Fracking in USA macht die deutsche Energiewende teurer

Die USA ist im Fracking-Fieber. Aber auch dort gibt es Proteste gegen die Technik.
Die USA ist im Fracking-Fieber. Aber auch dort gibt es Proteste gegen die Technik.
Foto: afp
Was wir bereits wissen
In Deutschland und Europa ist Fracking zur Förderung von Öl und Gas hoch umstritten. Andere Länder haben weniger Bedenken und erschließen ihre Vorkommen. Das senkt nach einer Studie den Ölpreis für alle und macht die deutsche Energiewende teurer.

Berlin.. Der neue Gas- und Ölreichtum der USA wird die Welt verändern. Mit dem Schieferölvorkommen dürften die Energiepreise nachgeben. Das hat auch für Deutschland Folgen: Die Abhängigkeit von russischem Gas wird relativiert. In Berlin dürfte der Druck steigen, auch hierzulande die Förderung, das so genannte Fracking, zu erleichtern. Schon nächste Woche erwarten Politiker von Union und FDP Vorschläge von ihrer Regierung. Die Energiewende wird womöglich teurer werden. Die erneuerbaren Energien werden unter Preisdruck geraten und länger auf Subventionen angewiesen sein, als man es bislang erhofft hatte.

Die Beratungsgesellschaft PwC erwartet, dass der Ölpreis im Jahr 2035 um 25 bis 40 Prozent unter den prognostizierten 133 US-Dollar pro Barrel liegen wird. Längst treibt die Entwicklung aber nicht nur Ökonomen um. Der Bundesnachrichtendienst (BND) geht in einer Studie der Frage nach den Gewinnern und Verlierern nach. Zu den Verlierern zählt der BND laut Reuters Russland mit seinen hohen Produktionskosten. Die Opec-Staaten im mittleren Osten dürften ihre Marktmacht verlieren. Der CDU-Politiker Philipp Mißfelder erwartet Auswirkungen auf die US-Außenpolitik: Neue Prioritäten, wenn die Rohstoffversorgung nicht mehr von der arabischen Welt abhängt.

USA hängen Russland ab

Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt die Funde in den USA optimistisch ein. Man geht von einer Produktion im Jahr 2035 von zehn Milliarden Fass Öl – dann wären sie in einer Liga mit Russen und Saudis. Die USA können heute schon mehr Kohle exportieren, weil sie bei der Verstromung verstärkt auf Gas setzen. Gleichzeitig müssen sie weniger Öl als bisher importieren und hoffen, ab 2010 Gas zu exportieren, schätzungsweise bis zu 60 Milliarden Kubikmeter im Jahr. Die Experten schätzen, dass die Amerikaner ihre Ölrechnung um 200 Milliarden Dollar senken und das Leistungsbilanzdefizit halbieren können, was wiederum die Rolle der Leitwährung stärken würde.

Fracking Noch gibt es zahlreiche offene Fragen: Wie schnell, wie nachhaltig entwickelt sich Fracking? Ist das Ziel erreichbar, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, wenn das Angebot an fossilen Energien steigt? Was bedeutet es für stromintensive Branchen in Deutschland, wenn der Energiepreis in den USA nachgibt? Schon heute beträgt der Strompreis nur 60 Prozent des deutschen Niveaus. Lohnt sich noch die Entwicklung von Elektroautos, wenn Benzin länger und billiger zur Verfügung steht? Der BND schätzt, dass in den USA zwei bis drei Millionen neue Jobs entstehen können, weil günstige Energiepreise wie Doping auf die Wirtschaft wirken.