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Altersvorsorge

Die Rente bleibt ein Sorgenkind

06.01.2010 | 17:26 Uhr
Die Rente bleibt ein Sorgenkind

Berlin. Als Chef der Deutschen Rentenversicherung (DRV) ist Herbert Rische ein gefragter Experte. Doch ob die Altersvorsorge künftige Generationen gut versorgen kann, weiß nicht einmal der oberste Hüter der gesetzlichen Rente.

Über die anderen Versorgungssysteme habe die DRV keine Informationen, räumt Renten-Experte Rische ein. Die Sorgen der Bevölkerung kennt er natürlich. Die Angst vor Altersarmut geht um, und bei den gut Situierten die Sorge, dass der Lebensstandard später nicht gehalten werden kann.

Dabei sind die Aussichten gar nicht schlecht, wenn man sich rechtzeitig auf die Umstände einrichtet. Die gesetzliche Rente ist nicht mehr die allein tragende Säule der Altersversorgung. Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge gewinnen an Bedeutung und die Menschen müssen länger arbeiten.

Vorsicht bei Prognosen

In der Theorie hört sich das Drei-Säulen-Modell gut an. Die Statistiker sagen voraus, dass der Neurentner des Jahres 2050 je nach Familienstand und Einkommen über rund 70 bis 75 Prozent seines letzten Nettolohnes verfügen kann.

Doch die offiziellen Prognosen haben einen gewaltigen Haken. Der Bamberger Professor Andreas Oehler hat die Grundannahmen der Bundesregierungen ab 1970 mit der Wirklichkeit verglichen. In der Regel fielen die Vorhersagen deutlich zu optimistisch aus. „Es liegt eindeutig im Interesse der Bundesregierung, die Stabilität des Rentensystems so gut wie möglich darzustellen”, rät der Forscher zum vorsichtigen Umgang mit den offiziellen Angaben.

Künftige Rentenniveaus

Das gilt auch für die Berechnung des künftigen Rentenniveaus. Der günstige Wert der Bundesregierung kommt nur durch eine trickreiche Rechnung zustande. Zur gesetzlichen Rente addiert das Arbeitsministerium die Erträge aus der Riester-Rente und geht von einer weiteren Privatrente aus.

Die Beiträge dafür sollen die heutigen Arbeitnehmer aus der Steuerersparnis bezahlen, die aus der stufenweisen Umstellung auf die nachgelagerte Besteuerung resultieren. Das weiß und versteht nur niemand. Und für die Riester-Rente hat sich bislang auch nur jeder dritte Berechtigte entschieden. All das legt den Verdacht nahe, dass die Zukunft weitaus unsicherer ist als es die staatlichen Vorhersagen weismachen wollen.

Ein Beispiel

Ein Beispiel verdeutlicht die tatsächliche Entwicklung. Die heute 87-jährige Mutter kann fast 1700 Euro monatlich ausgeben. Dafür sorgen die Witwenrente, eine kleine eigene Rente und die Betriebsrente ihres verstorbenen Gatten. Ihr Sohn wird nach 42 Beitragsjahren gerade noch 768 Euro gesetzliche Rente erhalten und dazu 144 Euro Riester-Rente. Zusammen mit einer privaten Rentenversicherung kann er gerade auf 1200 Euro hoffen.

Das Beispiel ist natürlich nicht repräsentativ, aber der Trend wird deutlich. Selbst Durchschnittsverdiener müssen für ein auskömmliches Alterseinkommen erhebliche Eigenanstrengungen unternehmen.

Altersarmut

Die große Herausforderung heißt Altersarmut. Bisher ist das Problem weitgehend unbekannt. Nicht einmal drei Prozent der Rentner sind auf die Grundsicherung angewiesen. „Die Ausbreitung von Hungerlöhnen und die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit reißen Löcher in die Altersvorsorge von Millionen von Betroffenen”, warnt DGB-Vorstand Annelie Buntenbach. Viele Arbeitnehmer erwerben nur geringe Rentenansprüche und ihnen fehlt das Geld für private Vorsorge.

Sicher erscheint aus heutiger Sicht ausgerechnet die so lange umstrittene gesetzliche Rente. Nur wird es sie nie wieder in gewohnter Höhe geben. Auch die Mehrheit der künftigen Rentner wird ein vergleichsweise wohlhabendes Leben führen. Für eine wachsende Zahl von Arbeitnehmern wird die Aussicht auf das Alter allerdings schaurig – wenn alles so bleibt, wie es jetzt ist.

