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Polizei in Lüdenscheid stoppt 18-jährigen Fahrer, weil sie ihn für Kind hält

20.06.2012 | 18:34 Uhr
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Polizei in Lüdenscheid stoppt 18-jährigen Fahrer, weil sie ihn für Kind hält
Die Polizei stoppte den Wagen des 18-jährigen Lüdenscheiders Tim Halbe. Den Beamten sah er zu jung für einen Autofahrer aus.Foto: Guido Raith/WR

Lüdenscheid.  Tim Halbe ist schwer herzkrank und sieht deshalb mit seiner Körpergröße von 1,53 Metern jünger aus, als er ist. Die Polizei stoppte ihn nun rabiat als vermeintlich jugendlichen Autodieb und zeigte ihn wegen Unachtsamkeit an. Die Familie wartet auf eine Entschuldigung der Polizei.

Als die Ampel auf Grün umspringt und Tim Halbe seinen Mercedes in Bewegung setzt, rauscht von der Seite ein Polizeiwagen heran und versperrt die Abbiegespur. Er bremst noch, touchiert den Streifenwagen . Seine Stoßstange hat ein paar Beulen, das Polizeiauto kleine Schrammen.

Tim Halbe ist geschockt, kann aber ahnen, warum die Beamten ihn anhalten: Mit 1,53 Metern Körpergröße und seiner schmächtigen Statur halten ihn viele für das Kind, was er nicht mehr ist. Tatsächlich ist Tim Halbe 18 Jahre alt, hat den Hauptschulabschluss in der Tasche, einen Führerschein und beginnt bald eine Kaufmannslehre im elterlichen Dachdeckerbetrieb. Für ein normales Leben muss der junge Erwachsene, der aufgrund eines mehrfachen Herzfehlers schwerbehindert ist und eben viel jünger aussieht, als er ist, jedoch kämpfen.

„Da rauschen die einfach von der Seite rein"

So wie in der Situation vor einigen Wochen, als die Polizei ausrückte, um ihn als vermeintlichen Autodieb zu stoppen. Tim Halbe hat gerade getankt und bezahlt und fährt nach Hause, da alarmiert ein Beobachter die Polizei, weil er ein Kind am Steuer wähnt. Als die Beamten den schmächtig aussehenden Tim Halbe wenig später am Steuer sehen, beschließen sie, ihn sofort aufzuhalten. „Da rauschen die einfach von der Seite rein. Ohne Vorwarnung“, erinnert sich Halbe.

"Da rauschen die einfach vor der Seite rein" - Tim Halbe war empört über das Verhalten der Polizei. Foto: privat

„Wir mussten dem Verdacht einer Straftat nachgehen und damit rechnen, dass der Junge Panik bekommt. Um eine Verfolgungsjagd zu verhindern, war das Aufhalten für uns das probate Mittel“, sagt der Polizeisprecher des Märkischen Kreises, Norbert Pusch. Mehr noch: Dass Tim Halbe bei dem rabiaten Manöver mit dem Polizeiwagen kollidiert, werten die Beamten als dessen „Unachtsamkeit im Straßenverkehr“ und brummen ihm eine Anzeige und ein Bußgeld von 35 Euro auf. Auch als der verständigte Vater dazukommt und die Beamten bittet einzulenken, bleiben diese hart.

Sirene nicht gehört

Tim Halbe und seine Eltern empfinden das Verhalten der Polizei als diskriminierend. „Kann man nicht auch anders handeln? Haltezeichen geben, per Lautsprecher zum Stehenbleiben auffordern? Wir sind doch hier nicht in Chicago!“, beschwert sich Vater Thomas Halbe. Die Sirene sei eingeschaltet gewesen, gibt die Polizei an. Tim Halbe sagt, er habe nichts gehört. „Es geht mir nicht um das Blech – sondern darum, wie man mit dem Jungen umgegangen ist“, so Halbe, in dessen Augen gerade die Anzeige eine „Frechheit“ ist. Familie Halbe will gegen die Anzeige vorgehen, ein Anwalt ist eingeschaltet.

