Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Trinkwasser

Sicheres Trinkwasser - Die Ruhr-Wasserwerke rüsten nach

08.05.2012 | 18:31 Uhr
Sicheres Trinkwasser - Die Ruhr-Wasserwerke rüsten nach
Modernisierungswelle: Ein Dutzend Wasserwerke an der der Ruhr sollen auf den neuesten Stand gebracht werden. Foto: dapd

Essen.   NRW-Umweltminister Remmel einigt sich nach langem Streit mit den Versorgern über die Moderniseierung der Wasserwerke. Die Unternehmen wollen in den nächsten Jahren mehr als 150 Millionen Euro investieren. Der Preis für die Verbraucher: Die Wasserrechnung der Haushalte wird steigen.

Das Trinkwasser für über vier Millionen Menschen entlang der Ruhr soll sicherer werden. Nach langem Streit hat sich die Landesregierung mit den Wasserversorgern auf einen neuen Zeitplan für die Modernisierung der Wasserwerke geeinigt. Bis spätestens Ende 2018 werden an der mittleren Ruhr im Bereich von Essen bis Dortmund 13 Werke mit neuer Technik ausgestattet. Die Versorger investieren über 150 Millionen Euro und können die Kosten auf den Wasserpreis umlegen. Für eine vierköpfige Familie, so Schätzungen, könnte die Jahresrechnung um zehn bis 20 Euro steigen.

Diese Technik kommt:

In den Wasserwerken an der mittleren Ruhr wird ein mehrstufiges Sicherheitssystem installiert. Laut NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) werden alle Aufbereitungsanlagen bis 2014 mit UV-Desinfektionsanlagen ausgerüstet sein. Sie sollen Krankheitserreger oder Keime eliminieren. Hinzu kommen Ozonierungsanlagen und neue Aktivkohlefilter, die Mikroschadstoffe (Arzneimittelreste, Chemikalien, Pestizide) entfernen können.

Am Ende der Millionen-Sanierung sollen alle 30 Wasserwerke der Ruhr auf dem neuesten Stand der Technik sein. Wissenschaftler haben das seit Jahren gefordert. In der Ruhr wurden bislang über 370 Spurenschadstoffe nachgewiesen – Hormone, Antibiotika, Schmerzmittel oder Flammschutzmittel. Täglich fließen über Kläranlagen die Abwässer von mehr als zwei Millionen Menschen sowie aus der Industrie in den Fluss.

Das ist der Zeitplan:

Die Nachrüstungen finden schrittweise statt. Von den insgesamt 17 Wasserwerken sollen acht bis Ende 2015 „ertüchtigt“ sein, so das Umweltministerium. Das letzte und von der Wassermenge her das größte Werk, Halingen, wäre laut Plan erst Ende 2018 modernisiert. „Der Plan ist immer noch sehr ehrgeizig“, sagte Bernhard Hörsgen, Vorstand des Versorgers Gelsenwasser. Auf das Unternehmen entfällt der größte Teil der Modernisierung.

Im Ringen um die Nachrüstungen haben die Wasserversorger damit längere Fristen durchgesetzt. Sie argumentieren, dass die Versorgungssicherheit nur bei schrittweiser Sanierung gewährleistet sei. Auch führe die erforderliche europaweite Ausschreibung der Projekte zu Verzögerungen. Minister Remmel hatte diese Behauptungen von einem Gutachterbüro prüfen lassen. Sie gaben der Wasserwirtschaft recht.

Das sind die Knackpunkte:

Die Modernisierung der Wasserwerke hat ein Nadelöhr: Es mangelt an Fachjuristen, die in den kommenden Monaten neue Verträge entwerfen müssen. Die Versorger haben akzeptiert, für jedes ihrer Werke ein neues Wasserrecht zu beantragen. Die Landesregierung will so Rechtsstreitigkeiten vermeiden. Die Wasserwirtschaft erwartet, dass die neuen Genehmigungen zeitnah erteilt werden. „Erst dann fallen Investitionsentscheidungen“, so Gelsenwasser-Vorstand Hörsgen. Das Problem: Wegen des Spardrucks im Haushalt sind viele Juristenstellen des Landes unbesetzt.

