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Arbeitsagentur steht zu Amazon-Praktika

11.11.2011 | 20:04 Uhr
Arbeitsagentur steht zu Amazon-Praktika
Auch im neuen Amazon-Lager in Rheinberg haben Arbeitslose unentgletliche Praktika absolviert. Fotos:Weißkopf /WAZFotoPool

An Rhein und Ruhr.   Hohe Vermittlungsquoten. Erwerbslosenforum nennt Kritik von Minister Schneider (SPD) „scheinheilig“. Die Praxis „geschah mit dem Wissen und dem Segen des NRW-Arbeitsministeriums“.

Die Praxis des Internet-Händlers Ama­zon, Hunderte Arbeitslose vor einer Anstellung in den Lagern Rheinberg und Werne zwei Wochen umsonst arbeiten zu lassen, sorgt weiter für Wirbel. Am Freitag konterte die Arbeitsagentur die Kritik von NRW-Arbeitsminister Schneider (SPD), der am Tag zuvor von „skandalösen Praktiken“ gesprochen hatte. An dem Verfahren bei Amazon sei „kein Haken dran und kein Trick dabei“, sagte der Sprecher der NRW-Arbeitsagentur, Werner Marquis, der NRZ. Die Praktika seien „korrekt und vernünftig“. Das Erwerbslosenforum kritisierte Schneiders Äußerungen als „scheinheilig“. Die Praxis „geschah mit dem Wissen und dem Segen des NRW-Arbeitsministeriums“.

Bis zu 90 Prozent mit neuem Job

Marquis nannte erstmals konkrete Vermittlungsquoten der Arbeitslosen, die zunächst „freiwillig“ in unbezahlte Praktika geschickt worden seien. Demnach wurden von 413 Arbeitslosen, die das Jobcenter im Kreis Wesel zunächst in Praktika bei Amazon in Rheinberg vermittelt hatte, 78 Prozent eingestellt – allerdings nur befristet auf wenige Monate. Im Lager Werne hätten gar 90 Prozent der 1034 vom Jobcenter Unna vermittelten Arbeitslosen ei­nen Job erhalten. „Das belegt doch, dass da Arbeit ist“, so Marquis. Einen Bericht, wonach in Werne lediglich 500 von 942 Arbeitslosen nach dem Praktikum eingestellt wurden, nannte die Sprecherin des Jobcenters Kreis Unna „falsch zitiert“.

Zu Aussagen, Amazon habe bei seinen Einstellungsterminen von Hartz-IV-Beziehern grundsätzlich ein Praktikum gefordert, während andere Bewerber sofort eingestellt wurden, wollte sich Marquis nicht äußern. Dies sei bislang nur „vom Hörensagen“ bekannt. Dass es bei Amazon überhaupt derart massenhaft zu den Praktika gekommen sei, „liegt doch daran, dass Amazon so viele Arbeitsplätze geschaffen hat und zudem so viele Arbeitslosengeld-II-Empfänger einstellt“, so Marquis.

Thomas Rünker

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Kommentare
13.11.2011
03:49
WallMart Deutschlands
von buerger99 | #6

Der US Steuerzahler sponsort mit einigen Mrd.$ die Sozialkosten der WallMart Mitarbeiter weil WallMart trotz Vollzeitjob oder in Teilzeit so wenig zahlt das die Mitarbeiter Zuschüsse für Krankenkassen und Mieten vom Staat erhalten.

Amazone geht sogar noch weiter, 0€-Jobs... Wobei 0€ Jobs für Null Kosten steht !

Da muss man sich nicht wundern das wir immer weniger Arbeitslose haben ;-)

Der 0€ Jobber bei Amazone sortiert und packt Pakete die dann vom Hermes Boten ausgeliefert werden. Der Hermens Bote bekommt gerade mal 60cent pro zugestelltem Paket und ist "Freiberufler". Davon kann man natürlich nicht leben, also gibt es "Stütze" aus den Sozialkassen.
Die Sozialkassen bekommen ihre Geld von den Zwangsbeiträgen dieser immer weiter abnehmede Spizies der "sozialversicherten Voll-Jobber" die von ihrem eigenen Lohn dank stetig steigernder Steuern und Abgaben noch einigermaßen leben können.
Diese so gemolkenen "Deppen der Nation" die nicht ihr Einkommen durch diverse Abschreibungen und Investitionen in Schiffe, Flugzeuge oder Immobilien "gesundrechnen" können landen dann irgend wann "Outsourcing" begründet in einer neuen Firmen die natürlich für weniger Geld die gleiche Arbeitsleistung abverlangt.