Tim Halbe hat mit 18 Jahren schon viel durchgemacht. Sieben Herzoperationen musste er sich unterziehen. Foto: Raith

Dass Thomas Halbe sich so leidenschaftlich für seinen Sohn einsetzt, hat gute Gründe: Tim hat viel hinter sich. Lange Krankenhausaufenthalte , sieben Herzoperationen . Er leidet unter einem schweren Herzfehler, Behinderungsgrad 100. Seine Eltern wollen ihm trotzdem ein normales Leben ermöglichen. Stolz sind sie, dass er auf eigenen Beinen stehen will, bald die Ausbildung beginnt.

Verhalten der Polizei macht den Vater fassungslos

Doch Rückschläge gibt es immer wieder: Vergeblich bewarb er sich jenseits von Vaters Betrieb um Lehrstellen. Häufig werde er auf der Straße wie ein Kind behandelt – ob beim Versuch, in die Disco zu gehen oder eben jetzt als Autofahrer, berichtet er.

Kommentar
Menschlichkeit vor Bürokratie

Dass die Polizei in  Lüdenscheid dem Verdacht nachgeht, hier könne ein Kind eine Spritztour unternehmen, ist richtig. Nicht verständlich ist jedoch, dass die Polizei nach einem rabiaten Aufhaltmanöver dem verunsicherten Mann noch eine Anzeige aufbrummt.

Schwerer als ein Sachschaden wiegen doch die gefühlten Schläge, die der junge Mann jedes Mal einstecken muss, wenn er wie ein Kind behandelt wird. Spätestens nachdem die Polizei bei der Überprüfung seines Führerscheins feststellte, dass hier ein Volljähriger vor ihnen sitzt, wäre eine Entschuldigung fällig gewesen. Entschuldigen könnten sich Beamte auch damit, Menschlichkeit vor Bürokratie walten zu lassen und den Verkehrsunfall gar nicht erst zur Anzeige zu bringen.    Florentine Dame

 

„Er darf wählen, aber am sozialen Leben kann er nicht ohne Weiteres teilnehmen“, klagt sein Vater. „Die Zeit, die er noch hat, darf doch nicht durch solche Hindernisse kaputt gemacht werden“, fügt er hinzu. Wie sich die Polizei verhalten hat, macht ihn fassungslos: „Die Lüdenscheider Polizei hat noch nicht einmal den Mumm, sich zu entschuldigen.“ Dazu der Polizeisprecher gegenüber der Westfälischen Rundschau: „Entschuldigen muss man sich nur, wenn seitens der Polizei ein Fehlverhalten vorliegt.“ Und das kann Polizeisprecher Norbert Pusch nicht erkennen.

Florentine Dame

Kommentare
27.06.2012
11:53
Polizei in Lüdenscheid stoppt 18-jährigen Fahrer, weil sie ihn für Kind hält
von ExWalsumer | #70

Versteh ich nicht. Man wollte eine Verfolgungsjagd vermeiden komt aber angeblich mit Blaulicht uns Sirene angerauscht? Also wenn bei etwas bei einem Straftäter einen Fluchtreflex auslöst, dann doch Blaulicht und Sirene. Irgendwie ergibt das für mich kein Sinn, das widerspricht sich.

Unabhängig davon muß ich sagen, das man die heute üblichen Martinshörner tatsächlich erst hört, wenn der Wagen direkt neben einem ist und das sogar bei Musik in normaler Lautstärke. Einzige Chance ist das Blaulicht. Die sind mittlerweile schön hell und gut sichtbar. Wenn nicht gerade die Sonne scheint.

Das 35-Euro-Ticket sieht für mich aus, als hätten die Polizisten ihren Fehler bemerkt und Angriff ist ja die beste Verteidigung. Wenn der junge Mann in seiner unerfahrenheit einfach die 35€ aktzeptiert hätte, damit nichts schlimmeres kommt, wäre das ein Schuldeingeständnis gewesen und die Polizei wäre fein raus.

