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Der Kampf um die Trödelmärkte in NRW

08.06.2012 | 19:16 Uhr
Der Kampf um die Trödelmärkte in NRW
Politischer Streitpunkt: Neuwaren auf Trödelmärkten. (Foto: Ulrich von Born)

Essen.   Handel und Trödelmarktbetreiber verstärken den Druck auf die NRW-Koalitionsverhandlungen. Der Einzelhandel fordert, dass sonntags weniger Neuwaren verkauft werden dürfen. Die Marktgestalter fragen: „Will Rot-Grün den Bürgern ihr liebstes Sonntagsvergnügen nehmen?“

Der Plan der NRW-Landesregierung, Trödelmärkte mit Neuwaren an Sonntagen einzuschränken, ruft Protest beim Verband deutscher Marktgestalter hervor (VDM). Ihr Sprecher Norbert Hermanns wirft mitten in den Koalitionsverhandlungen die provokative Frage auf: „Nimmt Rot-Grün den Bürgern ihr liebstes Sonntagsvergnügen?“

Politiker von SPD und Grünen hatten signalisiert , die Forderung des Einzelhandelsverbands Ruhr aufzunehmen, dem sich inzwischen auch der Handelsverband für ganz NRW angeschlossen hat: Der wachsende Neuwarenverkauf auf sonntäglichen Trödelmärkten soll eingeschränkt werden. Sollte es zu dieser Limitierung kommen, sehen die Marktgestalter den Trödel in seiner Existenz bedroht, weil Neuwarenhändler dann gar nicht mehr nach NRW kämen. „Die kommerziellen Händler sind die zuverlässigsten. Und die Veranstalter müssen eine Mindestanzahl von Gewerbetreibenden nachweisen, um überhaupt die Genehmigung für einen Trödelmarkt zu bekommen“, sagt Hermanns.

Wirtschaft
Einzelhandelsverband Ruhr kritisiert Trödelmärkte

Der Einzelhandelsverband Ruhr kritisiert den Missbrauch von Trödelmärkten für den Verkauf von Neuware. Da die Märkte anders als die verkaufsoffenen Sonntage einmal im Monat stattfinden dürfen, stellten sie inzwischen eine ernstzunehmende Bedrohung für den Einzelhandel dar.

Nach Angaben des VDM besuchen 35 Millionen Menschen ein- bis zweimal pro Jahr Trödelmärkte in NRW. 40 000 gewerbliche Händler lebten davon. Hinzu kämen „mehrere hunderttausend Privatleute“, die ihren Trödel verkaufen. Der Verband der Marktgestalter weist den Vorwurf zurück, Trödelmärkte jagten dem Einzelhandel Kunden ab. Jeder Besucher gebe im Schnitt nur sechs Euro für Waren aus. Hinzu kämen 3,50 Euro für Essen und Trinken. Hermanns: „Der Umsatz auf Trödelmärkten liegt weit unter 0,5 Prozent der Umsätze im Einzelhandel.“

Gewürze landen in Containern

Im Angebot der gewerblichen Händler seien vornehmlich Restposten. Hermanns nennt Beispiele: Warenhausketten räumen die letzten Exemplare eines Toasters aus den Regalen und schicken sie an den Hersteller zurück. Der bietet sie Aufkäufern an, die die Geräte auf Trödelmärkten verkaufen. Oder der Gewürzhersteller, der den Handel mit gefüllten Regalständern beliefert. Nach einer bestimmten Zeit bekommt der Supermarkt ein neues gefülltes Regal. Die restlichen Gewürzdosen wandern in einen Container und werden wiederum Aufkäufern zu einem günstigen Preis angeboten.

Sollte der Schnäppchen-Verkauf am Sonntag eingeschränkt werden, argumentieren die Marktgestalter, schnitten sich Einzelhändler ins eigene Fleisch. Nach Angaben von Hermanns seien auf den Trödelmärkten immer häufiger Gewerbetreibende anzutreffen, die mit den Umsätzen in ihren Läden nicht mehr zurecht kommen und sich mit dem Verkauf von Sonderposten ein Zubrot verdienen.

