Die Steag hält an Gas, Kohle und der Atomkraft fest
03.02.2012 | 18:17 Uhr 2012-02-03T18:17:00+0100
Essen. Vor einem Jahr übernahm ein Konsortium aus sieben Ruhrgebiets-Stadtwerken die Mehrheit beim Essener Energieversorger Steag. Joachim Rumstadt, Vorsitzender der Steag-Geschäftsführung, zieht eine Bilanz und spricht über den Umbau des Konzerns.
Die Steag soll grüner werden. Wie soll der Umbau aussehen?
Joachim Rumstadt: Unsere Strategie bis 2020 setzt Schwerpunkte bei den Erneuerbaren Energien. Wir sehen große Möglichkeiten für Investitionen in Windparks, etwa in Rumänien und in der Türkei. In den Ländern kennen wir uns aus.
Hilft die Energiewende beim Umbau?
Joachim Rumstadt: Sie hat uns zusätzlichen Schub gegeben. Die Neuordnung der Energiewirtschaft mit mehr dezentraler Erzeugung kommt den Kommunen entgegen. Die Steag will sich auch als „der“ Dienstleister und Projektentwickler für die 800 bis 1000 kommunalen Unternehmen in Deutschland etablieren.
Welche Anlagen planen Sie in Deutschland?
Joachim Rumstadt: Einerseits Windkraftanlagen. Gelsenkirchen-Scholven war unser Erstlingswerk. Und wir entwickeln weitere Projekte auf den Bergehalden in der Region. Außerdem sind wir einer der größten Drei in der Biomasseverstromung. Und wir schauen auf den Offshore-Windmarkt. Spannend ist, wie diese Windparks gewartet werden. Wir könnten technischer Partner werden bei Projekten, die Instandhaltung vor Ort mit eigenen Versorgungsschiffen beinhalten.
Heißt das, dass die Mittel Ihrer Investitionsplanung, 400 Millionen Euro für 2012 und 500 Millionen Euro für 2013, komplett in Erneuerbare fließen?
Joachim Rumstadt: Nein, schwerpunktmäßig in erneuerbare, aber auch in konventionelle Anlagen. Wir müssen für die konventionellen Werke auf Basis von Kohle und Gas massiv Geld in die Hand nehmen, zum Beispiel um Walsum 10 fertig zu stellen und den Kraftwerkspark auf lange Sicht zu erhalten. Etwa in Herne. Dort investieren wir 20 Millionen Euro, um den Standort, der eine Schlüsselfunktion in der Fernwärme hat, zu stärken.
Sie halten also an Kohle und Gas fest?
Joachim Rumstadt: Ja. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, ist völlig klar, dass in Zukunft auch in Deutschland Kohle- und Gaskraftwerke gebaut werden müssen. Auch wir planen weitere konventionelle Anlagen. Dafür haben wir genehmigte Standorte.
Steigt deshalb der Anteil der Erneuerbaren am Umsatz nur von 9 auf 12 Prozent bis 2016?
Joachim Rumstadt: Unsere Zahlen werden wir im Frühjahr vorstellen. Aber zur generellen Erläuterung: Das Energiegeschäft war und ist ein langfristiges. Auch Windkraftanlagen muss man planen, bauen und ans Netz bringen. Es gibt also einen Zeitraum, in dem diese Anlagen noch nicht am Umsatz beteiligt sind. Die neue Steag bauen wir jetzt auf, die Umsatzverteilung wird sich erst bis zum Jahr 2020 deutlich verändern.
Woher nehmen Sie das Geld für den Konzernumbau? Sie haben ein passables Ergebnis 2011. 440 Millionen Euro. Aber das sinkt der Planung zufolge auf 320 Millionen in diesem Jahr und 360 Millionen in 2013.
Joachim Rumstadt: Unsere Geschäftszahlen publizieren wir wie gesagt im Frühjahr, daher können wir auch Ihre Zahlen nicht kommentieren. Wir können jedoch heute schon sagen: Das operative Geschäft 2011 ist gut gelaufen. Das war keine Selbstverständlichkeit. Auch die Erwartungen unserer kommunalen Anteilseigner hinsichtlich der Ausschüttung werden wir erfüllen. Bei Investitionen können wir auf die laufenden Einnahmen zurückgreifen oder Gelder von Anlegern einwerben. Es gibt ein großes Interesse von institutionellen Anlegern wie Versicherungen, die weg von Staatsanleihen hin zu Infrastruktur gehen.
Wie entwickelt sich die Auslastung ihrer konventionellen Kraftwerke?
Joachim Rumstadt: Bei dieser Witterung sind alle am Netz. Aber wir müssen uns darauf einstellen, dass die Zahl der Betriebsstunden bei Gas- und Kohlekraftwerken sinkt. Das liegt am Einspeisevorrang für Wind und Sonne.
Außerdem verhageln Ihnen die Kohlepreise, der CO2-Zertifikatehandel sowie der Ausbau der Erneuerbaren das Geschäft mit Kohlekraftwerken.
Joachim Rumstadt: Die Gewinnspanne bei der Kohleverstromung ist unter Druck. Außerdem haben wir einige Langfristverträge, vor allem mit RWE. Die laufen zum großen Teil Ende 2012 aus. Wir stellen uns darauf ein, unsere Kraftwerke neu zu positionieren. Das kann auch den Auslaufbetrieb einzelner Blöcke bedeuten. Deshalb haben wir unser Fünf-Punkte-Programm gestartet, um Kosten zu senken und neue Geschäftsaktivitäten zu entwickeln.
