euro Gewinn machen
Gänsemarsch: Der Schwerter Landwirt Ralf Linneweber hält seit sieben Jahren Gänse auf seinem Hof.Foto: Matthias Graben

Schwerte.   Zwischen St. Martin und Weihnachten landet das gerupfte Federvieh oft auf dem Teller. Landwirt Ralf Linneweber macht einen Gewinn von 30 Euro pro Bio-Gans. Doch nur etwa 15 Prozent des in Deutschland verzehrten Gänsefleisches kommt auch aus dem Inland.

Noch watscheln und schnattern sie. Aber ihre Tage sind gezählt. Bald werden die Gänse von Ralf Linneweber auf Tellern landen. Zwischen St. Martin am 11. November und Weihnachten haben Bratgänse Hochsaison.

Seit sieben Jahren hält Linneweber Gänse auf den Weiden rund um seinen Hof in Schwerte. Diese Saison sind es rund 500. Selbst züchtet er sie nicht. Der Landwirt ist auf die Aufzucht spezialisiert, so machen es die meisten Bauern in der Region.

Linneweber kauft die Gänse Anfang Juni von einem Betrieb bei Osnabrück. Dann sind sie zwei Wochen alt. Neun Euro kostet ein Küken, Gössel genannt. Da die Gänse „bio“ sind, muss der Landwirt für sie mehr bezahlen als für konventionell gehaltene. Deren Preis schätzt Linneweber auf knapp fünf Euro.

Im Herbst wird geschlachtet

„Kleine Gössel sind sehr empfindlich“, sagt der Landwirt. Ihr Gefieder sei noch flauschig und weise kein Wasser ab. „Bei Regen können sie sich schnell erkälten“, so der 40-Jährige. Deshalb werden sie in den ersten Wochen in den Stall getrieben, wenn es regnet. Sind die Gänse aus dem Gröbsten raus, beginnt das Geschäft. Die Vögel sind tagsüber draußen auf der Wiese, fressen und wachsen – bis sie im Herbst geschlachtet werden. Ein Kilo Gras verdrückt eine Gans am Tag bis sie nach 20 bis 22 Wochen schlachtreif ist.

Rund 56.000 Gänse wurden laut dem Branchendienst „Marktinfo Eier und Geflügel“ zuletzt in NRW gehalten. Seit 2010 werden für die Statistik allerdings nur noch Betriebe befragt, die mindestens 1000 Gänse halten, so dass die Gesamtzahl um einiges höher sein dürfte. Jedoch werden immer weniger Gänse in NRW gezüchtet: Vor zehn Jahren wurden auf den Weiden an Rhein und Ruhr noch 100.000 Stück gezählt.

Billiggänse aus Osteuropa

Etwa 15 Prozent des in Deutschland verzehrten Gänsefleisches kommt auch aus dem Inland. Viele Gänse werden aus Osteuropa importiert – hauptsächlich aus Polen und Ungarn. Häufig stammen tiefgefrorene Gänse, die man in den Tiefkühlregalen der Supermärkte findet, aus diesen Ländern. Wegen niedrigerer Lohn- und Produktionskosten sind sie wesentlich günstiger als deutsche Gänse.

Bio-Essen
Fünf Wahrheiten über die Bio-Branche

Schockierende TV-Bilder von gequälten Legehennen und auf engstem Raum und eingepferchten Schweinen bringen die Bio-Branche in Verruf. Verbraucher sind verunsichert und fragen sich, ob die ökologische Landwirtschaft ihrem Ruf gerecht wird. Experten fordern strengere Regeln.

2011 kostete die so genannte Frostware 4,58 Euro pro Kilo. Frische Gänse sind mindestens doppelt so teuer. Vergangene Saison lagen die Verbraucherpreise für Gänse im Einzelhandel zwischen 9,90 und 13,70 Euro pro Kilo. Am meisten können Landwirte für ihre Gänse bekommen, wenn sie diese direkt vermarkten. So wie Ralf Linneweber. Rund 100 seiner 500 Gänse reserviert er für Kunden, die vorbestellen. Manche Kunden machen das schon im Sommer. Der Rest landet mit Knödeln und Rotkohl auf den Tellern der Gäste in seinem Landgasthof neben dem Hof. 16,90 Euro pro Kilo kostet die Bio-Gans bei ihm im Laden. Bei durchschnittlich vier Kilo Gewicht kann er so 68 Euro erzielen.