Kommunen verlieren Einnahmen

Marc André Heistermann, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Ruhr für Essen, Mülheim und Oberhausen, der die Diskussion angestoßen hat, will nicht ausschließen, dass auch Einzelhändler auf Trödelmärkten verkaufen. „Das ist aber kein Massenphänomen“, sagte er dieser Zeitung. Er habe aber auch nichts dagegen einzuwenden. Der Einzelhandelsverband fordere lediglich, dass sich auch die fliegenden Händler an die Begrenzung von vier Verkaufssonntagen pro Jahr halten sollen. Trödelmärkte sind an zwölf Sonntagen möglich. Heistermann: „Rückläufer aus dem Handel oder Konkursware kann man auch in stationären Sonderposten-Märkten verkaufen. Die halten sich an die Spielregeln.“

Den Vorstoß aus Mülheim hat inzwischen auch der Handelsverband in NRW aufgegriffen und damit den Druck auf die Koalitionsverhandlungen in Düsseldorf erhöht. Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet. Denn auch Kommunen profitieren von Trödelmärkten, sofern sie auf öffentlichen Plätzen stattfinden. Die Städte rechnen mit sinkenden Einnahmen aus den Standgebühren, wenn der Neuwaren-Anteil auf Trödelmärkten etwa auf zehn Prozent begrenzt werden sollte. Der Meter Standfläche spielt im Schnitt immerhin 40 Euro ein.

Frank Meßing


Kommentare
12.06.2012
06:05
Sonntagsmaerkte gehoeren unter " Artenschutz "
von tiger4 | #26

Die sonntaeglichen Maerkte mit gebrauchter und billiger Neuware sind kein neues Phaenomen, sondern gehen direkt bis ins Mittelalter zurueck. Die Gewerbeordnung genauso . Die Regeln haben sich also offenbar bewaehrt.
Nur waehrend es erst ca 200 Jahre stationaeren Einzelhandel gibt, der nun schon lange die Versorgung weitgehend uebernommen hat, sollte man den Markthandel, nicht weiter beschraenken, sondern als historisch bewaehrtes Muster, dass offensichtlich, den Menschen gefaellt, erhalten und unterstuetzen. Markthandel auch Sonntags , wie schon seit 1000 Jahren sollte unter eine Art Artenschutz gestellt , geschuetzt und gefoerdert werden.
Der Einzelhandel selbst muss nicht immer mehr und immer schneller expandieren und sich auf diese Weise letztlich selbst kannibalisieren, indem die leistungsfaehigen Anbieter der A Lagen nun den weniger leistungsfaehigen der B und C Lagen die Existenz nehmen. Achtet lieber auf den Internethandel , der schon 20% der Umsaetze macht.

11.06.2012
21:04
Der Kampf um die Trödelmärkte in NRW
von teufelskuh | #25

Veranstalter sind keine reichen Leute die aus Spaß an der Freude an Wochenenden durch die Weltgeschichte tingeln um Leuten zukünfig halb leere TM zu organisieren. Denen kommt bei Regen auch keiner mit den Preisen entgegen.
Genauso wie auch NW sicherlich nicht da stehen um die Menschheit zu ärgern, sondern um Geld zum Überleben zu verdienen.
Betreff "Sonntagsruhe": Jap, richtig. Aber dummerweise gibt es in der GeWO so einen komischen Paragraphen : Jedermann, der dem Teilnehmerkreis der festgesetzten Veranstaltung angehört, ist nach Maßgabe der für alle Veranstaltungsteilnehmer geltenden Bestimmungen zur Teilnahme an der Veranstaltung berechtigt.
Und somit haben NW-Händler ein RECHT auf teilnahme.
("Ist nach Maßgabe der für alle Veranstaltungsteilnehmer geltenden Bestimmungen"- Teilnahmebedingungen des jeweiligen Veranstalters.)

11.06.2012
20:49
Der Kampf um die Trödelmärkte in NRW
von teufelskuh | #24

herrje... Also:
Überlegen sie sich mal wieviele Lebensmittel weggeworfen werden, wenn diese nicht mehr sonntags von fliegenden Händlern verkauft werden dürfen.
-Nehmen wir das Bsp. Obsthändler
Schlecht laufende Wochenmärkte,samstags noch massig Ware, bislang sonntags auf Märkte um Reste abzuverkaufen da meißt montags die neue Ware kommt.
(Ja genau, manchmal sind z.B.die Paprika nicht mehr 1A aber es soll wirklich Leute wie mich geben, die sich sowas kaufen und abends noch zusammenschmoren und dann einfrieren.)
Zukünfig landet genau dieses dann wahrscheinlich in der Tonne.(Auf WM lässt sich das nunmal nicht verkaufen,außerdem montags kommt meißt s.o. die NEUE Ware)
Ja doch, auf festgesetzten Märkten braucht man einen Anteil an Gewerblichen.
Das man auf TM auch solchen finden sollte,ist auch meine Meinung.
Aber:Stellen sie sich z.B. bei Regen mit einem Tapeziertisch ohne Überdachung mit der Ware ins Nasse? Nein?! Gut,und wie bekommen die Veranstalter dann ohne NW ihre Kosten rein? -

11.06.2012
11:52
um das richtig zu sehen ...
von Partik | #23

... kaum gewählt, konzentrieren sich die beiden rot-grünen Damen darauf, dem Büger in NRW sein Sonntagsvergnügen Flohmarkt zu vermiesen, um den Einzelhandel zu stützen?