Wer Pech hat landet aber bei einer Zeitarbeitsfima, z.B. der DVG.
Fährt nun als Busfahrer die DVG ( Duisburger Verkehrsgesellschaft ) Fahrzeuge für 8€/Std. und macht den gleichen Job wie sein Kollege der direkt bei der DVG angestellt ist und noch ca.16€/Std. bekommt.
Man kann auch bei DB Zeitarbeit oder diversen anderen Firman landen...

Das man dann irgend wann als "Rentner" trotz 45 Jahren Volljob eine Rente erwarten darf die gerade mal HartzIV ausmacht ist doch auch egal... man bekommt ja notfalls "Stütze" und übrigens so sagen es uns die Politiker, man hätte ja privat vorsorgen können! Schließlich kostet das Bärenticket nur ca. 65€/ pro Monat. Inkl. 1. Klasse gültig in Preisstufe D des VRR. Zumindest der Weg zum Rentenzusatzjob kostet dann weniger, der normale Malocher zahlt fürs gleiche Ticket 190€.

1 Antwort
Volltreffer
von taosnm | #6-1

Sehr passende Beschreibung einer üblichen Karriere. Solange Geld genug vorhanden ist für die Luxuspensionen der Politiker, wird sich nichts daran ändern.

12.11.2011
21:17
Regionaldirektionen
von akaz | #5

Das hätte mich auch stark gewundert, wenn die Regionaldirektionen irgendetwas, und sei es noch so unbedeutend, falsch gemacht hätten. Argen machen keine Fehler. Deshalb gibt es auch keine Widersprüche gegen und auch keine Prozesse um Bescheide, die mit einer hohen Quote gegen die Argen entschieden werden.

Die Verfahren um Praktika und Bezuschussung für Firmen sind von der Politik so gewollt, und die Argen sind eben deren Erfüllungsgehilfen.

Wenn ein Herr Marquis davon spricht, dass "Praktika sind legitimes und vernünftiges Verfahren", zeigt es, dass er nur die reine Lehre versteht. Wer will denn dagegen sprechen? Er spricht von Theorie, ohne die Praxis wahrnehmen zu wollen oder können oder dürfen.
Wenn SchülerInnen ein Praktikum von 2 höchsten 4 Wochen machen, um einmal ins Berufsleben reinrichen zu können, oder um den Wunschberuf zu finden, kann ich das noch verstehen.
Wenn aber innerhalb einer Fortbildungsmaßnahme, z.B. zum Großhandelskaufmann(frau), ein Praktikum von einem halben Jahr ohne Bezahlung absolviert werden muss, dann ist das doch höchst grenzwertig. Auch für solche Praktika erhält der Arbeitgeber noch einen Zuschuss, damit er die Praktika anbietet.
Wenn dann aber Firmen für Saisonkräfte, maximal 3 Monate beschäftigt, erst noch ein Praktikum verlangen und bewilligt bekommen, dass ist nicht mehr tolerierbar.

Wer glaubt, dass die Argen dies ohne Wissen von oben, also Landesministerium, Bundesministerium und Bundesanstalt, abläuft, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Da kann sich ein Guntram noch so echauffieren. Der ist und bleibt ein Gewerkschaftler, der jeden Kontakt zur Basis verloren hat und nur noch Wertfreies von sich gibt. Das Erwerbslosenforum hat hier 100%-ig Recht.

Dass diese Praktikantenpraxis jetzt so hoch kocht, ist doch ausschließlich der Beharrlichkeit der Medien zu danken. Die WAZ könnten die Herren und Damen ja noch so eben aushalten, aber bei Fernsehberichten wird es schon schwieriger.

12.11.2011
12:30
Alle Firmen erpressen Geld vom Staat, denn sie drohen immer mit Abwanderung
von carlotarrasqua | #4

@nachdenken Wunderbarer Kommentar! Gehirngewaschen ist das richtige Wort. Die Agenturen statten die Firmen illegal mit Geld aus und das im großen Stil, die Politiker sehen zu wie die ganzen legalen Jobs den Bach runter gegangen sind und gehen und alles, weil die Unternehmen, ALLE UNTERNEHMEN, die Politiker, somit die ÖFFENTLICHKEIT UND SOMIT UNS ALLE ERPRESSEN!! Seit wann ist Erpressung eigentlich kein Verbrechen mehr?? Sie sagen entweder direkt wir wandern ab, wir wollen Geld haben, oder sie lassen es indirekt anklingen! Ein Skandal aller erster Ordnung!

