WAZ-Thema
„Klare rechtsradikale Symbolik”
12.05.2009 | 17:51 Uhr 2009-05-12T17:51:00+0200
Ein Schüler der Hauptschule am Hölkeskampring wurde vom Unterricht ausgeschlossen. Wegen eines Linksscheitels.
Wegen einer nach links gescheitelten Frisur ist ein Schüler der Hauptschule am Hölkeskampring vom Unterricht ausgeschlossen worden. Marvin Schuster (Name geändert) sei mit einer Frisur zum Unterricht erschienen, die eine „rechtsradikale Grundhaltung” symbolisiere, heißt es in einem Ordnungsschreiben der Schulleitung vom 27. April, das der WAZ vorliegt. Nun erhebt der Vater des 15-jährigen Schülers schwere Vorwürfe gegen die Schulleitung: Seinen Sohn aufgrund seines Linksscheitels als rechtsradikal einzustufen, entspreche nicht den Tatsachen. Vielmehr trage er ein Outfit, wie es „durchaus in der linken Szene” üblich sei, heißt es in seinem Brief an die Schulleitung. Gleichzeitig würde mit dieser Maßnahme seinem Sohn das Recht auf Bildung entzogen.
Seit diesem Schuljahr geht Marvin Schuster in die 8. Klasse der Hauptschule am Hölkeskampring. Davor war er Schüler am Haranni-Gymnasium. Seit einigen Wochen hat der 15-Jährige sein Aussehen komplett verändert: Er trägt einen neongelb-grünen Irokesen, einzelne Haarpartien hat er zu „Spikes”, die aussehen wie Stachel, zusammengegelt. Dazu trägt er Springerstiefel mit schwarzem Schuhband. Dieser Zeitung sagte Marvin Schuster, er sei „sehr links” und „Kommunist”. Mit der rechten Szene habe er dagegen überhaupt nichts zu tun. Vor einigen Monaten habe er sich der Antifa Bochum angeschlossen und besuche regelmäßig Demos dieser linken Gruppierung – zuletzt am 1. Mai in Wuppertal.
Erst als Marvin Schuster in der Schule aufgefordert wurde, seinen Irokesen glatt zu kämmen und die Springerstiefel nicht mehr anzuziehen, änderte er seine Frisur und kam mit anderen Schuhen. Doch der platt nach links gekämmte Scheitel verärgerte die Schulleitung nur noch mehr. Eine „eindeutig rechtsradikale Symbolik”, die von Marvin Schuster „offen zur Schau getragen” werde und eine Beleidigung für die Mitschüler sei, reichte der Schulleitung offenbar als Begründung, den Jungen vom Unterricht auszuschließen. Der Linksscheitel sei ein Abbild einer „Person des Dritten Reiches”. „Es ist eine verbotene Symbolik. Sie widerspricht der Verfassung”, sagte die Rektorin Claudia Aldibas-Könneke der WAZ. Trotz mehrerer Gespräche, an denen auch die Schulpsychologin teilgenommen habe, habe der Schüler deutlich gemacht, er wolle provozieren. Am nächsten und übernächsten Tag änderte Marvin Schuster seine Frisur nicht und wurde wieder vom Unterricht ausgeschlossen. Danach ist der 15-Jährige auf Anraten des Vaters nicht mehr hingegangen.
„Was die Schule macht, ist katastrophal”, sagt Anne Broden, Projektleiterin des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit NRW in Düsseldorf. Haarschnitte, egal welche, seien nicht verboten, stellt sie klar. „Das ist eine Fehlinformation, und ich weiß nicht, wie die Schulleitung auf so etwas kommt.” Wenn eine jugendkulturelle Selbstinitiierung wie ein Irokesenschnitt nicht einmal mehr an dieser Schule toleriert werde, wie wolle die Schulleitung dann für Demokratie werben? Das fragt sich Anne Broden.
Das Schulamt in Herne hat sich hinter die Schulleitung gestellt. „Die Schule verhält sich absolut korrekt. Ich bin mit den Maßnahmen voll einverstanden”, betont Christel Dahmen vom Schulamt gegenüber der WAZ. Auch sie findet: „Erst die Springerstiefel und dann der Scheitel. Er trägt sie bewusst und öffentlich. Das sind ganz klare rechtsradikale Symbole.”