Weiterer Knackpunkt: Unklar ist, wie hoch der Wasserpreis steigt, wenn die Investitionen umgelegt werden. Gelsenwasser schätzt, dass die Jahresrechnung einer vierköpfigen Familie um bis zu 20 Euro steigt. Umweltminister Remmel will die Kalkulation nachprüfen: „Das ist kein Freibrief für beliebige Erhöhungen.“

Jürgen Polzin


Kommentare
09.05.2012
14:17
Sicheres Trinkwasser - Die Ruhr-Wasserwerke rüsten nach
von Matthias.s | #2

Kaum muss Geld investiert werden steigen direkt die Preise wie wäre es wenn die Jahrelang hohen Gewinne mal investiert werden.

09.05.2012
09:25
Sicheres Trinkwasser - Die Ruhr-Wasserwerke rüsten nach
von Meinemal | #1

Das bestimmte Stoffe, wie Arzneimittel, Antibiotika, Hormone, Pestizide, mit den herkömmlichen Abwassertechniken nicht aus dem Trinkwasser entfernt werden können, weiß man schon seit 20-30 Jahren. D.h., wir Wasserverbraucher haben seit dieser Zeit einen "Gifttrank" von aufbereitetem Wasser trinken dürfen. Jetzt sollen wir für die Einführung neuer Abwassertechniken mehr Wassergebühren zahlen. Frage: Wo bleibt das Schmerzensgeld bzw. die Entschädigungszahlungen für den Normalwasserverbraucher, da die Wasserversorger uns mit einer "vergifteten" Wasserbrühe versorgt haben, obwohl neue Abwassertechniken schon seit Jahren zur Verfügung standen? Man fühlt sich verdummt!

Aus dem Ressort
Nach Verlustjahren wieder Plus bei Peugeot Citroën
Autobauer
Einen großen Beitrag zur Erholung beim Autobauer PSA Peugeot Citroën leistete die Autosparte. Hier lag der Gewinn bei 7 Millionen Euro. Insgesamt machte der Autobauer im ersten Halbjahr 2014 einen Gewinn von 477 Millionen Euro vor Sonderposten.
Kunden wollen den individuellen Einkaufswagen
Discounter
Einkaufswagen müssen heutzutage nicht nur effizient sein, sondern auch hübsch, wendig und passend für jeden Verbraucher. Die Hersteller-Firma Wanzl aus Schwaben weiß, warum der Markt in Europa so umkämpft ist - und nennt Zukunftsprobleme.
Nach der Besetzung - Zukunft des Thyssen-Krupp-Hauses unklar
Hausbesetzer
Ohne Gewalt ging die Besetzung des ehemaligen Thyssen-Krupp-Gebäudes an der Frohnhauser Straße am Montagabend zu Ende. 16 Männer und Frauen hatten für mehr Freiräume für Kunst und Soziales demonstriert. Was das Unternehmen mit dem Haus plant, ist noch ungewiss
Kurz vor Fusion - E-Plus lässt Telefónica alt aussehen
Telefonkonzern
Höhere Kundenzahlen und ein starkes Datengeschäft lassen den drittgrößten deutschen Mobilfunkbetreiber E-Plus mit starken Zahlen in den Zusammenschluss mit Telefónica Deutschland im Herbst gehen. Telefónica blieb hingegen in den roten Zahlen.
Bäcker Stauffenberg muss Ex-Mitarbeiterin wieder einstellen
Arbeitsgericht
Erneut klagte eine ehemalige Mitarbeiterin vor dem Arbeitsgericht erfolgreich gegen ihre Kündigung durch die in finanzielle Schieflage geratene Großbäckerei Stauffenberg. Der Arbeitgeber muss sie nun weiterhin beschäftigen. Die Portioniererin erhält nun ihr gesamtes Gehalt seit Februar zurück.
Umfrage
Neue Runde in der Affäre Schavan: Norbert Lammert sagt seine Rede an der Uni Düsseldorf ab. Ist das angemessen als Bundestagspräsident?

Neue Runde in der Affäre Schavan: Norbert Lammert sagt seine Rede an der Uni Düsseldorf ab. Ist das angemessen als Bundestagspräsident?