Jedenfalls haben die Polizisten mit der Aktion ihren Berufsstand damti einen Bärendienst erwies

25.06.2012
18:12
Polizei in Lüdenscheid stoppt 18-jährigen Fahrer, weil sie ihn für Kind hält
von bluebasic | #69

Das allerletzte ... Frechheit ... wo sind wir im Wilden Westen!?
Mehr schreibe ich dazu nicht! Besser ist das!
Diese Polizei soll man Respektieren? Pfffft...

22.06.2012
21:57
Polizei in Lüdenscheid stoppt 18-jährigen Fahrer, weil sie ihn für Kind hält
von Hastalamuertesiempre | #68

Jaja, das Blaulicht war eingeschaltet... Wieviele Polizeiwagen ich schon gesehen habe, die verkehrswidrig fuhren, U-turns, über Rot fahren etc. Alles ohne Blaulicht. Was so schlimm daran ist?

Dass die Polizei hierzulande nur mit Blaulicht und Martinshorn solche den Strassenverkehr gefähredende Kapriolen vollführen darf.

In diesem Fall, also einfach den Polizeiwagen vor den PKW des vermeintlichen Täters zu manövrieren, so dass ein Zusammenstoss schon von einem 5-jährigen Kind erahnt werden kann, war nicht so der Brüller. Dass die Polizei sich dann aber auch noch aus der Sache herausreden will, ist schon erstaunlich dämlich. Wer hat hier denn wohl was provoziert?

Unfassbar...



22.06.2012
19:37
Polizei in Lüdenscheid stoppt 18-jährigen Fahrer, weil sie ihn für Kind hält
von Lally | #67

„Entschuldigen muss man sich nur, wenn seitens der Polizei ein Fehlverhalten vorliegt.“ Und das kann Polizeisprecher Norbert Pusch nicht erkennen.

Nicht? Das was sich die Polizei manchmal herausnimmt, spottet jeder Beschreibung. Polizei scheint kein Beruf mehr zu sein, sondern ein Machtstatus. Da werden einem seitens derer, die einen eigentlich schützen sollen, Sachen unterstellt die unter aller Kanone sind.

@LordHelmchen. Irgendwas verpasst?? Es geht hier eigentlich darum, wie die Polizei hier vorgegangen ist.

22.06.2012
15:07
@ T3-Bus
von Tritt_Brettfahrer | #66

Die Arroganz der Macht
Möglicherweise hatte der Junge ein Loch im Herzen (dafür sprechen die vielen Operationen) und ist jetzt wieder vollständig gesund. Dass er zu 100 % schwerbeschädigt ist, kann eine Folge der Operationen sein, sagt aber nichts über den Zustand seines Herzens aus. Auch gehe ich davon aus, dass der junge Mann aufgrund seiner Vorgeschichte nicht ohne ärztliche Untersuchung seinen Führerschein erhalten hat. Ich weiß es nicht – Sie aber genauso wenig. Einem Menschen allein aufgrund eines Zeitungsartikels den Führerschein zu verwehren, halte ich für unverhältnismäßig.
Dass die Polizei einen so jungen Mann stoppt, ist vollkommen in Ordnung. Dass sie dazu ein riskantes Fahrmanöver wählt, man als vielleicht noch als verhältnismäßig (vor zwei Jahren hat die Dortmunder Polizei einen 19 jährigen zu Tode gehetzt) tolerieren, für den provozierten Unfall dann aber auch noch ein Bußgeld zu verlangen … siehe Überschrift.
t.

1 Antwort
Polizei in Lüdenscheid stoppt 18-jährigen Fahrer, weil sie ihn für Kind hält
von scion_tc | #66-1

Also ich bin laut Ausweis auch zu 50 Schwerstbehindert,
habe meinen Führerschein in der Tasche und wenn ich das lese zittere ich auch schon.
Ich sehe auch wie gute 15Jahre aus.