Ich dachte, es gäbe dringendere Probleme in NRW. Wohnt eine von den beiden in der Nähe von so einem Flohmarkt-Platz, und ist von den Besuchern genervt, oder was soll dieses unerwartete Engagement?

11.06.2012
10:13
Der Kampf um die Trödelmärkte in NRW
von MANFREDM | #22

Da der Verkauf von angeblicher Neuware nicht unterbunden wird, sind diese Märkte rechtlich nicht zulässig. Die Kommentare hier zeigen das:

"Überlegen sie sich mal wieviele Lebensmittel weggeworfen werden, wenn diese nicht mehr sonntags von fliegenden Händlern verkauft werden dürfen!"

Der Witz des Tages.

11.06.2012
09:19
Der Kampf um die Trödelmärkte in NRW
von HansiwurstI | #21

daß man einen MIndestanteil Gewerbetreibender braucht, um einen Flohmarkt zu veranstalten, glaube ich nicht.

Immerhin gibt es sie ja noch - die RICHTIGEN Flohmärkte. Z.B. im Westfalenpark oder am Fritz-Henßler-Haus etc.

Wer die Märkte auf irgendwelchen Parkplätzen besucht, hat keinen Stil.

11.06.2012
07:43
Der Kampf um die Trödelmärkte in NRW
von B.Schmitz | #20

Soll sich der Einzelhandel doch mal fragen warum immer mehr Menschen auf den Trödelmarkt gehen und dort die Neuware kaufen. Aber das es in den Städten immer mehr 1 Euro Läden gibt das interessiert keinen.

1 Antwort
Der Kampf um die Trödelmärkte in NRW
von DerHeinzer | #20-1

Aber Sie haben doch mit Sicherheit aus Ihrem nie versiegenden Fundus an Stammtischweisheiten eine Antwort dafür parat.

10.06.2012
21:37
teufelskuh | #18
von dummmberger | #19

Passende Überschrift für Ihren Kommentar.

Trödelmärkte sind ja nur deshalb von der Sonntagsruhe ausgenommen, da Privatleute, die dort ihren Trödel anbieten wollen, im Normalfall werktags arbeiten gehen.

Dass sich kommerzielle Händler diese Märkte immer mehr unter den Nagel gerissen haben, war nicht Sinn dieser Regelung.

Die meisten Trödelmärkte sind doch längst keine mehr. Versuchen Sie mal, gebrauchte Dinge aus Ihrem Haushalt zu verkaufen, wenn neben Ihnen ein kommerzieller Händler Neuware zu Dumpingpreisen anbietet.

Wenn ich allerdingd Ihre Ausführungen zu den Lebensmitteln lese, die bei einer Neuregelung angeblich weggeworfen werden müssten, bin ich mir angesichts der Absurdität nicht mehr sicher, ob ich nicht doch auf eine gutgemachte Satire hereingefallen bin.

10.06.2012
20:34
Lächerlich
von teufelskuh | #18

In NRW schreit der Einzelhandel,dass ich nicht lache!
Welcher EZH? Also hier bei uns im Kreis findet man kein "Einzelhandelsgeschäft" dem die NW auf Märkten schadet.Da sind die Textildiscounter und 1-Euro- Läden doch wohl mal viel eher dran schuld (mal ganz davon abgesehen, dass auch die meisten Händler nach dem "auftauchen" dieser Läden enorme Umsatzeinbußen haben).
Welcher Veranstalter kann seine Märkte ohne NW denn finanzieren? Fazit:Es wird haufenweise von gut besuchten TM in diesem Maße nicht mehr geben!
Wo hin und wie weit können bzw. müssen die Privattrödler dann fahren um überhaupt noch einen TM zum ausstellen zu finden?
Hat nicht neulich noch in der Zeitung gestanden,dass wir eine "Wegwerfgesellschaft" sind?
Überlegen sie sich mal wieviele Lebensmittel weggeworfen werden, wenn diese nicht mehr sonntags von fliegenden Händlern verkauft werden dürfen!
Wer keine NW will,braucht ja keine kaufen!
Ach ja,über drohende "Massenarbeitslosigkeit brauchen wir erst gar nicht reden!!!!!!

10.06.2012
20:29
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Name von Moderation entfernt | #17

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