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Letzte Schicht am Niederrhein - Bergwerk in Kamp-Lintfort stellt Betrieb ein

17.12.2012 | 18:07 Uhr
Die RAG stellt sich auf "ein schwieriges Jahr 2013" ein.Foto: NRZ

Kamp-Lintfort.   Die Bergbautradition am Niederrhein endet nach über 150 Jahren mit Schließung des Bergwerks in Kamp-Lintfort. Bundesweit müssen 3100 Bergleute zwischen 2012 und 2018 ihre Arbeitsplätze wechseln.

Nach dem Saarland nimmt mit dem Niederrhein eine weitere Bergbauregion in Deutschland Abschied von ihrer letzten Zeche. Wenige Tage vor Weihnachten, am 21. Dezember, stellt das Bergwerk West in Kamp-Lintfort seinen Betrieb ein. Danach gibt es bundesweit nur noch drei Steinkohlenbergwerke – die Zechen Auguste Victoria in Marl, Prosper-Haniel in Bottrop und die die Zeche Ibbenbüren im Münsterland. Bereits seit Mitte des Jahres ist der Bergbau an der Saar Geschichte.

Für den Niederrhein ist die Stilllegung der letzten verbliebenen Zeche der Region ein tiefer Einschnitt. Seit gut einhundert Jahren hat allein dieses Bergwerk die Stadt Kamp-Lintfort geprägt.

Zuletzt gab die Zeche rund 1560 Beschäftigten Arbeit, zu Jahresbeginn waren es noch mehr als 2300 Mitarbeiter. Das Bergwerksgelände ragt direkt bis an die Innenstadt heran. Zur letzten Schicht des Bergwerks West werden unter anderem NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis (IG BCE) in Kamp-Lintfort erwartet.

Ende 2018 laufen Subventionen für deutsche Zechen aus

Die Ministerpräsidentin zeigt sich optimistisch. „Wir in NRW sind mit dem Strukturwandel vertraut“, sagt sie. „Wir haben gelernt, damit umzugehen, die Chancen, die sich hieraus ergeben, zu ergreifen und mit Tatkraft und Mut neue Wege zu gehen.“

Masterplan Bergwerk West, 5. Arena

Ein parteiübergreifender Kompromiss sieht vor, dass Ende 2018 die staatlichen Subventionen für die deutschen Zechen beendet werden. Der Herner Zechenbetreiber RAG soll den Kohleausstieg ohne betriebsbedingte Kündigungen in die Tat umsetzen. Das Vorhaben sei „kein Selbstläufer“, betont RAG-Chef Bernd Tönjes. Es sei geplant, dass 3100 Bergleute in den Jahren 2012 bis 2018 ihre Arbeitsplätze wechseln müssen. 2800 Mitarbeitern steht das noch bevor. Die RAG stelle sich auf „ein schwieriges Jahr 2013“ ein, sagt Tönjes.

Auch aus Sicht von IG BCE-Chef Michael Vassiliadis haben die Mitarbeiter einen Kraftakt zu meistern. „Die Bergleute verdienen Respekt“, sagt er. „Sie sind vertragstreu, zuverlässig und erfüllen ihre Verpflichtungen. In dieser schwierigen Situation ist das nicht selbstverständlich.“

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Kommentare
22.12.2012
23:22
Letzte Schicht am Niederrhein - Bergwerk in Kamp-Lintfort stellt Betrieb ein
von maggiet | #22

es wird mir immer schleierhaft bleiben, warum um den Bergbau so ein Bohei gemacht wird. Woanders werden auch Werke dichtgemacht und Tausende entlassen, da kräht kein Hahn nach. Die Kumpel konnten sich Jahre lang drauf einstellen, den Luxus haben Arbeitnehmer in anderen Branchen nicht.