Aber das Verhalten der Beamten lässt immer mehr zum wünschen übrig,
auch ein Freund von mir ist mit seinem Roller zu uns gekommen. Er hat eine leichte Sprechstörung, und die Beamten sagten sowas wie "Bevor du wieder fährst wollen wir erst ein Alk-Test machen und deinen Roller überprüfen" aber in einem strengeren Ton.

So, dann konnte ich mich auch nicht zurückhalten und hab den es erklärt, und dann werde ich belangt ein Verwarngeld zu zahlen weil ich die Polizei unfreundlich anrede?!
Ja aber die haben den Test gemacht und den Roller überprüft... - Nichts gefunden.
Haben wir die Steuergelder wieder Sinnvoll genutzt. Der Roller sah stinknormal aus, also nichts auffällig aber ok.
Das Verwarngeld mußte ich nicht zahlen, aber auch erst nach heftigen Diskusionen auf der Wache. UNFASSBAR

22.06.2012
10:58
Polizei in Lüdenscheid stoppt 18-jährigen Fahrer, weil sie ihn für Kind hält
von T3-Bus | #65

ich bin mit vorangegangenen Kommentaren zur Fahrtauglichkeit voll auf der Linie der Kommentatoren. Wenn dieser Junge am Steuer Herzprobleme bekommt möchte ich nicht in der Nähe sein. Leider wird in Deutschland die Fahrtauglichkeit medizinisch nicht ausreichend überprüft. Das würde mal wirklich zu mehr Sicherheit führen. Wenn ich z.B Menschen sehe welche sich mit Gehhilfen zum Auto hangeln, frage ich mich: wann haben die wohl zum letzten mal den Schulterblick beim abbiegen genutzt ?
Ich halte es für schlicht für unverantwortlich, als kranker Mensch am Strassenverkehr teilzunehmen.

1 Antwort
Polizei in Lüdenscheid stoppt 18-jährigen Fahrer, weil sie ihn für Kind hält
von scion_tc | #65-1

In gewisser Weise hast du Recht, aber mir wäre es auch neu dass ein Auto von alleine weiter fährt.

Er wird sicherlich Ausreichend untersucht worden sein, also bitte...
Da kannst du dich mehr bei älteren Leuten ausscheißern, wo in einer Nachbarschafft eine Renterin mal eben 11 Leute umrast und darunter Kinder die fast gestorben sind. "Wuppertal Gräfrather straße"

22.06.2012
08:34
Polizei in Lüdenscheid stoppt 18-jährigen Fahrer, weil sie ihn für Kind hält
von harry621 | #64

@ Pyrexx
Sehe ich genau so. Da ist wohl jemand auf dem falschen Kurs.

22.06.2012
00:10
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #63

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

1 Antwort
Polizei in Lüdenscheid stoppt 18-jährigen Fahrer, weil sie ihn für Kind hält
von foxbravo | #63-1

Zum Letzten Kapitel :Da kann man Ihnen nicht wieder sprechen.

21.06.2012
22:42
Polizei in Lüdenscheid stoppt 18-jährigen Fahrer, weil sie ihn für Kind hält
von captainkawa | #62

Vollgas wäre die richtige Reaktion und mit der uralt M-Klasse den Plastik-Passat über die Kreuzung schieben! ..... ^^

21.06.2012
20:33
Polizei in Lüdenscheid stoppt 18-jährigen Fahrer, weil sie ihn für Kind hält
von meinemeinungdazu | #61

Der Polizei glaube ich nichts. Schon zu oft ist die Wahrheit vor Gericht verdreht worden. Warum sind wohl in der Regel 2 Polizisten vor Ort? Da hat ein Einzelner ohne Zeugen keine Chance. Und die Gerichte fallen immer wieder darauf herein.

1 Antwort
Polizei in Lüdenscheid stoppt 18-jährigen Fahrer, weil sie ihn für Kind hält
von Pyrexx | #61-1

Was für ein Schwachsinn... träumen Sie mal weiter...unglaublich...

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