Gaffer machen Handyfotos von Unfallopfern in Oberhausen

Auf der Gegenfahrbahn bildete sich eine lange Schlange, weil die Leute aus ihren Autos heraus mit Handys den Unfall filmten und fotografierten.
Auf der Gegenfahrbahn bildete sich eine lange Schlange, weil die Leute aus ihren Autos heraus mit Handys den Unfall filmten und fotografierten.
Foto: Feuerwehr
Was wir bereits wissen
Statt zu helfen, fotografieren und filmen Menschen Unfallopfer immer öfter mit ihren Handys. Das war jetzt auch in Oberhausen wieder der Fall.

Oberhausen.. Der stellvertretende Leiter der Berufsfeuerwehr, Gerd Auschrat, ist entsetzt: Bei dem schlimmen Unfall am Samstag auf der A3 hinter dem Autobahnkreuz West, bei dem sechs Menschen zum Teil schwer verletzt wurden, filmten und fotografierten schaulustige Menschen jeden Alters die Unfallstelle und die Opfer.

„Die Leute stiegen auf der gesperrten Fahrbahnseite aus ihren Autos und liefen in den Unfallbereich“, beobachtete Einsatzleiter Auschrat. Im Gegenverkehr, der ungehindert hätte fließen können, bildete sich ein kilometerlanger Stau, weil Leute aus ihren Autos heraus Fotos und Filme machten.

Wachsende Respektlosigkeit

Ein Einzelfall? Nein. „Die Menschen haben jede Hemmschwelle verloren“, hat Auschrat erfahren. Sie vergäßen das Wesentliche, nämlich zu helfen. Dabei behindern sie nicht nur die Arbeit von Feuerwehr und Polizei, sie drängen auch in die Intimsphäre der Unfallopfer ein. Auschrat: „Wir müssen mittlerweile mehr Personal einsetzen, um Unfallstellen zu sichern und um die Privatsphäre der Opfer zu schützen.“

Er spricht von einer traurigen Entwicklung. Dazu gehöre auch eine wachsende Respektlosigkeit vor Einsatzkräften. So wurde erst kürzlich ein Rettungsfahrzeug auf der Auffahrt zur A42 von einem anderen Wagen der Fahrbahn abgedrängt und ausgebremst. „Die Fahrer des Rettungswagens wurden auch noch schwer beleidigt“, sagt Auschrat. Sie hätten das zur Anzeige gebracht.

Straßenabsperrungen wirken nicht mehr

Mit Anzeigen, dann wegen unterlassener Hilfeleistung, müssen auch Menschen rechnen, die an Unfallopfern einfach vorbeifahren. „Das ist eine Straftat“, sagt Polizeisprecher Tom Litges. Genauso übrigens wie die Behinderung von Rettungskräften.

Tom Litges hört von Kollegen auch immer wieder, dass sich Verkehrsteilnehmer um Straßenabsperrungen nicht mehr scheren. Einen drastischen Fall erlebte da wiederum Gerd Auschrat, als er auf der Weseler Straße zufällig einen verunglückten Radfahrer entdeckte. Der Mann habe auf der Straße gelegen. „Ich habe erste Hilfe geleistet und Feuerwehr und Polizei gerufen“, sagt Auschrat. Die ganze Zeit seien Autos kreuz und quer an ihnen vorbeigefahren. „Als die Polizei die Straße gesperrt hatte, fuhren die Wagen noch über den Fußweg“, erzählt der Feuerwehrmann. Geholfen habe niemand.