Auch die Atomsparte sorgt für Diskussionen. Haben Sie den Auftrag vom Aufsichtsrat, diese Aktivitäten zu verkaufen oder ist es nur ein Prüfauftrag?
Joachim Rumstadt: In der Nuklearsparte bieten wir exzellente Ingenieursleistungen an, gerade für den Rückbau von atomaren Anlagen. Nach Fukushima haben wir dafür im Aufsichtsrat große Unterstützung bekommen. Wir werden Nuclear Technologies behalten.
Was ist mit Ihrem Anteil am Zwischenlager Ahaus?
Joachim Rumstadt: Beim Zwischenlager Ahaus schauen wir, ob es von strategischer Relevanz ist. Sowohl von der Größenordnung als auch von der Perspektive ist es das nicht. Deshalb prüfen wir, wie wir mit Ahaus umgehen.
Wann kommt Walsum 10 ans Netz und was bleibt an Kosten für die Verzögerung an der Steag hängen?
Joachim Rumstadt: Walsum 10 wird ein Erfolg. Trotz der Pannen unseres Generalunternehmers mit dem fehlerhaften Kessel. Wenn es im Herbst 2013 ans Netz geht, werden wir eines der modernsten Kraftwerke in Europa haben. Mindestens. Allerdings ist der Schaden doch beachtlich.
Bekommt die Steag einen kommunalen Beirat?
Joachim Rumstadt: Wir finden es gut, wenn man die Interessenvertreter aus den beteiligten Städten einbezieht. Jetzt stellt sich die Frage, welche Größe und Aufgaben dieser Beirat bekommt und wo er angesiedelt ist.

10:23
Was man heute als Kohle und Gas verbrennen kann
muss man in 10 / 20 Jahren teuer irgendwie in der Retorte erzeugen.
Macht alle da mit.
Verheizt Eure Alterskohle.
Behaltet keine Reserven.
Der Markt wirds schon regeln.
18:58
Fakt ist: durch die Verdopplung der Anlagen zur Stromerzeugung und damit auch einer Verdopplung der Netzstruktur erhält man unweigerlich mindestens eine Verdopplung der Strompreise. Denn parallel zu den Alternativen, laufen doch alle konventionellen Kraftwerke in Ersatzbereitschaft oder in Last mit.
Das hat ja jetzt schon konkrete Auswirkungen, aktuell bei den anstehenden Werksschließungen der Edelstahlwerke, der Aluminiumhütten und weiterer Strom intensiven Unternehmen und Branchen, die vor dieser Kostenlawine aus Deutschland verschwinden.
Genau so wie Herr Schlenz, als besorgter Thyssenbetriebsrat öffentlich - laut WAZ - es deutlich im Zusammenhang mit den Arbeitsplatzverlusten im Revier, aufgrund der Energiewende aussprach.
Man muss ja kein Experte sein um bis drei zählen zu können, um diese Verdopplung des Strompreises nicht als Arbeitsplatz-Vernichtungs-Modell erkennen zu können, aber es setzt schon erhebliche ideologische Denkblockaden voraus, das nicht begreifen zu können. Statt dessen tapfer seine eingeübten Sprüche von den bösen Unternehmern etc. und der bösen Kernkraft, in kindlicher Naivität trotzig aufzuzählen.
Einfaches Rechnen, bzw. nur ein Wenig Logik bei denen die auf Sozi machen, auf Politik und Panik, wie könnte das doch helfen, die dümmsten Fehler zu vermeiden.
Die Verteuerung der Strompreise ist eine Mär. Schon jetzt sind die Preise an der Leipziger Strombörse rückläufig, doch die Energieriesen behaupten das Gegenteil und erhöhen munter und ungebremst. Auch die Arbeitsplatz-Vernichtungstheorie ist daneben.
16:51
Eine völlig logische Forderung des Konzerns. Womit sonst kann man so prima Kohle machen wie mit längst abgeschriebenen AKW-Fossilien? Das Thema "Energie.-Gewinnung" ist ja wohl das letzte, was diese Betreiber interessiert.
In Berlin steigt die CDU angeblich aus der Kernkraft aus. Die Städte im Revier als Eigentümer der Steag sehen das ganz anders. Doch, das stärkt die Glaubwürdigkeit dieser Politik.
Und was heisst "strategische Relevanz" beim Lager Ahaus? Ist noch immer keiner ausgeguckt worden, der den Abbau finanziert? Also ausserhalb der Steag - versteht sich doch von selbst!
10:46
In den deutschen Chef-Etagen - insbesondere in den großen Energie -Konzernen - da wird mit der Geschwindigkeit einer Schnecke strategisch gedacht!
Der maßgebliche ,strategische Ansatz für die Weiter -Existenz eines Energie -Unternehmens in Zukunft ,dies ist seine Fähigkeit die Stromnetze und die Speicher - Kapazitäten den künftig nur noch möglichen Energiequellen -also die erneuerbaren Energien - anzupassen!
10:27
Ob die STEAG weier sich an der Atomkraft festhält, möchte
ich mal bezweifeln.
Kohle wird auch weit nach der Beendigung der Deutschen
Steinkohleförderung nach 2018 eine grosse Rolle in der
Stahlverarbeitenden- und Energieerzeugenden Wirtschaft
spielen.
Nur der Kohlepreis wird sich dann für uns sehr zum Nachteil verändern.