12.11.2011
11:32
Wertersatz einklagen! Differenz zu ALG II und Lohn besonders Rentenanspruch!
von nachdenken | #3

Zusatz an die Betroffenen:
Es ist möglich einen Wertersatz für die Probezeit einzuklagen, das würde z.B. den Rentenanspruch erhöhen und vielleicht eine Nachzahlung ergeben.
Da kann es sein, dass das sogar das Jobcenter zahlen muss, weil die so fahrlässig waren, diese Monopolistenförderung durchzuwinken. Im 1-Euro-Job Bereich gibt es da schon Urteile zu. Weswegen laut einem Professor die Jobcenter schon zittern, dass sie alles zahlen müssen (speziell im kirchlichen Bereich).

Tut mir Leid für die Tippfehler s.u., leider ist die Funktion der Vorschau vom Westen nicht mehr da, dass man korrigieren könnte.

12.11.2011
11:21
Da wär ich aber vorsichtig mit dem "zu Amazon-Praktia stehen".. 400.000 Euro Steuerzahlregeld und mehr veruntreut??
von nachdenken | #2

Eine Probezeit ist Arbeitszeit, die normal bezahlt wird, während der der Arbeitgeber und Arbeit_nehmer_ entscheiden kann, ob die Arbeit oder der Mitarbeiter geeignet ist.
Die muss nicht weiter subventioniert werden vom Steuerzahler oder sogar überwiegend wieder von den Arbeitnehmern, wenn die Versicherungsleistung "Arbeitslosengeld" vom Amt weiter gezahlt wird.
Praktika sind z.B. für Schüler geeignet um in den Beruf zu "schnuppern" oder Studierende , aber nicht für normale Arbeitskräfte.
Wenn 90 % übernommen wurden, hatten sie auch keine "Vermittlungsprobleme" und gearbeitet ist gearbeitet, da gibt es Tarifverträge oder ortsübliche Löhne, sonst nichts!

Und der Herr Marquis, der das für üblich hält, mit vom Amt bezahlter "Probezeit" scheint auch schon vollkommen gehirngewaschen zu sein.
Evtl. könnte gegen Herrn Marquis ein Verfahren wegen Veruntreuung von diesen Geldern eingeleitet werden. Oder gegen die Jobcenter. Oder die Krankenkassen und Rentenkassen klagen auf Schadenersatz wegen entgangener Sozialleistungen. Denn bei Hartz IV wird ja nicht mehr in die Rente eingezahlt! Mindestens eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Agentur für Arbeit müsste drin sein.
Oder die Industrie und Handelskammern klagt wegen Wettbewerbsverzerrung.
Es gäbe für gute Anwälte bestimmt ein paar Anhaltspunkte.
Was dann die Frau von der Leyen an "Sozialgeldern" einspart, wenn die schleichende Unternehmenssubventionierung in Form von kostenfreier Arbeitnehmerüberlassung wegfällt!
Dann muss nämlich Amazon sogar noch in die Sozialkassen EIN-zahlen!!, statt sie zu leeren. 400.000 Euro, davon vielleicht 30 Prozent Sozialabgaben = 120.000 Euro Einnahmen für den _Staat_!! Heißt für die Agentur ein "Plus" von 400.000 Euro + Anteil von den 120.000 Euro.
Würde regulär gezahlt, hätten wir keine Rentenaltersarmutsproblem...
Was für eine Betrügerei in großem Stil!!
Im Übrigen auch vo ndem kirchlichen Organisationen. Da geht es gleich in die Milliarden.

12.11.2011
09:24
Die volle Beschäftigung und das leere Portmonee.
von wohlzufrieden | #1

78 Prozent werden eingestellt. Aber nur, für wenige Monate. Wie bitte? Sieht so die angepeilte "Vollbeschäftigung" der Regierung aus? Das beweist aber, das sie mit den Beteiligten voll unter einer Decke steckt. Und die Erbärmlichkeit, mit der die Arbeitsagentur versucht sich raus zu reden, ist kaum noch erträglich, wenn ihr Sprecher behauptet, das bei den Praktiken von Amazon nicht getrickst wird. Vielleicht sollte dieser Herr mal unter diesen Bedingungen ein halbes Jahr arbeiten, dann würde er seine Äußerung überdenken. Ich kann mir nicht helfen, wenn ich solche Schlagzeilen lese, fällt mir immer das Wort "Arbeitsdienst" ein.

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