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Wie der Stromkonzern Vattenfall Start-ups unterstützt

Wie der Stromkonzern Vattenfall Start-ups unterstützt

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Der staatliche Energieversorger versucht den digitalen Wandel und unterstützt Start-ups, die das Geschäft mit Energie neu erfinden.

Berlin. 

Strom kommt bekanntlich aus der Steckdose. Das war über Jahrzehnte ein erprobtes Geschäftsmodell der Energieversorger. Nicht nur die Energiewende stellte das in Frage, sondern auch die digitale Revolution. Als der Internetkonzern Google vor mehr als zwei Jahren für mehr als drei Milliarden Dollar das Start-up „Nest“ kaufte, muss das in der Branche ein Schock gewesen sein. „Nest“ verkauft vernetzte Heizungsthermostate, mit deren gesammelten Daten mittlerweile Kraftwerke gesteuert werden.

Seit einigen Jahren versuchen Stromerzeuger, sich neu zu erfinden. Auch der schwedische Staatskonzern Vattenfall, der in Berlin das Strom- und Fernwärmenetz betreibt und sich im aktuellen Vergabeverfahren für das Berliner Stromnetz beworben hat, unternimmt Schritte in diese Richtung.

RWE-Start-ups am Schlossplatz

Der Energiekonzern RWE ist bereits seit Mitte 2015 in Berlin auf der Suche nach innovativen Ideen. Das Unternehmen gehört zu den Gründungspartnern des German Tech Entrepreneurship Center (GTEC) in den Räumen der Privathochschule European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin – neben den Konzernen Metro und Henkel. Neue Geschäftsfelder zu entwickeln und das Energiesystem der Zukunft zu gestalten – mit diesem Anspruch traten die Essener in Berlin an.

Nun ist auch der Energiekonzern Vattenfall auf diesem Gebiet unterwegs. Zunächst hatten sich die Schweden im Gründerzentrum „Rainmaking Loft“ eingemietet. Jetzt sind die Gründer aus einem Kreuzberger Zweckbau ins schicke „WeWork“ am Potsdamer Platz umgezogen, ein sogenannter Coworking-Space nach amerikanischem Vorbild, der jungen Unternehmen Büros und Infrastruktur vermietet, mit weitem Blick auf Regierungsviertel, Tiergarten und City-West sowie Rundumversorgung bis hin zur Bier-Flatrate.

Saubere Elektrizität aus Batterien und Solarzellen

Dort sitzt das Start-up GreenHaus, ein aus dem Konzern heraus entstandenes „Eigengewächs“, das sich als Vermittler für dezentrale Energielösungen versteht. „Wir wollen Vertriebsprozesse für komplexe Produkte digital gestalten“, sagt Claus Wattendrup, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Innovation GmbH. Der Ingenieur, der selbst schon mehrere Start-ups gegründet hat, soll den Konzert fit machen für das digitale Zeitalter. Er betreut die Start-ups des Konzerns.

GreenHaus vermittelt Privatkunden Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher für Sonnenstrom und Wärmepumpen. Experten von GreenHaus beantworten Kundenfragen, planen Anlagen und senden nach einer telefonischen Beratung Angebote von unabhängigen Installateuren. Das Unternehmen befindet sich gerade in der Aufbauphase und bietet seine Dienste zunächst in Berlin, Brandenburg und Hamburg an.

Thermondo sieht Vattenfall-Plan gelassen

Mit diesem Konzept greift Vattenfall das Berliner Unternehmen Thermondo an und kopiert zumindest in Teilen deren Geschäftsmodell. Es wurde im Jahr 2012 gegründet. Thermondo kombiniert die Vorteile des Onlinemarktplatzes mit der Zuverlässigkeit eines Handwerksbetrieb und ist mit diesem Konzept zu einem führenden Anbieter für den Heizungswechsel gewachsen. Mehrere hundert Installateure führen die Aufträge aus.

„Wir haben erwartet, dass auch andere Unternehmen auf diesem Markt aktiv werden“, sagt Gründer Philipp A. Pausder. „Das ist der Gang der Dinge. Als Start-up-Unternehmer sehe ich das entspannt“, sagt er. Thermondo bietet nicht nur herkömmliche Heizungen an, sondern seit einigen Monaten auch Brennstoffzellenheizungen. Für das Jahr 2017 planen die Berliner den Verkauf und die Installation von 1000 Geräten dieser energiesparenden Technologie. „Wir werden auch in den Strommarkt gehen und haben das Ziel, der modernste Energieversorger zu werden“, sagt Pausder. In nächsten Jahr wird Thermondo auch Photovoltaik und Stromspeicher in sein Portfolio aufnehmen.

Eon verkauft seit Jahren Stromspeicher

Vattenfall hat sich viel Zeit mit der Innovation seiner Geschäftsmodelle – mehr als die Mitbewerber. Der Energieversorger Eon verkauft nach eigenen Angaben seit fünf Jahren Solaranlagen.

Vor zweieinhalb Jahren wurde dieses Engagement ausgebaut. „Aktuell im Fokus steht der Vertrieb unser Solar-Komplettlösung Eon Aura an, die aus Photovoltaikanlage, Stromspeicher, einem eigens von Eon entwickelten und programmierten Energiemanager sowie einem Aura Stromtarif für die Reststrombelieferung besteht“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Moriße.

Solarstrom-Batterien wie im BMW i3

GreenHaus ist nicht das einzige Projekt, mit dem Vattenfall Neuland betritt. In Hamburg entwickelt SunBessy eine Batterie, mit der Betreiber privater und gewerblicher Photovoltaikanlagen ihren selbst erzeugten Strom speichern können. Die Kosten für diese Investition teilen sich der Versorger und der Kunde.

Die Batterie von der Größe eines Gefrierschrankes verwendet die gleichen Lithium-Ionen-Batterien wie das Elektroauto i3 von BMW. Derzeit werden die letzten Anpassungen an den bereits installierten Pilotbatterien gemacht. Ein drittes Projekt ist in den Niederlanden angesiedelt: Power Peers ermöglicht Erzeugern regenerativer Energie, „ihren“ Strom gegen eine monatliche Gebühr direkt an andere Stromkunden zu verkaufen.

Innovationsdruck als neue Herausforderung

Solche Projekte voranzutreiben ist die Aufgabe von Claus Wattendrup. „Der Innovationsdruck stellte eine neue Herausforderung dar“, räumt er ein. „Wir betreiben eine Energiewende im eigenen Konzern“, sagte Wattendrup.