Landwirt profitiert von Nachfrage nach Bio-Produkten

Das bedeutet aber nicht, dass er einen Gewinn von 59 Euro macht, wenn man den Kaufpreis von neun Euro für ein Gössel abzieht. Linneweber schätzt allein die Futterkosten für seine 500 Gänse auf 6500 Euro. Zusätzlich zum Gras fressen sie gemahlenes Getreide. Dazu kommen noch Löhne, Ausgaben für Geräte und Stall oder Kosten für die Schlachtung in einem Fröndenberger Betrieb.

Insgesamt 28 Euro investiert Linneweber in eine Gans. Am Ende bleiben etwa 30 Euro übrig. „Gutes Geld“, so der Landwirt. Er profitiert von der großen Nachfrage nach Bio-Produkten. „Die Leute wollen wissen, wo’s herkommt“, sagt er. Bis zur Schlachtung können sich die Kunden das selbst anschauen. So lange schnattern die Gänse auf der Weide nebenan.

Katharina Klöber



Kommentare
08.10.2012
16:29
Wie Landwirte mit einer Bio-Gans 30 Euro Gewinn machen
von ellerw1 | #3

#1 was für eine Aussage. Ein jeder dürfte mitbekommen haben, wie die Arbeiter bei Foxconn behandelt werden. Und das sind keine Tiere, das sind Menschen. Also, Anstand walten lassen.

08.10.2012
14:02
Wie Landwirte mit einer Bio-Gans 30 Euro Gewinn machen
von Funakoshi | #2

Na, da dürfte sich ja Jemand über die kostenlose Werbung freuen!!!

07.10.2012
12:58
Wie Landwirte mit einer Bio-Gans 40 Euro Gewinn machen
von Kritiker90 | #1

Die besten Gänse sind deutsche Gänse, auch wenn sie das Doppelte kosten. Qualität hat eben ihren Preis.
Keulen von polnischen Gänsen kann man auch essen.
Wer ein bisschen Anstand hat, sollte die Finger von ungarischen Gänsen weg lassen. Dort werden sie regelrecht gequält: bei lebendigem Leib gerupft (bringt mehr Geld) und wie in Frankreich, gestopft.

3 Antworten
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Wie Landwirte mit einer Bio-Gans 40 Euro Gewinn machen
von Spannung | #1-2

Affenhirn soll auch eine hervorragend schmeckende Delikatesse sein...

Wie Landwirte mit einer Bio-Gans 40 Euro Gewinn machen
von Ex-Leser | #1-3

Stimmt, dann könnte Donjose wenigstens eine Art von Hirn vorweisen.

Auch wenn dieses sich nur in seinem/ihren Magen auffindbar ist.


Aus dem Ressort
Apple-Chef Tim Cook: "Ich bin schwul und stolz darauf"
Coming-Out
Apple-Chef Tim Cook hat sich als homosexuell geoutet. "Ich bin stolz, schwul zu sein", schrieb der 53-Jährige in einem Beitrag für das amerikanische Wirtschaftsmagazin "Businessweek". Viele Kollegen bei Apple wüssten das bereits, schrieb Cook. Er hoffe, dass sein Schritt anderen helfen könne.
Heißen soll Energie-Pilotquartier fürs Ruhrgebiet werden
Stadtentwicklung
Mülheim-Heißen soll Energie-Pilotquartier für das Ruhrgebiet werden. Die Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr will im Viertel zwischen Bahnlinie und Hingbergstraße Erkenntnisse gewinnen, wie energetische Gebäudesanierungen vorangetrieben werden können. Das Vorhaben ist auf vier Monate angesetzt.
Lufthansa weiter vom Kurs ab - Prognose erneut kassiert
Luftfahrtunternehmen
Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat die Lufthansa ihr Gewinnziel für 2015 gekappt. Ob der Plan wenigstens für dieses Jahr aufgeht, hängt an den streikfreudigen Piloten. Deren zahlreiche Ausstände dieses Jahr hätten bisher rund 170 Millionen Euro gekostet.
Wut in der GDL - Weselsky "will nur sein Ego befriedigen"
Streik
Nicht alle Mitglieder der Lokführer-Gewerkschaft GDL wollen der harten Linie ihres Chefs Claus Weselsky folgen. In der Gewerkschaft herrsche ein Klima der Angst, sagen sie und fordern den streitbaren Gewerkschaftsboss auf, von seiner kompromisslosen Haltung im Tarifkonflikt mit der Bahn abzurücken.
Herbstaufschwung lässt Arbeitslosenzahl weiter sinken
Quoten
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Oktober um 75.000 auf 2.733.000 gesunken. Das sind 68.000 weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 6,3 Prozent.
Umfrage
Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet . Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?

Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet. Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?