Wolfgang Mulke

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Kommentare
08.01.2010
00:56
Die Rente bleibt ein Sorgenkind
von Herbert57 | #4

......der Sohn wird nach 42 Beitragsjahren gerade noch 768 Euro gesetzliche Rente erhalten.....
Das ist der politische Offenbahrungseid und super Gau.In keiner Weise abzektabel.
Noch dreckiger und schmutziger kann es kaum noch kommen.Das System muß sofort geändert werden.Die Beitragsbemessungsgrenze muß für die Renten,-u. Krankenversicherung sofort erhöht werden!Kapitalerträge müssen Sozialversicherungspflichtig werden.Rentenkasse und Pensionskasse müssen zusammengelegt werden.Beamte und Selbstständige müssen auch Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.Menschen die jahrzente lang hart arbeiten mussten und sich ein bescheidenen Lebensstandart erarbeitet haben,haben ein Menschenwürdiges Leben im Alter mehr als verdient.

07.01.2010
18:31
Die Rente bleibt ein Sorgenkind
von Wolfgang_E | #3

Die meisten Arbeitnehmer werden später durch Arbeitslosigkeit, Teilzeitarbeit, Niedriglohn + Co. kaum mehr als die Grundsicherung (analog+ähnlich Hartz IV) bekommen. Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge würden dann von der Grundsicherung aufgefressen, sind also völlig überflüssig und zudem von o. a. Klientel nicht bezahlbar!

Dumme Politik von SPD, CDU und FDP!

Die Rentenversicherung ist arm. Ob es daran liegt, dass sie Kuren und div. anderes bezahlem muss? Egal!
Eine völlige Änderung ist notwendig, incl. Pensionen + Co..
Eine Grundsicherung wäre die Lösung!

07.01.2010
08:35
Die Rente bleibt ein Sorgenkind
von B.Schmitz | #2

Die Politiker haben doch die Renten verschleudert. Der Mauerfall hat ebenfalls dazu beigetragen, dass die Rentenkassen leer sind. Die die hier nie eingezahlt haben oder hatten profitieren doch ebenfalls davon.

07.01.2010
06:32
Die Rente bleibt ein Sorgenkind
von JohannaMaria | #1

man darf auch nicht vergessen, dass sich die Familienstrukturen geändert haben und dadurch bei vielen auch keine Witwenrenten zur Verfügung stehen, da immer mehr Personen Alleinerziehend oder längere Phasen Alleinstehend sind. Solche demographischen Faktoren werden bei den niedrigeren Frauenrenten oft nicht bedacht - auch dadurch sinken dort die Gesamtalterseinkommen.

viele Berechnungen ergeben auch, dass die Riesterrente ein schlechtes Geschäft für den Kunden ist. Außerdem ist es eine Fehlallokation - gerade Geringverdiener können keine 4% ihres Jahresbruttos zurücklegen bei geringem Einkommen - sie zahlen aber mit ihren Steuergeldern die Zuschüsse an die Gutverdienenden, die sich ein solches Produkt leisten können - diese riestern nämlich in jedem Fall - haben auch das nötige Einkommen.Solche Produkte sollten mit Steuergeldern nicht subventioniert werden und wenn, dann sollte man Geringverdienerrenten erhöhen und nicht Renten, die hoch genug sind.

Nach Berechnungen der OECD hat DE mit das niedrigste Rentenniveau für Geringverdiener unter vergleichbaren Industrieländern, welche die geringen Renten aufstocken. Die deutsche Grundrente ist viel zu niedrig für Personen die gearbeitet haben - hier gibt es keine Besserstellung.

Unbeantwortet bleibt auch die Frage, wie man mit den zunehmenden Teilzeitarbeitsverhältnissen,Freiberuflern..... und anderen prekären Erwerbsformen umgeht - diesen Minderverdienern die Riesterrente zu empfehlen ist in vielen Fällen einfach nur zynisch!!

Wo bleibt da die Gestaltung der Politik? Im Endeffekt wird man in DE mit diesen Fragen alleine gelassen.

Ich habe mich bereits bewusst darauf eingestellt als Frau zu den späteren Armutsrentnern gehören zu werden - denn ich hab mich leider auch mit 17 für einen schlecht bezahlten Frauenberuf entschieden und das Ruder herumzureißen dauert einfach zu lange,bis dahin verliert man zu viele Einnahmen und spätere Rentenansprüche - zukünftige Altersarmut wird vor allem wieder ein Frauenproblem - geringes Einkommen = geringe Rentenansprüche - lebenslang schlechtgestellt.

Aus Steuergeldern wird nachher doppelt gezahlt: Riesterzuschüsse an Gutverdiener und immer mehr Sozialhilferenten an Geringverdiener/Mäßigverdienerinnen.

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