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Karstadt

Karstadt-Eigner Berggruen sieht Karstadt als "ein Juwel“

08.10.2012 | 05:00 Uhr
Nicolas Berggruen, fotografiert für die WAZ Mediengruppe in New York.Foto: Claire Schneider

Essen.   Der Karstadt-Eigentümer und Groß-Investor Nicolas Berggruen bekennt sich zum Essener Warenhaus-Konzern. In einem Exklusiv-Interview mit der WAZ-Mediengruppe spricht Berggruen über die Zukunft von Karstadt und die Gründe für sein Engagement.

In einem Interview mit der WAZ Mediengruppe hat sich Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen klar zum Essener Warenhaus-Konzern bekannt. Ein Verkauf, auch einzelner Häuser, sei nicht geplant. Gleichzeitig verteidigte Berggruen den geplanten Stellenabbau als Voraussetzung für wettbewerbsfähige Strukturen.

Herr Berggruen, wie geht es Ihnen?

Nicolas Berggruen: Es geht mir gut, vielen Dank! Ich hoffe, Ihnen auch...

Danke! Lange nichts gehört und gesehen von Ihnen in Deutschland.

Berggruen: Der Eindruck täuscht. Zu meinen Führungskräften, Partnern und Freunden in Deutschland habe ich nahezu täglich Kontakt. Ich freue mich übrigens darauf, Ende des Monats wieder für einige Zeit in Deutschland sein zu dürfen.

Freude macht Ihnen Karstadt aber nicht mehr?

Berggruen: Wie kommen Sie denn darauf? Natürlich, sehr große Freude sogar. Gerade gestern habe ich noch einmal in Ruhe die Berichterstattung zu unseren Neueröffnungen gelesen, zum Beispiel des Loftfloors im KaDeWe oder die modernisierten Warenhäuser. Außerdem ist unser neues Konzept KTown gerade als ,Warenhaus des Jahres’ ausgezeichnet worden. Da habe ich mich zum Beispiel sehr gefreut.

Info
Kunstsammler und Investor

Der Deutsch-Amerikaner Nicolas Berggruen (51) ist der ältere von zwei Söhnen des Kunstsammlers und von den Nazis vertriebenen deutschen Emigranten Heinz Berggruen. Sein Vermögen wird auf über zwei Milliarden Euro geschätzt.

Der ledige Berggruen hat Betriebswirtschaft studiert und gründete 1984 ein eigenes Investment-Unternehmen. Bekannt ist er auch als Sammler zeitgenössischer Kunst, zudem unterhält er ein Institut zur Politikberatung. Berggruen gehört zu den wenigen europäischen von 70 Su­per­reichen, die sich der Initiative „The Giving Pledge“ („Gebe-Versprechen“) von US-Multimilliardär Warren Buffett angeschlossen haben und sich verpflichten, mindestens die Hälfte ihres Vermögens nach dem Tod wohltätigen Zwecken zukommen zu lassen. Im Oktober 2010 übernahm Berggruen nach langwierigen und schwierigen Verhandlungen die insolvente Karstadt Warenhaus GmbH mit 25 000 Mitarbeitern und 86 Warenhäusern.

Dennoch: Die Belegschaft und Verdi fühlen sich verraten - erst die Zustimmung zum Sanierungstarifvertrag mit Lohnverzicht, nach Auslaufen dann der Abbau von 2000 Stellen. Sind Sie doch ein Investor, dem der schnelle Profit wichtiger ist als Nachhaltigkeit?

Berggruen: Ich bin sicher, dass die Karstadt-Mitarbeiter sich nicht verraten fühlen, im Gegenteil! Ich weiß, sie stehen hinter dem engagierten Kurs von Andrew Jennings und seinem Team, Karstadt grundlegend zu sanieren und für die Zukunft erfolgreich neu auszurichten. Dass Karstadt dafür nun endlich, nach so vielen Jahren des Missmanagements, auch wettbewerbsfähige Strukturen braucht, kann, glaube ich, jeder nachvollziehen. Denn alle Mitarbeiter wissen eines noch ganz genau: 2010 war Karstadt mausetot.

