Die spinnen, die Finnen
15.06.2009 | 11:34 Uhr 2009-06-15T11:34:00+0200Recklinghausen. Ein T-Shirt mit den Tourdaten war Minimum. Wer wirklich was auf sich hielt, der hatte die Haare hochtoupiert zum gigantischen Einhorn, der hatte sich in eine lodernde Flammenhose geworfen und die XXL-Schnabelschuhe übergestreift. Und der reckte im Nu die Hände zum Himmel.
Über 7000 Menschen rockten am Samstag abend zusammen mit den „Leningrad Cowboys" den Hügel.
Die schräge Kultband aus dem hohen Norden zog eine völlig durchgeknallte Musikshow ab und sorgte für eine gut gelaunte Mega-Open-Air-Party zum Abschluss der Ruhrfestspiele. Die 13 Sänger und Musiker mixten alles mit allem. Rock'n'Roll-Klassiker, Pop-Hits und populäre russische Volksweisen verwurstet zu einem abgedrehten Gesamtkunstwerk.
Spätestens bei „Back in the USSR", hemmungslos kombiniert mit „Kalinka, Kalinka", ging die Post ab. Ob Beatles, Modern Talking oder Elvis, sie hauen alles raus, covern, was Akkordeon, Gitarre, Schlagzeug und Posaune hergeben. Nicht immer schön, aber immer schön schräg und schrill und laut (nur die Jungs vom DRK lauschten gelassen mit Ohrstöpseln). Was soll's, wenn die Stimmung stimmt. Und die kam rasch auf den Siedepunkt, denn die Cowboys machen Musik, bei der jeder mit muss. Ob Großmutter oder Punk im Muskelshirt, ob Hardcore-Fan oder Zufallsbekanntschaft, bei „Sweet Home, Alabama" sangen alle mit. Klassiker zum Mitgrölen, das geht immer. Dazu Comedy zum Ablachen, wenn die Gogo-Girls mit Mini-Hörnern die Musiker umtänzeln und ein rundlicher Elvis abrockt. In der ersten Reihe wippen die Tollen und am Ende darf sogar ein Mini-Cowboy auf die Bühne. Die spinnen, die Finnen!
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