Doch auch Klaus Farin, der Leiter des Archivs der Jugendkulturen in Berlin, bezeichnet die Einstellung der Herner Verantwortlichen als „skandalös”. „Sie lehrt die Jugendlichen nur, dass es schlecht ist, eine eigene Meinung zu vertreten. Dabei hat die Schule doch genau solch einen Bildungsauftrag.” Dies stehe im krassen Gegensatz zu dem, was die Hauptschule am Hölkeskampring auf ihrer Homepage als eines ihrer Ziele formuliert: Erziehung zur Freiheit, Demokratie und zu Toleranz. „Die Schulleitung braucht dringend eine Fortbildung, zum einen in den Aufgaben der Schule in einer Demokratie und zum anderen in rechter Symbolik”, fordert Klaus Farin.
Der Vater von Marvin Schuster hat sich bereits an das Schulministerium in NRW gewandt, das seine Beschwerde an die zuständige Bezirksregierung in Arnsberg weitergeleitet hat. Bisher hat er noch keine Antwort erhalten. Während der Recherchen zu diesem Artikel hat sich Marvin Schuster entschlossen, wieder zur Schule zu gehen. Seit letzte Woche Freitag nimmt er wieder am Unterricht teil. Seine Frisur hat er nicht verändert. Gesagt hat niemand etwas.
18:32
Herr,
erbarme dich.
Sch... Hirn vom Himmel, über Herne.
Bitte.
08:37
Mein Sohn musste, aufgrund einer Meinungsäusserung zu dieser Sache auch Repressalien hinnehmen.
Er wurde von einer Klassenveranstaltung ausgeschlossen, weil er einfach unaufgefordert seine Meinung gesagt hat.
Er meinte, dass es gut sei, dass der Schüler sich gegen diese Anschuldigungen gewehrt habe und dass er es gut fände, dass die Schule dafür ein drüber kriegt.
Daraufhin hat die Lehrerin ihn von der Klassenveranstaltung des nächsten Tages ausgeschlossen.
Ich hab mit der Dame dann mal geredet, aber das war völlig sinnlos.
Die beharren auf ihrem Standpunkt wie kleine Kinder.
Ich bin froh, dass mein Sohn jetzt auf dieser Schule eine andere Lehrerin hat.
Eine sehr fähige Lehrerin. Und siehe da, der Notendurchschnitt bessert sich enorm.
Die anderen waren wohl doch zu sehr damit beschäftigt Nazis zu jagen.....
18:53
Da kann einem nur schlecht werden, vor allem, wenn man sich die Pläne des Hamburger Senats vor Augen führt. Der will das elterliche Mitspracherecht bei der Auswahl der weiterführenden Schule nach der Grundschule abschaffen und komplett in die Hände der Lehrer legen. Und Pappnasen wie die hier beschriebenen entscheiden dann, ob mein Kind eine Chance auf eine echte Zukunft haben wird oder sich besser gleich die Kugel geben sollte.
16:23
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11:25
Wir leben doch immer noch in einer Demokratie und da sollten unterschiedliche Meinungen toleriert werden. Es ist völlig egal, ob jemand links, mitte, oder rechts ist. Die entscheidende Frage ist eher, ob der Schüler gegen Gesetze, oder die Ordnung verstoßen hat. Bin mir bei seinem Weltbild nicht ganz sicher, aber ANTIFA ist mitunter eine kriminelle Vereinigung! Allerdings entschuldigt das nicht die unqualifizierte Äußerung der Schulleitung! Allgemeinbildung: Fehlanzeige! Wo bleibt übrigens das Recht auf Meinungsfreiheit? Diese angeblichen Pädagogen müssen vom Unterricht ausgeschlossen werden, nicht andersdenkende Schüler!
21:33
DIe Nazis sind keinesfalls die Opfer. Polizisten verhindern wo sie nur können, dass Rechtsradikale Straftaten in die Statistiken fallen.
Aber das mit der Frisur ist absoluter Schwachsinn! Wir leben in einer Demokratie und Nazisymbolik sollte schon eindeutiger sein!
Und vom Prinzip her sollte man den ohnehin schon dummen Nazis nicht noch den letzten Funken Bildung nehmen.
10:07
Wie sich nach recherchen herausstellt, ist diese Schule das Opfer ihrer eigenen Regeln geworden.
Nachdem Modemarken, wie Fred Perry, Lonsdale etc. die in der Vergangenheit immer wieder mit Rechsradikalen in Verbindung gebracht worden sind, verboten wurden, seitdem denunzieren sich Schüler gegenseitig!! Herrlich...!
Jeder soll plötzlich Nazi oder Linker sein, der nur im geringsten die Kleiderordnung missachtet.
Wie ist das eigentlich mit Unpolitischen, wie z.B. Hooligans (tragen überigens Turnschuhe und Lonsdale, Umbro etc.)
Iregendwie wird die Luft dünn!!!
03:19
Hahaha - so geil wie verwirrt die Gutmenschen hierzulande doch sind, ein Hoch auf unsere Politik^^
14:33
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20:57
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