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Interview

Uni-Prof. Björn Niehaves erklärt, warum er Siegen mag

22.01.2016 | 18:00 Uhr
Uni-Prof. Björn Niehaves erklärt, warum er Siegen mag
Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves (links im Bild) spricht im WP-InterviewFoto: Kreis

Siegen.   Prof. Björn Niehaves hat an der Uni den Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik inne. Der Tausendsassa ist von Berlin ins Siegerland gezogen. Hier erklärt er, warum.

Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves ist nicht nur wortwörtlich groß, gut zwei Meter misst er. Und er hat auch schon Großes geleistet: Neben seinen zweifachen Promotionen im Bereich der Wirtschaftsinformatik und der Politikwissenschaft hat der 37-Jährige zahlreiche Auslandsaufenthalte zum Beispiel in Harvard (USA) und Waseda (Japan) vorzuweisen. Kürzlich vertrat er die Universität Siegen beim 1. Siegener Science Slam im Apollo- Theater. Bevor er nach Siegen ging, lebte er in Berlin: Seit knapp einem Jahr hat er jetzt den Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik an der Siegener Uni inne.

Herr Niehaves, Sie sind der Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik. Wenn ich mich hier bei Ihnen im Büro so umschaue, kann ich mir eigentlich gar nicht wirklich vorstellen, was Sie in Ihrem Alltag so machen. Eine riesige Sammlung von Reiseführern, politische Sachbücher und eine große Wand mit Umzugskartons, auf denen sich ein schwarzer Graffiti-Hai befindet … Können Sie mir erklären, was genau das zu bedeuten hat?

Björn Niehaves: Naja, also die Büchersammlung steht hier, weil ich hier den Platz habe und tatsächlich hin und wieder eines der Bücher zur Hand nehme. Und zu dem Hai: Vielleicht können Sie mir ja sagen, was das heißen soll.

Nun ja, so etwas habe ich im Büro eines Wirtschaftswissenschaftlers einfach nicht erwartet. Aber der Hai sieht interessant aus. Fast wie abstrakte Kunst. Aber zurück zum Thema: Was machen Sie denn den ganzen Tag, wenn Sie nicht gerade lesen oder sich kreativ ausleben?

Ich interessiere mich dafür, in wieweit technische Innovationen unser Leben und unsere Arbeitswelt beeinflussen. Hier an der Universität Siegen habe ich in den letzten Monaten das „Center Responsible Innovation and Design“ (CRID) ins Leben gerufen. Dort geht’s um ethische und gesellschaftliche Aspekte von technischen Innovationen. Die Arbeiten dort versuche ich mit denen meines Team am Lehrstuhl zu verbinden.

Sie haben zahlreiche Auslandsaufenthalte vorzuweisen und lebten zuletzt in der Bundeshauptstadt Berlin. (Besonders einige Studierende haben so ihre Vorurteile gegen die Stadt.) Wie wohl fühlen Sie sich im Gegensatz dazu jetzt in Siegen?

In der Tat finde ich es schön, hier zu leben. In Berlin musste ich jeden Tag mehr als eine halbe Stunde zur Arbeit hin- und dann noch mal zurück pendeln, obwohl ich mit meiner Frau dort recht zentral gelebt habe. In Siegen sind die Wege kürzer und das schafft auch Lebensqualität. Und meine Arbeit an der Uni bereitet mir viel Freude. Themen werden hier sehr interdisziplinär behandelt, das macht mir vor allem beim FoKoS, dem Forschungskolleg der Uni Siegen, viel Spaß. Auch die Vernetzung mit Unternehmen oder den Institutionen in der Region funktioniert dank Siegener Mittelstandsinstitut (SMI) sehr gut.

Also vermissen Sie das turbulente Leben in Großstadt nicht?

Einerseits kommt man ja trotzdem viel rum, ich bin häufig auf Projekttreffen, Tagungen und Kongressen. Andererseits versuchen meine Frau und ich auch zum kulturellen Leben in Siegen unseren Beitrag zu leisten. Meine Frau hat vor einigen Monaten ihre Galerie in der Alten Poststraße eröffnet und dort finden ebenfalls viele Events statt. Nicht jammern, sondern selbst etwas bewegen … das ist ein Motto, man hört es oft bei Siegenern, dem ich nur beipflichten kann.

Haben Sie dennoch konkrete Pläne für die Zukunft hier in Siegen? Wenn man sich ihren Lebenslauf so anschaut, könnte man meinen: Der Mann hat im Leben schon alles erreicht.

Genau, also ich freue mich auf jeden Fall schon auf die Rente. Nein, im Ernst, ich habe einige Dinge vor. Auf der technologischen Seite sind Smartphones, Tablets und alle anderen Endverbrauchertechnologien sehr kostengünstig und einfach zu handhaben. Dadurch kann man Arbeitsprozesse individualisieren. Fachkräftemangel und demografischer Wandel – davon ist immer wieder in den Medien zu hören – können hiermit angegangen werden. Wir haben also einen echten Bedarf daran, Arbeit zu verändern. Digitaler Nomadism, Location-Independent Lifestyle, ein zunehmendes Verschwimmen von Arbeit und Freizeit, Individualisierung und Flexibilisierung der Arbeitsprozesse selbst… In der Wissenschaft und in der Praxis gibt es noch viel zu tun und dazu möchte ich gemeinsam mit meinem Team hier in Siegen einen Beitrag leisten.

Also den einen großen Traum, der sich noch erfüllen soll, den gibt es bei Ihnen nicht?

Im 12. Schuljahr habe ich tatsächlich im Berufsinformationszentrum mal einen Test gemacht, bei dem zahlreiche Jobs für mich herauskamen. Und einer davon war dann lustigerweise „Universitätsprofessor“. Auf das Ziel, Wissenschaftler zu werden und mich mit den Themen der Digitalisierung zu beschäftigen, habe ich dann auch kräftig hingearbeitet. In den letzten 2 Jahren bin ich einen kleinen Umweg gegangen, denn ich habe an der Hertie School of Governance, einer Public Policy School in Berlin, stärker im politikwissenschaftlichen Bereich gearbeitet und geforscht. Das ist eine ungewöhnliche Entwicklung für jemanden, der eigentlich in der Wirtschaftsinformatik beheimatet ist. Es war aber eine tolle Erfahrung und ich habe dort interessante Persönlichkeiten kennengelernt. Deshalb weiß ich, wie wichtig es ist, sich Optionen gezielt zur erarbeiten und auch offenzuhalten.

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Natalie Meyer

Kommentare
22.01.2016
21:46
Fotozuschnitt
von jdoe4 | #1

Das Foto ist grandios. Von dem, um den es geht, sieht man nur 1/4 des Kopfes...

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2016-01-22 18:00
Universität Siegen