Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen 18°C
Kinetik im Kunstmuseum

Werke, die sich wandeln

05.04.2009 | 11:02 Uhr

Es blinkt, klingelt, rattert, schillert und bewegt sich etwas im Untergeschoss des städtischen Kunstmuseums. Keine Spur von alten Ölschinken – hier gibt es leuchtende Skulpturen, klingende Scheiben und Bilder, die ihr Aussehen verändern.

 Anfassen ist bei vielen Werken nicht nur erlaubt, sondern sogar gewünscht. „Wir haben die größte öffentliche Kinetiksammlung in Deutschland”, sagt Museums-Chefin Leane Schäfer stolz. Ein Pfund, mit dem Gelsenkirchen wuchern kann, und doch ist diese seit den 1960er Jahren stetig gewachsene Sammlung immer noch so etwas wie ein Geheimtipp. Das soll sich ändern, spätestens 2010 im Jahr der Kulturhauptstadt Ruhr. Dann wird die Kinetische Sammlung um Leihgaben aus der Kunsthalle Recklinghausen und dem Skulpturenmuseum Glaskasten in Marl erweitert und soll Kinetik-Begeisterte aus aller Welt anziehen. „Wir werden bis 2010 die Sammlungsabteilungen hier im Museum umstrukturieren – und die Kinetik als einen von drei Schwerpunkten in ein neues Licht rücken”, erklärt Leane Schäfer. Schon jetzt braucht sich die Dauerausstellung allerdings nicht zu verstecken: Die rund 100 Exponate sind für Jedermann zugänglich. Und das kostenlos. Jeden Tag (außer montags).

Die Namen der Künstler, deren Werke hier vertreten sind, lesen sich wie ein „Who is Who” der Kinetik-Szene: Leo Erb ist dabei, der Amerikaner George Rickey, der Italiener Gianni Colombo, Günther Uecker mit seinen Nagelbildern sowie Heinz Mack, Mit-Begründer der Düsseldorfer Künstlergruppe „ZERO”.

Mit einem Besuch von ZERO in Gelsenkirchen verfestigte sich Anfang der 1960er Jahre der Wunsch, das Kunstmuseum in Bewegung zu versetzen: Kinetik ist abgeleitet von dem griechischen Wort für Bewegung.

Die Werke arbeiten mit Schall, speziellen Motoren oder komplizierten Pendelkonstruktionen. Den Auftakt unserer neuen Kinetik-Reihe, die wir heute in der WAZ starten, macht ein Werk, das gleich im Eingang zur Sammlung steht: „Heavy Metal Instrument” heißt dieser riesige Gong des Ungarn Sandro Antal aus dem Jahr 1982, das 1993 zur Gelsenkirchener Sammlung stieß.

Der Künstler lebt in Düsseldorf und ließ sich unter anderem von der Stahlindustrie des Ruhrgebiets zu seinen Skulpturen inspirieren. Zum Kunstwerk im hiesigen Museum gehört ein Stahlschlegel mit Lederkopf, mit dem die Besucher auf den Gong mit zwei Metern Durchmesser einschlagen können. Die Klangwelle, die dabei entsteht, ist nicht nur hör-, sondern auch fühlbar. Diese Kunst ist eben nicht nur etwas für den Kopf, sondern auch für den Bauch.

Anne Bolsmann

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/579946/create

Aktuelle Fotos und Videos
40 Jahre Maritim
Bildgalerie
Hotel
Eine echte Gaudi
Bildgalerie
Schützenfest
Drachenwetter auf Consol
Bildgalerie
Himmelsstürmer
Rock Hard in Gelsenkirchen
Bildgalerie
Festival
Aus dem Ressort
Vor 2021 wird Gelsenkirchen den Haushalt nicht ausgleichen
Stärkungspakt
Von 2014 bis 2018 wird die Stadt Gelsenkirchen jährlich gut 25 Millionen Euro zusätzlich aus Düsseldorf erhalten, dem Stärkungspakt Stadtfinanzen sein Dank. Aber die Summe der Kassenkredite wird steigen, bis die Stadt es schafft, den Haushalt aus eigener Kraft auszugleichen – also nicht vor 2021.
Farfan im Visier - Einbrecherbande muss lange ins Gefängnis
Prozesse
Fleischgroßhändler und Weinlager hatten sie jahrelang leer geräumt, nun müssen sie mit karger Gefängniskost vorlieb nehmen. Das Landgericht Essen verurteilte vier Angeklagte aus Bottrop und Gelsenkirchen wegen schweren Bandendiebstahls in mehreren Fällen zu bis zu fünf Jahren und drei Monaten Haft.