Cheers
Maggie

22.12.2012
08:55
Letzte Schicht am Niederrhein - Bergwerk in Kamp-Lintfort stellt Betrieb ein
von KnappenvereinBorussia | #21

Die Fehler von heute werden wir morgen bereuen……..
Darum ist es so wichtiger das wir die Tradition des Bergbaus die unserer Region so geprägt hat hoch halten. Die Knappen-Vereine werden die Tradition des Bergbaus weiter geben an unsere Kinder….
Weitere Infos auch gerne auf unserer HP: http://www.knappenverein-borussia.de
Bis dahin Glückauf

21.12.2012
18:38
Letzte Schicht am Niederrhein - Bergwerk in Kamp-Lintfort stellt Betrieb ein
von RennYuppieRenn | #20

Bloß keine Bergmann Folklore mehr. Genug Löcher in der Erde.

21.12.2012
17:15
Letzte Schicht am Niederrhein - Bergwerk in Kamp-Lintfort stellt Betrieb ein
von woelly | #19

Leider 30 Jahre zu spät! Der Strukturwandel wird mit der Globalisierung immer schwieriger.

21.12.2012
15:58
Großer Fehler! = Letzte Schicht am Niederrhein - Bergwerk in Kamp-Lintfort stellt Betrieb ein
von AuroraBorealis | #18

Nach und nach wird eine Zeche nach der anderen stillgelegt.
Man läßt die Schächte verfallen...absaufen...für die Zukunft unpassierbar werden.

In 10 - 15 Jahren werden die Stimmen wieder lauter werden, die eine Rückbesinnung auf heimische Kohle bejahen.
Früher wurden Ölsande von niemandem beachtet, lohnt sich nicht, hieß es bis vor kurzer Zeit.
Nun aber sind selbst diese Öl-Sandgemische so interessant geworden, dass sich China ein riesengroßes Ölsandgebiet in Kanada gesichert hat.
Wir werden es noch sehr bereuen, dass wir unsere Energiereserven für immer verschütt gehen lassen werden.

Zechen dürfen nicht stillgelegt werden, sie müssen erhalten bleiben.
Auch wenn sie im Jetzt und Heute keinen Gewinn abwerfen, doch schon in naher Zukunft würde sich aufgrund der weltweiten Energieknappheit wieder rentieren.
Bis dahin kann man die Zechen für junge, männliche Arbeitslose als Abreaktionsfeld für ihre überschüssigen Kräfte nutzen.
Ein 8-Std-Tag unter Tage wird für weniger Kriminalität sorgen

2 Antworten
Letzte Schicht am Niederrhein - Bergwerk in Kamp-Lintfort stellt Betrieb ein
von xxyz | #18-1

Also Abenteuerspielplätze kann man günstiger haben.

Es ist aber sicherlich richtig, dass das viele "Abhängen" zu dummen Gedanken führt.

Eine Energieknappheit sehe ich nicht.

#18
von weihnachtsmann78 | #18-2

Ausgerechnet Sie wollen die armen Arbeitslosen unter Tage schicken - nicht zur Arbeit sondern zum Abreagieren?
Wie wärs mit Nachdenken vor dem Schreiben?
Sie können sich auch mit den bergbaugeschädigten Bürgern unterhalten, die mit den Folgen des Bergbaus kämpfen (!!!). Oder sie schicken ihre jungen männlichen Arbeitslosen los die aufgrund des Bergbaus ständig zu reparierenden Strassen zu reparieren oder die Grünflächenämter bei der Pflege der öffentlichen Grünanlagen zu unterstützen oder.....

Kriminalitätsbekämpfung unter Tage? - schicken wir am besten junge Straffällige unter Tage - und sie spielen Aufpasser unter Tage?

Vielleicht bewerben sich Ihre Arbeitslosen bei den Chinesen wg Arbeit - fraglich, ob die jungen Arbeitslosen mit dem angebotenen Lohn zufrieden wären - schließlich wollen auch die Chinesen Gewinn erzielen.

21.12.2012
13:38
Kohle scheffeln
von wohlzufrieden | #17

Die Leute sind im Handumdrehen zu Investmentbankern ausgebildet. Schließlich bewegen sich beide Berufsarten ja in der Unterwelt...

2 Antworten
Letzte Schicht am Niederrhein - Bergwerk in Kamp-Lintfort stellt Betrieb ein
von steckritzel | #17-1

Das wird nicht möglich sein, denn wie heißt es noch in der siebten Strophe des Steigerliedes: ......die Bergleut sein kreuzbrave Leut.....!

und Sie
von weihnachtsmann78 | #17-2

werden der erste Kunde?

