Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Billigbäcker

Billigbäcker Backwerk – „Wachstum kommt von den Snacks“

28.12.2012 | 16:55 Uhr
Billigbäcker Backwerk – „Wachstum kommt von den Snacks“
Backwerk baut zurzeit seine Läden um. Die Kunden sollen länger in der Filiale verweilen. Foto: Kai Kitschenberg/WAZ FotoPool

Essen.  Im Jahr 2001 wurde der Discount-Bäcker Backwerk gegründet. 219 Partner zählt die Essener Franchise-Firma mittlerweile. Und will weiter wachsen – vor allem im Ausland. Sechs Millionen Brote, 75 Millionen Brötchen und 20 Millionen belegte Brötchen wird Backwerk 2012 verkaufen.

Eine kleine Ewigkeit braucht der Aufzug in dem unscheinbaren Bürohaus in der Nähe des Essener Kennedyplatzes, um bis in die fünfte Etage zu fahren. Hinter der Glastür kein Pomp, kein Protz, im Gegenteil: Empfang und Besprechungsraum sind nüchtern eingerichtet, auch sonst vermutet man nicht, dass hier ein Marktführer residiert: Backwerk, Deutschlands größter Discountbäcker.

Unternehmenschef Dirk Schneider verspätet sich ein wenig, Lieferantengespräche. „Das ist immer so kurz vor Jahreswechsel“, sagt der 46-Jährige. Backwerk will sich wandeln. Bereits Anfang 2011 haben die Essener damit begonnen, ihren fast 300 Läden einen modernen Anstrich zu geben, in drei Jahren sollen alle Niederlassungen auf das neue Konzept umgestellt sein. Mehr Theke, mehr Verkaufsregale, mehr Sitzplätze, vor allem aber: mehr Ambiente. „Mit Brot und Brötchen können Sie nicht mehr wachsen“, sagt Schneider. „Wachstum geht nur noch über Snacks.“ Und über Getränke. „Die Leute wollen verweilen, die Ware direkt vor Ort verzehren.“ Plätzchen, süß und mit Füllung, oder Pizza und Geflügelröllchen, Hauptsache herzhaft – und frisch zubereitet.

Lidl und Aldi rollen den Markt auf

Die Backwerk-Chefs Dr. Dirk Schneider und Hans Christian Limmer (v.l.) in der Vorzeigefiliale am Essener Porscheplatz. Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool

Der Markt ist im Umbruch. Discounter wie Lidl und Aldi stellen Backautomaten auf, wollen einen großes Stück vom Kuchen abhaben. „Die rollen gerade groß aus. Zurzeit wird eine Milliarde Euro Umsatz am Markt verschoben“, sagt Schneider. Sein Unternehmen verfolge das mit Spannung, eine Gefahr für Backwerk bestehe darin aber nicht. Für Handwerksbäcker könne es allerdings eng werden. „Überleben können die Handwerksbäcker nur als Premiumanbieter“, sagt Schneider.

2002 steigen der Unternehmer und sein Partner Hans Christian Limmer bei dem ein Jahr zuvor gegründeten Discount-Bäcker ein, übernehmen ihn nach kurzer Zeit komplett. Backwerk ist ein Franchise-Unternehmen. Die beiden verkaufen ihr Selbstbedienungs-Konzept an Existenzgründer. 219 Franchisepartner zählt das Essener Unternehmen mittlerweile, allein 118 Läden gibt es in Nordrhein-Westfalen. Wer bei Backwerk mitmachen, seinen eigenen Laden eröffnen möchte, muss sich der Prüfung des Unternehmens unterziehen – und Eigenkapital mitbringen. Den Standort sucht Backwerk aus, verhandelt die Mieten, ermittelt die Umsatzchancen, lernt die Unternehmer in der Schulungsfiliale in Dortmund an.

  1. Seite 1: Billigbäcker Backwerk – „Wachstum kommt von den Snacks“
    Seite 2: „Wir können nur Einzelhandel“

1 | 2



Kommentare
30.12.2012
17:38
Billigbäcker Backwerk – „Wachstum kommt von den Snacks“
von albertus28 | #2

In der Tat,die schlauen Knaben blicken voll durch,das Geld machen die beiden,
...denn den Knochenjob und das Risiko fürs eingebrachte Eigenkapital i.d.R. Kredit haben die Franchise-Partner.

30.12.2012
10:37
Billigbäcker Backwerk – „Wachstum kommt von den Snacks“
von melr | #1

Kein Wunder, dass diese Bäckereiform einen deutlichen Aufschwung zeigt. Die klassischen Bäcker können da mit ihren relativ alten Waren, die vor Stunden gebacken wurden, nicht mithalten.

Selbst die Bäckerei-Filialunternehmen kommen da nicht mit den laufend neu aufgebackenen Waren von Backwerk mit. Auch da liegt vieles relativ lange in den Auslagen, anstatt just-in-Time nachgebacken zu werden.

Eins ist aber negativ an der gesamten Branche: die Brötchen werden oft recht dunkel gebacken. Malzer scheint da der Branchenprimus zu sein. Um an deren Umsätze heran zu kommen, gehen die anderen Filialbäcker auch dazu über, die Brötchen recht dunkel zu backen, wie man unter der Hand sagte.

Aus dem Ressort
Thyssen-Krupp Steel führt die 31-Stunden-Woche ein
Stahl
Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp Steel führt an seinen Standorten Duisburg, Bochum, Dortmund, Finnentrop und Siegen die 31-Stunden-Woche bei Lohnverzicht ein. Darauf haben sich Unternehmen und Betriebsrat verständigt. Der „Tarifvertrag Zukunft“ soll Stellenstreichungen und Kurzarbeit verhindern.
Jeder vierte Auszubildende in Duisburg bricht die Lehre ab
Arbeitsmarkt
Jeder vierte Duisburger Auszubildende beendet seine Lehre nicht. Gründe dafür können sowohl eine falsche Berufswahl aber auch zwischenmenschliche Gründe sein. Allein im letzten Jahr wurden 966 Ausbildungen abgebrochen. Um die Zahlen zu senken setzt die Arbeitsagentur auf die Berufsorientierung.
Warum Buchhändler das Ende der Buchpreisbindung fürchten
Freihandel
Buchhändler machen mobil gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Ihre Angst: Bei den Verhandlungen könnten die Europäer die deutsche Buchpreisbindung opfern. Aber sind die festen Preise überhaupt noch zeitgemäß - und was wäre, wenn die Preisbindung verschwände?
„Rote Karte gegen Tarifflucht“ bei Amazon in Rheinberg
Streik
Die Beschäftigten des Onlineversandhändlers Amazon wollen unbedingt einen Tarifvertrag abschließen. Die Haltung, dass das Unternehmen mit den Mitarbeitervertretern darüber nicht einmal reden wolle, müsse aufgebrochen werden. Man werde nicht locker lassen, kündigen DGB und Verdi an.
Autozulieferer Hella aus Lippstadt geht an die Börse
Familienunternehmen
Mit neuer LED-Lichttechnik und Elektronik für die Automobil-Industrie wächst Hella aus Lippstadt seit Jahren. Der Automobilzulieferer eilt von Erfolg zu Erfolg. Jetzt geht das Familienunternehmen an die Börse. Platziert werden aber nur 15 Prozent der Anteile.
Umfrage
Statt mit Aufkleber will Verkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut mit automatischer Nummernschild-Erkennung an den Autobahnen kontrollieren lassen. Was halten Sie davon?

Statt mit Aufkleber will Verkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut mit automatischer Nummernschild-Erkennung an den Autobahnen kontrollieren lassen. Was halten Sie davon?