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Verspätungshinweise werden Pflicht - Bahn muss 1900 Bahnhöfe nachrüsten

04.03.2013 | 19:01 Uhr
Verspätungshinweise werden Pflicht - Bahn muss 1900 Bahnhöfe nachrüsten
"Dynamische Schriftanzeiger" wie hier in Wattenscheid müssen jetzt an allen Bahnhöfen installiert werden.Foto: Ingo Otto

Essen.   Auf die Deutsche Bahn kommen nach einem Gerichtsurteil Millionen-Ausgaben zu. Kölner Verwaltungsrichter zwingen die Bahn, auch die 1900 kleineren Bahnhöfe mit Informationsanzeigern nachzurüsten. Außerdem muss das Staatsunternehmen auch bei Verspätung von Privatbahnen zahlen.

Das Kölner Verwaltungsgericht hat die Rechte der Bahnreisenden deutlich gestärkt. Die Deutsche Bahn AG muss ihren Kundenservice bei Verspätungen massiv ausweiten und wird dafür auch mehrere Millionen Euro in die Hand nehmen müssen.

Das Gericht hat den Staatskonzern verpflichtet, innerhalb von 18 Monaten 1900 kleine Stationen – das ist ein Drittel aller deutschen Bahnhöfe – entweder mit personalkostenintensiven Lautsprecheranlagen oder mit so genannten „dynamischen Schriftanzeigern“ auszustatten. Dazu zählen die Richter auch Haltepunkte mit weniger als 100 Kunden pro Tag. Die elektronischen Anzeigetafeln übermitteln Fahrgästen aktuelle Verspätungshinweise.

Alleine in NRW müssen 300 Bahnhöfe nachgerüstet werden

In dem Urteil heißt es, die Bahn müsse Fahrgäste „aktiv“ über Ausfälle und Verspätungen informieren. Danach reicht das bloße Anbringen von Plakaten mit Telefonnummern, unter denen sich Reisende bei Ausbleiben des Zuges informieren kann, nicht aus. Das ist bei einem Großteil der Haltepunkte aber heute durchaus Realität.

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Alleine in Nordrhein-Westfalen müssen jetzt mehr als 300 Bahnhöfe nachgerüstet werden. Torsten Nehring, Sprecher der Bahn in NRW, sagte der WAZ Mediengruppe: „Bis Ende 2015 erhalten fast alle Bahnhöfe bis auf wenige Ausnahmen die akustische oder optische Reisenden-Info“. Im Endzustand seien dann 525 Stationen an Rhein und Ruhr so ausgestattet.

Nachrüstung kostet pro Anlage 6000 bis 8000 Euro

Die Nachrüstung kostet pro Anlage 6000 bis 8000 Euro. Allerdings will die Bahn die Verpflichtung zum Ausbau der Systeme auch auf kleinsten Bahnhöfen mit nur wenigen Zügen am Tag in einer zweiten Instanz klären lassen.

Mit den Urteilen des Kölner Verwaltungsgerichts (Aktenzeichen 18 L 102/13 und 18K 4907/11) hat sich das Eisenbahnbundesamt gegen den Staatsbetrieb durchgesetzt, der die Durchführung einer Anordnung zunächst verweigert hatte. Das Bundesamt war im Jahr 2010 bei einer Prüfung der schleswig-holsteinischen Bahnhöfe Lensahn und Großenbrode auf die mangelhafte Ausstattung mit den Informationssystemen gestoßen und hatte anschließend die Prüfung auf die ganze Republik ausgeweitet.

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Bahn muss auch bei Verspätung von Privaten zahlen

In einem zweiten Urteil desselben Gerichts wird die Bahn verpflichtet, Kunden Schadenersatz bei Verspätungen auch dann zu erstatten, wenn die Verspätung bei der Benutzung eines Privatbahnzuges entstanden ist. Das Verwaltungsgericht hat klargestellt, dass das Unternehmen, bei dem der Reisende sein Ticket kauft, auch für die Leistung haftet. Der Reisende müsse nicht mühsam ermitteln, mit welchem Unternehmen er gefahren und wo die Verspätung genau aufgetreten sei.

Seit 2009 gilt, dass Fahrgäste einen Anspruch auf ein Viertel des Fahrpreises haben, wenn ihr Zug mehr als eine Stunde Verspätung hat. Bei zwei Stunden gibt es die Hälfte zurück. Entscheidend ist laut Gesetz die Ankunftszeit am Zielort.

Dietmar Seher



Kommentare
06.03.2013
19:31
Verspätungshinweise werden Pflicht - Bahn muss 1900 Bahnhöfe nachrüsten
von Taraban | #14

Wäre Besser das Geld für die aufrüstung der Bahnhöfe in Mitarbeiter zu investieren, das würden sich auch sicher der großteil der Verspätungen erübrigen.

05.03.2013
21:53
Verspätungshinweise werden Pflicht - Bahn muss 1900 Bahnhöfe nachrüsten
von amo17 | #13

8000 € * 1900 16 Mio €.
Das Wievielfache wird in S21 verbuddelt?

05.03.2013
20:28
Verspätungshinweise werden Pflicht - Bahn muss 1900 Bahnhöfe nachrüsten
von ulrics | #12

Nach meinen Erfahrungen informiert die Bahn, selbst wenn die Technik vorhanden ist extrem schlecht.