Mit Ihren unterirdischen Sprüchen sind Sie dafür prädestiniert.

21.12.2012
13:38
Letzte Schicht am Niederrhein - Bergwerk in Kamp-Lintfort stellt Betrieb ein
von revox | #16

Ich bin 1989 abgekehrt und habe nach Studium meine Zukunft in der Automobilindustrie gefunden. Damals war schon abzusehen, daß Bergbau in Deutschland (leider) nicht über längere Zeit weiterbetrieben werden soll. Ich habe extra nicht kann geschrieben, weil er meiner Meinung nach aus vielen Gründen weiterbetrieben werden kann und auch sollte.

Ich denke gerne an die nicht immer leichte Zeit auf meiner Zeche zurück und bin meinen damaligen Ausbildern dankbar mir die Grundlagen für mein weiteres berufliches Leben vermittelt zu haben.

Wenn Friedrich-Heinrich heute die letzte Förderschicht fährt, bin ich auch traurig, daß ich meinen Kindern leider keine Grubenfahrt mehr angedeihen lassen kann, damit auch die junge Generation sich einen Eindruck machen kann wie eine Grube funktioniert.

Mit meinen Mitstudenten hatte ich noch die Gelegenheit auf Friedrich-Heinrich anzufahren und heute, 15 Jahre später, sind sie immer noch fasziniert von dieser so anderen Welt.

Glück auf Friedrich-Heinrich!

21.12.2012
13:19
Letzte Schicht am Niederrhein - Bergwerk in Kamp-Lintfort stellt Betrieb ein
von kuni75 | #15

Ich selbst habe ende 1998 meine letzte Schicht verfahren.Wünsche allen Kumpels einen guten übergang in neuen Wirkungskreisen oder auf anderen Schachtanlagen.Habt eure sache immer gut gemacht und euch allen respekt verdient.Die jenigen die euch den Ruhe stand nicht gönnen,sollen mal selbst Untertage vor ort Malochen,bei Lärm und schwüler Hitze....Dubbelpause auf den Weg zur Kohle im engen Zug,keinen Pausenraum,keine Sanitärenanlagen,Mäuse oder Ratten ect......aber das is denen allen egal.....Hauptsache über die Bergleute schlecht reden...Alles gute euch letzten Bergleuten vom Linken Niederrhein.....Glück Auf

21.12.2012
11:48
Letzte Schicht am Niederrhein - Bergwerk in Kamp-Lintfort stellt Betrieb ein
von xxyz | #14

Die Zukunft wird sorgenfrei sein.

Schließlich wird ein Zechengelände frei, auf das dann Logistik-Betriebe angesiedelt werden sollen.

Fällt den Planer im Bereich des Ruhrgebiets nichts besseres ein? Das funktioniert doch in vielen Bereichen überhaupt nicht. Die Zechengelände sind seit Jahren leer. Ebenso führt die Logistik in vielen Bereichen nur zu einem geringen Lohn.

Zu überlegen ist auch, auf welchen Strassen die LKWs denn fahren sollen, wenn überall Brücken nicht mehr belastbar sind. Die Bahnplanung funktioniert überhaupt nicht (siehe schnelle S-Bahn). Statt jetzt jede Zeche einzeln zu beerdigen sollte die Politik die Zeit dafür nutzen, zukunftsfähige Konzepte zu entwickeln .

21.12.2012
10:48
Letzte Schicht am Niederrhein - Bergwerk in Kamp-Lintfort stellt Betrieb ein
von rally | #13

Was ist daran so schlimm? Zwar hat Bergbau dat Revier geprägt, aber auch auch andere Bereiche wurden ins Ausland verlegt oder wurden aufgegeben. Kommunikationsbranche (Handysparte, Telefonanlagenbau etc.) oder auch Autobauer (Opel). Auch hier haben die Menschen tolle Dienste geleistet, waren treu, fleißig, zuverlässig.
Aber so ist das im Kapitalismus, wir streben nach mehr immer mehr, Gewinne Gewinne, günstiger billiger, und so kommt die Kohle halt aus China.
Und wie einer schon schrieb, einige Firmen kommen wieder zurück :-).

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