Können Sie Kündigungen ausschließen?

Berggruen: Ich will nicht einfach irgendetwas versprechen und übrigens ist das auch nicht meine Aufgabe. Karstadt-Chef Andrew Jennings und sein Team werden zusammen mit dem Betriebsrat und den Mitarbeitern über die Umsetzung der Maßnahmen entscheiden. Ich bin überzeugt, alle Beteiligten finden hier den besten, fairsten Weg.

"Karstadt ist eine absolute Kultmarke"

Eine „Kult-Marke“, wie Sie Karstadt geadelt haben, braucht Pflege. Man kann den Eindruck bekommen, Karstadt ist eben doch nur eines von vielen Objekten eines großen Investors.

Berggruen: Diese Behauptung kann ich gar nicht nachvollziehen. Karstadt bekommt derzeit die beste Pflege seit 20 Jahren. Wir haben eine Geschäftsleitung aus international erfahrenen Warenhaus- und Handelsprofis, die den enormen Wert der Marke Karstadt in Deutschland genau kennen. Diese Leute brauchen aber Zeit. Alle Imagewerte für Karstadt zeigen übrigens bereits nach oben. Und ich bleibe dabei: Karstadt ist eine absolute Kultmarke.

Meldung
Berggruen dementiert Teil-Verkauf von Karstadt

Der Karstadt-Konzern soll nicht zerschlagen werden. Das stellte Eigentümer Nicolas Berggruen am Montag klar. Der Milliardär reagierte damit auf einen Bericht, demzufolge die drei Premium-Warenhäuser und die Sportfilialen verkauft werden sollen.

Verdi behauptet, Sie hätten über einen Euro als Kaufpreis hinaus noch kein eigenes Vermögen investiert. Richtig?

Berggruen: Falsch! Karstadt investiert laufend in Modernisierung - und ich darf Ihnen verraten, dass dies zusammen mit unseren Partnern von 2010 bis 2015 rund eine Milliarde Euro ausmacht, wobei rund zwei Drittel von Karstadt kommen. Glauben Sie mir, Karstadt wird auch in Zukunft über die Mittel verfügen, die das Management zur Umsetzung des Investitionsprogramms benötigt.

Ist Ihre Zuversicht so groß, dass sie auch noch mal Geld aus Ihrem Vermögen investieren?

Berggruen: Immer wenn Karstadt investiert, investiere ich auch Geld aus meinem Vermögen, da Karstadt nun zum Vermögen von Berggruen Holdings gehört. Die Kunst des Investierens besteht darin, WIE man es tut. Dass man vor allem in die richtigen Leute investiert. Und die richtigen Maßnahmen ergreift. Das haben wir bei Karstadt getan und tun es weiterhin. Es geht um Qualität, nicht um Quantität.



Kommentare
08.10.2012
17:38
Karstadt-Eigner Berggruen sieht Karstadt als
von astor97 | #2

für wen ein Juvel?... sicher nicht für die 2000 Beschäftigten, die gehen müssen... schönen Tag noch... ergänzen möchte ich noch... es gibt wie immer ....nur einen Verlierer... und das sind die Menschen, die ihren Buckel hinhalten...

08.10.2012
07:44
Karstadt-Eigner Berggruen sieht Karstadt als
von Marxururenkel | #1

Oh wie schön und überzeugend, dass Berggruen sich zu Karstadt bekennt. Ein solches Interview ist schon alleine deswegen überflüssig, weil es in der Geschichte nicht einen Investor und Sanierer gibt, dessen Engagement langfristig dem Wohl von Unternehmen und Beschäftigten galt. Letztlich wurde das Unternehmen entweder verkauft oder liquidiert, wenn Gewinne und Aktiennotierungen nicht erwartungsgemäß stiegen. Siehe Mannesmann/ D2 oder Babcock....
Herren (und Damen) wie Berggruen haben nur ein Ziel: Kapitalvermehrung.
Können wir vom Ochsen denn etwas anderes als Rindfleisch erwarten? Oder glaubt wirklich noch jemand an das Märchen von der sozialen Marktwirtschaft?

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