Über Zugverspätungen wird erst spät informiert. Da nützt auch eine Anzeigetafel nichts, welche nur den aktuellen Zug anzeigt aber nicht den Nachfolgenden, den man nehmen muss.

Wenn man dann informiert wird ist es zu spät für Alternativen.

Die Lautsprecherdurchsagen erfolgen teilweise, wenn gerade ein Zug durchfährt, wodurch man nichts versteht. Es reicht also nicht einfach etwas ins Mikrofon zu sagen, sondern die Menschen auf dem Bahnsteig müssen es auch Verstehen.

05.03.2013
16:30
Verspätungshinweise werden Pflicht - Bahn muss 1900 Bahnhöfe nachrüsten
von Westwind | #11

Jetzt, wo der Vorstand der DB AG auf Geheiß unserer "Verkehr(t)sministerin" Merkel Unsummen beim Projekt Stuttgart21 verbrennen darf, hat man andere Interessen, als lästige Kunden zu informieren, dass man mal wieder unfähig ist, diese (pünktlich) zu befördern...Nicht vergessen: Am 22. 9. ist Wahltag!

05.03.2013
13:03
Verspätungshinweise werden Pflicht - Bahn muss 1900 Bahnhöfe nachrüsten
von bloss-keine-Katsche | #10

toll, ein gutes Urteil für die Bahn,
die Reisenden fänden es besser, wenn die Bahn pünktlich, regemäßig, ... und häufiger käme!

05.03.2013
11:20
Verspätungshinweise werden Pflicht - Bahn muss 1900 Bahnhöfe nachrüsten
von buzzie | #9

Ein gutes Urteil.
Gleichzeitig könnte die Bahn ihre Bahnhöfe endlich mal behindertengerecht umbauen. Bestes Beispiel: Der HBF Dortmund. Da wurde für satte 23 Millionen renoviert. Doch die meisten Bahnsteige sind für Gehbehinderte und Kinderwagen immer noch nicht selbständig erreichbar.

05.03.2013
11:06
Verspätungshinweise werden Pflicht - Bahn muss 1900 Bahnhöfe nachrüsten
von zool | #8

Ist doch billig weggekommen die Bahn. Stellt Euch mal vor sie müsste was gegen die Verspätungen tun. Was das gekostet hätte.

05.03.2013
10:07
Verspätungshinweise werden Pflicht - Bahn muss 1900 Bahnhöfe nachrüsten
von WATsollDAT | #7

Die Nachrüstung der Bahnhöfe wird die Bahn und somit auch der VRR, VRS etc. auf die Ticketpreise im Nahverkehr umlegen.
Die Informationen sind aber auch erst sinnvoll, wenn die Bahn ihre Fahrgäste zeitig informiert und nicht erst dann, wenn der Zug eigentlich hätte abahren sollen. Im Internet erhält man die Infos auch im Voraus.
Das Bild über dem Artikel ist meiner Meinung nach irreführend - handelt es sich nicht um die einzeiligen Informationssysteme, die an den Haltepunkten nachgerüstet werden sollen? In Steele wie bereits erwähnt gibt es zumindest noch die alten Anzeiger, da wäre die Neue Technik auch mal angesagt.
Anstatt das nicht vollständige Fahrgastinformationssystem auszubauen, sollten einige Bahnhöfe erstmal barrierefrei zugänglich gemacht werden (u.a. Wattenscheid).
Einige Fahrgäste können sich notfalls die Infos per Smartphone holen, die jenigen, die den Bahnhof/Haltepunkt erst gar nicht betreten können haben von einer Nachrüstung erstmal nichts.

05.03.2013
10:02
Verspätungshinweise werden Pflicht - Bahn muss 1900 Bahnhöfe nachrüsten
von Wurzelputz | #6

@raimont #5

"Die Bahn wird sich die entstehenden Kosten natürlich beim Kunden wiederholen, wo denn auch sonst!?"

Natürlich, das sind doch die Vandalen, die meinen, fremdes Eigentum zu zerstören, zu beschmutzen, zu verschmieren und mit Kapuze über dem Kopf verschwinden.
Und wer zahlts? Doch kein Förderer oder Sponsor und doch wohl auch nicht die Allgemeinheit?? Wenn mir jemand in mein Auto tritt oder es anzündet, schaue ich auch in die Röhre.

05.03.2013
09:21
Der Kunde zahlt
von raimont | #5

Das die Bahn nun kleinere Bahnhöfe oder Haltepunkte mit elektronischen Anzeigern nachrüsten muss, klingt zunächst einmal gut.
Bei näherer Betrachtung jedoch wird die gerichtlich angeordnete Nachrüstung Probleme mit sich bringen. Ich spreche dabei von den Folgekosten, die auf die Bahn zukommen werden. Insbesondere die Instandhaltungskosten, bzw. die Kosten, die durch Vandalismus entstehen. Jeder der mit der Bahn fährt, der weis, wie es häufig z.B. auf kleineren Bahnhöfen aussieht. Zerstörte Schaukästen, Lautspreche, Uhren, beschädigte Fahrausweisautomaten, vollgeschmierte Wände usw.
Es ist deshalb stark anzunehmen, dass den nun geforderten Anzeigern kein langes Leben beschert sein wird. Die Bahn wird sich die entstehenden Kosten natürlich beim Kunden wiederholen, wo denn auch sonst!?

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